KARRIERE Frage : an Christoph Abeln Fachanwalt für Arbeitsrecht

Muss ich Rauch im Büro akzeptieren?

an Christoph Abeln

Seit kurzem bin ich in einer Werbeagentur tätig. Leider gehört Rauchen für meine Kollegen zur Arbeit dazu. Nur ich bin Nichtraucher. Was kann ich tun?

Die Grundlage für den Nichtraucherschutz am Arbeitsplatz ist die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers, die in Paragraf 618 des Bürgerlichen Gesetzbuches verankert ist, und die am 27. September 2002 inkraftgetretene Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV).

Nach Paragraf 5 der Arbeitsstättenverordnung ist der Arbeitgeber unmittelbar verpflichtet, nichtrauchende Beschäftigte zu schützen. Er muss die erforderlichen Maßnahmen treffen, damit sie am Arbeitsplatz wirksam vor den Gesundheitsgefahren durch Tabakrauch geschützt sind. Einschränkungen gelten jedoch für Räume mit Publikumsverkehr. Auch aus dem Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) ergibt sich, dass der Arbeitgeber sich um den Schutz der Nichtraucher am Arbeitsplatz kümmern muss. Welche konkreten Maßnahmen erforderlich sind, ist allerdings nicht geregelt.

Klar definiert ist jedoch: Ein Nichtraucher muss einen Raucher im selben Büro nicht akzeptieren. Auch Kaffeeküche und Kopierräume müssen rauchfrei bleiben. Ist zwar das eigene Büro rauchfrei, nebenan jedoch ein Raucherbüro oder -zimmer eingerichtet, ist der Schutz des Nichtrauchers in der Regel gewahrt – so lange er nicht gesundheitlich besonders anfällig ist. Das gilt etwa für Asthmatiker, aber auch für schwangere oder stillende Mitarbeiterinnen. Für sie wäre das Rauchen in der Flurnachbarschaft selbst bei geschlossener Tür nicht zumutbar.

Das Bundesarbeitsgericht geht in seiner jüngsten Entscheidung vom Mai 2009 noch weiter: Wenn es durch Landesgesetz (in Berlin das Nichtraucherschutzgesetz) verboten ist, in Gaststätten Tabak zu rauchen, kann ein dort Beschäftigter sogar verlangen, an einem rauchfreien Arbeitsplatz beschäftigt zu werden, so das Urteil.

Dem Arbeitgeber ist es aber überlassen, wie und ob er durch bauliche, technische oder organisatorische Maßnahmen den Arbeitnehmerschutz durchführt. Ein allgemeines Rauchverbot kann zwar nur unter Beachtung der Mitbestimmung des Betriebsrats erlassen werden. Doch laut Arbeitsschutzgesetz folgt auch die Pflicht des Rauchers, auf den nichtrauchenden Kollegen Rücksicht zu nehmen.

Hilft der Arbeitgeber Beschwerden von Mitarbeitern nicht ab oder sind die Maßnahmen unzureichend, können sich die Beschäftigten an die Arbeitsschutzaufsichtsbehörde (in Berlin das Landesamt für Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz und technische Sicherheit) wenden, ohne Nachteile für ihr Arbeitsverhältnis befürchten zu müssen. Foto: Promo



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