KARRIERE Frage : an Anja Mengel Fachanwältin für Arbeitsrecht

Muss ich das Projekt leiten?

an Anja Mengel

Ich bin seit über 20 Jahren in einem Unternehmen tätig, das vor einigen Jahren fusioniert hat, seit sieben Jahren als Abteilungsleiterin. Jetzt soll ich als Projektleiterin mit einem Projekt betraut werden. Diese Aufgabe entspricht meines Erachtens nicht meinem Arbeitsvertrag – und auch nicht meiner beruflichen Qualifikation. Muss ich das Projekt leiten? Was wäre, wenn es aus nicht von mir verschuldeten Gründen nicht gelingt?

Ob die neue Aufgabe übernommen werden muss, hängt von Einzelheiten im Arbeitsvertrag und der konkreten Aufgabe ab. Es ist üblich, dass Arbeitsverträge den Aufgabenbereich eines Arbeitnehmers bei seiner Einstellung oder Beförderung festlegen. Im Rahmen dieser gewöhnlich schlagwortartigen Beschreibung mit einer Berufsbezeichnung, wie Bürokaufmann oder Ingenieurin, oder auch einer hierarchischen Funktion, wie Abteilungsleiter oder Direktorin, kann der Arbeitgeber dann aufgrund seines Direktionsrechts durch zahlreiche Einzelweisungen die konkrete Tätigkeit im Alltag vorgeben und auch in Maßen – bis zur Grenze der „Berufsbezeichnung“ oder „Aufgabenbezeichnung“ – verändern.

Oft werden im Arbeitsvertrag aber auch so genannte „Versetzungsklauseln“ vereinbart, die dem Arbeitgeber ein weitergehendes Recht einräumen, dem Arbeitnehmer – abweichend von der vereinbarten Aufgabe – andere, gleichwertige Tätigkeiten zuzuweisen, für die er fachlich und persönlich geeignet ist.

Teilweise sehen diese Klauseln auch die Versetzung in andere Betriebsstätten oder Konzernunternehmen vor. Insoweit ist im Einzelfall zu prüfen, ob die konkrete Versetzung vom Weisungsrecht des Arbeitgebers oder der Versetzungsklausel gedeckt ist. Angesichts neuerer Rechtsprechung stellt sich in der Praxis auch oft die Frage, ob die Versetzungsklausel als solche wirksam und ausreichend „transparent“ ist. Liegt eine wirksame Versetzungsklausel vor, kann auch die Zuweisung einer Projekttätigkeit, zumal als Projektleiterin, gleichwertig sein zu einer bisherigen Tätigkeit als Abteilungsleiterin – und somit eine vertragsgemäße Beschäftigung.

Im Hinblick auf die Anforderungen an eine pflichtgemäße Arbeitsleistung gelten für die Projekttätigkeit keine Besonderheiten. Der Arbeitnehmer ist stets (nur) zu einer durchschnittlichen Tätigkeit verpflichtet, aber auch dazu, Fehler in seiner Arbeit zu vermeiden. Überdies haften Arbeitnehmer nicht für jede Fahrlässigkeit, die Schäden verursacht, sondern erst bei grober Fahrlässigkeit und Vorsatz. Aber selbst bei unterdurchschnittlicher Leistung ist die verhaltensbedingte Kündigung nicht ohne Weiteres durchsetzbar. Foto: Promo

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