KARRIERE Frage : an Christoph Abeln Fachanwalt für Arbeitsrecht

Habe ich das Recht auf ein Gespräch?

an Christoph Abeln

Ich arbeite seit ein paar Jahren bei einem mittelständischen Unternehmen in der Medienbranche. Leider führt mein Vorgesetzter keine regelmäßigen Mitarbeitergespräche. Wenn ich ihn darum bitte, wiegelt er ab. Als ich um ein Zwischenzeugnis bat, hat er mich aufgefordert, ihm einen Entwurf vorzulegen. Habe ich denn kein Recht auf ein Mitarbeitergespräch und die regelmäßige Bewertung meiner Leistungen?

Mitarbeitergespräche sind ein Instrument der Personalführung. Darin erhält der Arbeitnehmer regelmäßig ein Feedback über seine Leistung und kann mit dem Arbeitgeber über seine weitere Karriereplanung sprechen. Zeichnen sich Konflikte im Arbeitsverhältnis ab, können Mitarbeitergespräche genutzt werden, um rechtzeitig und gemeinsam Lösungen zu erarbeiten. Selbstverständlich sollte jeder Vorgesetzte ein offenes Ohr für die Belange seiner Mitarbeiter haben. Ein Arbeitnehmer hat grundsätzlich jedoch keinen Anspruch auf ein solches Gespräch, es sei denn, es gibt eindeutige vertragliche Regelungen, wie etwa im Zusammenhang mit Zielvereinbarungen. Denkbar sind auch arbeitsvertragliche Einheitsregelungen, die für alle Mitarbeiter oder einen Teil der Belegschaft des Unternehmens gelten.

Außerdem sieht sich nicht jeder Arbeitgeber oder Vorgesetzte in der Lage, ein solches Gespräch professionell zu führen. Denn: Mitarbeitergespräche erfordern ein gehöriges Maß an Vorbereitung und sollten, um effizient zu sein, regelmäßig durchgeführt werden. Empfohlen wird, mindestens einmal jährlich ein solches Gespräch zu führen. Die Verweigerung der Kommunikation gegenüber Mitarbeitern kann das Arbeitsverhältnis natürlich belasten und ein Anzeichen für einen beginnenden Konflikt sein.

Ein Arbeitnehmer, der auf einem solchen Austausch besteht, sollte einen festen Termin mit seinem Vorgesetzten vereinbaren und ihm ausdrücklich mitteilen, dass ihm sehr daran gelegen ist. Es bietet sich auch an, die zu besprechenden Punkte vorab zu klären, um somit beiden Seiten die Möglichkeit zu geben, das Gespräch so kurz wie nötig und so effektiv und objektiv wie möglich zu führen.

Einen Anspruch auf ein Zwischenzeugnis haben Sie nur bei wesentlichen Veränderungen im Arbeitsverhältnis, wie beispielsweise Erweiterung des Aufgabenbereichs, Änderung der Rechtsform des Unternehmens oder wenn etwa der Vorgesetzte wechselt. Sie haben auch dann einen Anspruch auf ein Zwischenzeugnis, wenn der Arbeitgeber eine Kündigung ausspricht und Sie gegen die Kündigung vor dem Arbeitsgericht klagen. Foto: Promo

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