KARRIERE Frage : an Christoph Abeln Fachanwalt für Arbeitsrecht

Kann ich zur Konkurrenz gehen?

an Christoph Abeln

Ich arbeite in leitender Funktion bei einer renommierten Firma in Berlin. Es gibt nur wenige branchenverwandte Unternehmen in der Stadt. Kürzlich habe ich eine Stellenausschreibung eines der Konkurrenzunternehmen entdeckt, die mich sehr anspricht. Da sich die Managementebene der Firmen aber sehr gut kennt, zögere ich mich zu bewerben: Das könnte sich doch sicher schnell rumsprechen und hätte dann Nachteile für mein jetziges Arbeitsverhältnis? Oder kann ich mich auf den Datenschutz verlassen? Wann muss ich meinem Arbeitgeber mitteilen, dass ich gehen will?

Auf den Datenschutz würde ich mich an Ihrer Stelle nicht verlassen, vor allem dann nicht, wenn sich die Managementebene beider Unternehmen gut kennt. Andererseits drohen Ihnen auch keine unmittelbaren Nachteile, wenn Sie die Fühler nach einem anderem Arbeitgeber ausstrecken. Damit kehren Sie Ihrem bisherigen Arbeitgeber noch längst nicht den Rücken zu. Für diesen gibt es daher keine Möglichkeit, Sie arbeitsrechtlich zur Räson zu bringen.

Erst, wenn Sie Ihrem Arbeitgeber gegenüber offen zu erkennen geben, dass Sie sich anderweitig beworben haben und nicht bei ihm bleiben wollen, kann eine Kündigung wegen Ihres „Abkehrwillens“ drohen. Diese unterliegt jedoch strengen Voraussetzungen: Ihr Arbeitgeber muss zuvor sogar Anstrengungen unternehmen, um Sie zurückzuhalten. Allerdings kann ein Arbeitgeber, der sich trennen will, subtilere Bösartigkeiten an den Tag legen, zum Beispiel Versetzungen aussprechen, Privilegien entziehen, bei der Urlaubsgewährung nicht mitspielen, engmaschigere Kontrolle der Arbeit veranlassen, plötzlich schlechte Bewertungen geben, negative Arbeitszeugnisse ausstellen – die Liste ließe sich recht lang fortsetzen. Sich zu bewerben lohnt sich also nur, wenn Sie tatsächlich den Arbeitsplatz wechseln wollen.

Grundsätzlich darf man zwar eigentlich darauf vertrauen, dass eine Bewerbung vertraulich behandelt wird. Eine zusätzlich im Anschreiben geäußerte Bitte um besondere Vertraulichkeit schadet aber sicherlich nicht – hilft allerdings auch nicht, wenn der neue Arbeitgeber trotzdem „plaudert“.

Spätestens, wenn Sie sich entschieden haben, den Arbeitsplatz zu wechseln, müssen Sie dies dem Arbeitgeber in Form Ihrer Kündigung mitteilen. Da Sie in leitender Funktion arbeiten, gehe ich davon aus, dass Sie eine vergleichsweise lange Kündigungsfrist haben. In solchen Fällen bietet es sich an, mit dem Arbeitgeber über einen vorzeitigen Ausstieg zu verhandeln, um die Kündigungsfrist abzukürzen. Letztlich wird ein Arbeitgeber keinen Mitarbeiter halten können, der sich entschlossen hat, zu gehen. Foto: Promo

– Haben Sie auch eine Frage?

Dann schreiben Sie uns:

E-Mail:

Redaktion.Beruf@tagesspiegel.de

0 Kommentare

Neuester Kommentar