KARRIERE Frage : an Christoph Abeln Fachanwalt für Arbeitsrecht

Ist der Urlaub übertragbar?

an Christoph Abeln

Ich arbeite als Designer in einer mittelständischen Firma. Wegen der vielen Aufträge, die wir 2009 hatten, konnte ich kaum Urlaub nehmen. Jetzt interessiert mich: Wie viele meiner verbliebenen Urlaubstage kann ich mit ins nächste Jahr nehmen?

Nach Paragraf 1 des Bundesurlaubsgesetzes (BUrlG) hat jeder Arbeitnehmer Anspruch auf mindestens 24 Werktage Urlaub. Der Anspruch auf den vollen Jahresurlaub entsteht erstmals, wenn das Arbeitsverhältnis sechs Monate bestanden hat. Bei der Anzahl der Urlaubstage geht das Gesetz aus historischen Gründen noch von einer Sechstagewoche aus. Ist die wöchentliche Arbeitszeit auf weniger Arbeitstage verteilt, ergibt sich auch ein geringerer Mindesturlaubsanspruch. So beträgt der Anspruch bei einer Fünftagewoche mindestens 20 Werktage.

Der Urlaubsanspruch geht grundsätzlich unter, wenn er nicht im laufenden Kalenderjahr, das heißt bis zum 31. Dezember, in Anspruch genommen wird. Nur in Ausnahmefällen und unter engen gesetzlichen Voraussetzungen kann man den Urlaub auf die ersten drei Monate des Folgejahres übertragen. In einigen Tarifverträgen kann aber auch ein längerer Übertragungszeitraum geregelt sein.

Für die Übertragung des Urlaubs auf das nächste Jahr verlangt der Gesetzgeber in Paragraf 7 des BUrlG aber dringende betriebliche oder in der Person des Arbeitnehmers liegende Gründe. Dringende betriebliche Gründe liegen etwa dann vor, wenn die Interessen des Arbeitgebers, den Urlaub erst im Übertragungszeitraum zu gewähren, das Interesse des Arbeitnehmers, den Urlaub im Kalenderjahr zu nehmen, überwiegen.

Liegen solche Gründe nicht vor, besteht im folgenden Jahr beziehungsweise im Übertragungszeitraum auch kein Urlaubsanspruch mehr – es sei denn, es liegt eine betriebliche Übung vor: War der Arbeitgeber seit mindestens drei aufeinander folgenden Jahren bei allen Arbeitnehmern ohne Ausnahme mit der Übertragung des Urlaubs auf das Folgejahr einverstanden, muss dies grundsätzlich auch im folgenden Jahr gelten.

Wenn der Urlaub wirksam auf die ersten drei Monate des Folgejahres übertragen wurde, muss er spätestens bis zum 31. März genommen werden. Sonst verfällt er endgültig, selbst, wenn der Arbeitgeber den rechtzeitig beantragten Urlaub in den ersten drei Monaten des Folgejahres ohne Grund nicht gewährt, obwohl das möglich gewesen wäre. In einem solchen Fall hätte der Arbeitnehmer dann aber gegenüber dem Arbeitgeber einen Anspruch auf Schadensersatz. Eine Ausnahme zum endgültigen Verfall besteht nur, wenn man den Urlaub infolge von Krankheit und/oder Arbeitsunfähigkeit nicht nehmen konnte.Foto: Promo

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