KARRIERE Frage : an Christoph Abeln Fachanwalt für Arbeitsrecht

Wird mein Vertrag jetzt verlängert?

an Christoph Abeln

Ich arbeite als Vertretungs-Sekretärin in einem mittelständischen Unternehmen. Bisher hatte ich immer einen befristeten Arbeitsvertrag, der schon einige Male verlängert wurde. Jetzt ist er aber ausgelaufen und ich arbeite ohne Vertrag weiter. Nun interessiert mich: Wandelt sich ein befristeter Vertrag nach mehrfachen Verlängerungen irgendwann in einen unbefristeten um?

Die Befristung eines Arbeitsverhältnisses ist nur dann zulässig, wenn sie durch einen sachlichen Grund gerechtfertigt ist. Bei mehrfach hintereinander gereihten Befristungen, wie in Ihrem Fall, muss aber nur geprüft werden, ob die Befristung des letzten Arbeitsvertrages sachlich gerechtfertigt ist. Es kommt somit nur auf den letzten Arbeitsvertrag an.

Sachliche Gründe für eine Befristung sind zum Beispiel, wenn der Betrieb nur vorübergehend Bedarf hat an der Arbeitsleistung eines Mitarbeiters, wenn ein Arbeitnehmer auf Probe eingestellt ist oder der zeitweise Eingestellte einen anderen Arbeitnehmer vertritt. Eine solche Befristung mit sachlichem Grund kann der Arbeitgeber vornehmen, so oft er möchte. Je länger aber eine Befristung dauert, desto höher werden die Anforderungen an den Sachgrund. Hat der Arbeitgeber keine überzeugenden Gründe für die immer weitergehende Befristung, können Anzahl und Dauer Hinweise für das Fehlen eines Sachgrundes sein.

Liegt kein Sachgrund vor, ist die kalendermäßige Befristung eines Arbeitsvertrages nur bis zur Dauer von zwei Jahren zulässig. Innerhalb dieser Zeit kann der befristete Arbeitsvertrag höchstens drei Mal verlängert werden. Das sieht das so genannte Teilzeit- und Befristungsgesetz vor. Es regelt auch die rechtlichen Folgen einer unwirksamen Befristung: In Fällen, in denen die Befristung im Arbeitsvertrag unwirksam ist, gilt der befristete Arbeitsvertrag auf unbestimmte Zeit geschlossen. Er kann vom Arbeitgeber frühestens zum vereinbarten Ende ordentlich gekündigt werden, wenn nicht die ordentliche Kündigung zu einem früheren Zeitpunkt möglich ist.

Läuft die Befristung aus und wird der Arbeitnehmer dennoch wie vorher weiterbeschäftigt, so besteht ein so genanntes faktisches Arbeitsverhältnis. Dieses gilt dann als auf unbestimmte Zeit verlängert, wenn der Arbeitgeber nicht unverzüglich widerspricht oder dem Arbeitnehmer mitteilt, dass der Zweck des Vertrages erreicht ist.

Unabhängig davon, ob ihr Arbeitsvertrag mit oder ohne sachlichem Grund befristet ist (war), gilt das Arbeitsverhältnis daher als auf unbestimmte Zeit verlängert, wenn es nach Ablauf der Zeit vom Arbeitgeber – auch ohne Vertrag – fortgesetzt wird. Foto: Promo

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