KARRIERE Frage : an Anja Mengel Fachanwältin für Arbeitsrecht

Sind Überstunden in Praktika okay?

an Anja Mengel

Ich studiere seit sechs Semestern Produktdesign und beginne bald ein sechsmonatiges Praktikum in einer Firma, bei der ich an einem spannenden Projekt mitarbeiten kann. Nun habe ich gehört, dass ich auch als Praktikant Überstunden leisten und an Feiertagen zu arbeiten habe. Muss ich das akzeptieren? Schließlich bekomme ich nur 500 Euro monatlich gezahlt.

Es ist zu unterscheiden: Ein Praktikant, der als Student eine dem Studienziel dienende praktische Ausbildung erhält, ist kein Arbeitnehmer und auch kein Praktikant im Sinne des Berufsbildungsgesetzes (BBiG), sodass die zwingenden gesetzlichen Regeln für Arbeitnehmer nicht anwendbar sind.

Auch für einen „Studenten-Praktikanten“ gilt , dass er nur zu Überstunden verpflichtet werden kann, wenn sie vertraglich vereinbart sind. Finden sich dazu in dem Praktikantenvertrag keine Angaben, muss ein Praktikant allenfalls in Notfällen Überstunden machen, wenn sonst ein (unverhältnismäßiger) Schaden für die Firma droht. Ein solcher Fall kann im Dienstleistungsbereich etwa eintreten, wenn andernfalls eine wichtige Abgabefrist nicht eingehalten werden kann.

Die Feiertagsarbeit wiederum ist nach dem Arbeitszeitgesetz auch für Arbeitnehmer nur ausnahmsweise zulässig; die Tätigkeit in einem Produktdesignbetrieb wird nicht in den Katalog der Ausnahmen fallen. Allerdings ist es nicht eindeutig, dass die Verbote der Feiertagsarbeit für Studenten-Praktikanten gelten, weil das Arbeitszeitgesetz nur für Arbeitnehmer und Praktikanten nach dem Berufsbildungsgesetz gilt. Ein „Erst-Recht- Schluss“ zugunsten der Studenten ist nicht ohne Weiteres möglich.

Einen gesetzlichen Urlaubsanspruch haben Studenten-Praktikanten ebenfalls nicht – das Bundesurlaubsgesetz ist für sie nicht anwendbar. Aber auch Arbeitnehmer haben in den ersten sechs Monaten in einem neuen Beschäftigungsverhältnis keinen Anspruch auf Urlaub.

Über die festgelegten Inhalte des Praktikantenvertrages hinaus ist daher hier vor allem interessant, ob die Tätigkeit wirklich ein studienbegleitendes Praktikum ist oder nicht doch Hilfsarbeiten ohne Ausbildungsziel zum Gegenstand hat. Wird der vermeintliche Praktikant aber tatsächlich wie ein Arbeitnehmer eingesetzt, gilt er rechtlich als solcher und kann – auch konträr zu seinem Vertrag – alle Arbeitnehmerrechte beanspruchen, einschließlich einer für diese Tätigkeit üblichen Arbeitnehmervergütung.

Der fehlerhafte Einsatz eines Praktikanten kann ein Unternehmen viel Geld kosten. Insgesamt ist es daher für beide Seiten von Interesse, vorab die Einzelheiten eines Praktikums zu prüfen und vertraglich festzulegen. Foto: Promo

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