KARRIERE Frage : an Christoph Abeln Fachanwalt für Arbeitsrecht

Wie komme ich an mein Geld?

an Christoph Abeln

Als Übersetzerin habe ich mich vor einigen Jahren selbstständig gemacht. Mein Unternehmen läuft gut, doch immer wieder habe ich Probleme mit der Zahlungsmoral meiner Auftraggeber. Welche Möglichkeiten habe ich, mein Honorar zu erhalten, wenn auch nach einer schriftlichen Mahnung nach zwei Monaten kein Geld auf meinem Konto eingeht?

Da Sie schon eine schriftliche Mahnung ausgesprochen haben, bleiben im Grunde nur noch zwei Wege, um an Ihr Geld zu kommen: Entweder Sie beantragen bei dem zuständigen Amtsgericht einen Mahnbescheid oder Sie klagen Ihr Honorar gleich ein. Der Mahnbescheid hat den Vorteil, dass er kostengünstiger ist und dass Sie, wenn sich der Schuldner nicht dagegen wehrt, schnell einen Vollstreckungsbescheid erwirken können, mit dem der Gerichtsvollzieher Ihre Forderung vollstrecken kann. Doch oft legen die Schuldner Widerspruch gegen den Mahnbescheid ein – und dann wird aus dem Mahnverfahren ein ganz normales, gerichtliches Klageverfahren.

Wie so oft hilft auch hier Vorbeugung: Sie sollten bei der Aushandlung Ihres Honorars darauf bestehen, dass der Auftraggeber Ihnen für Ihre Übersetzungsarbeit eine angemessene Abschlagszahlung als Vorschuss zahlt. Wenn er dies verweigert, können Sie sicher sein, dass Sie auch bei Ihrer Endabrechnung Ihrem Geld hinterherlaufen werden.

Schließlich gibt es noch eine andere, jedoch eher unbeliebte Möglichkeit: Sie können, Ihre Forderungen gegen einen Abschlag an Inkassounternehmen verkaufen. Dann brauchen Sie sich nicht mehr um die Zahlungsmoral Ihrer Auftraggeber zu sorgen. Allerdings dürfte es im täglichen Geschäftsleben nicht immer vorteilhaft sein, wenn Sie ein Inkassounternehmen beauftragen, um die Außenstände einzutreiben. Denn: In der Bevölkerung als auch in Unternehmerkreisen bestehen Vorbehalte und Vorurteile gegenüber derartigen Unternehmen und ihren gelegentlich unorthodoxe Methoden, an ausstehende Gelder zu kommen.

Alternativ könnten Sie auch von einem Zurückbehaltungsrecht Gebrauch machen. Das heißt, Sie erbringen Ihre Dienstleistung oder Ware nur Zug um Zug, gegen Zahlung. Als Übersetzerin wäre denkbar, Kapitel für Kapitel abzuliefern. Ob so etwas möglich ist, hängt natürlich auch von der Branche ab, in der Sie tätig sind, und vom Wettbewerbsdruck.

Der einfachste Weg also bleibt die Anzahlung bei Auftragsannahme, um die niedrige Zahlungsmoral Ihrer Auftraggeber ein wenig abzufedern. Foto: Promo

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