KARRIERE Frage : an Martina Perreng Arbeitsrechtlerin beim DGB

Darf ich im Urlaub arbeiten?

an Martina Perreng

Von Ende Juli bis Ende August habe ich vier Wochen Urlaub. Von einem Freund ist mir angeboten worden, während dieser Zeit in einem Ferienclub in Australien als Animateurin zu arbeiten. Weil ich schon einmal mit meinem Arbeitgeber einen Konflikt wegen einer Nebentätigkeit hatte, bin ich mir nicht sicher, ob ich das darf.

Jeder Arbeitnehmer hat bei einer 6-Tage-Woche pro Jahr Anspruch auf mindestens 24 Tage bezahlten Erholungsurlaub, bei einer 5-Tage-Woche beträgt der gesetzliche Mindesturlaub 20 Tage. Sinn und Zweck des Urlaubs ist also das Erholen von der Arbeit. Nicht zuletzt soll die Arbeitsfähigkeit durch den Urlaub erhalten werden. Da die Erholung der Beschäftigten auch im Interesse des Arbeitgebers ist, muss er das Arbeitsentgelt während des Urlaubs weiter bezahlen.

Entsprechend legt das Bundesurlaubsgesetz fest, dass ein Arbeitnehmer während des Urlaubs keine dem Urlaubszweck widersprechende Erwerbstätigkeit ausüben darf. Also ist auch jede Tätigkeit gegen Entgelt untersagt, die die Erholung verhindert. Ob dies bei einer Tätigkeit als Animateurin in einem Ferienclub der Fall ist, hängt von den konkreten Aufgaben und vor allem dem Umfang der Tätigkeit ab.

Wird zum Beispiel eine Rund-um- die-Uhr-Betreuung der Gäste erwartet, so kann sich der Arbeitnehmer sicherlich nicht wirklich erholen. Eine solche Tätigkeit würde also gegen die arbeitsvertraglichen Pflichten verstoßen. Anders allerdings wäre der Sachverhalt zu bewerten, wenn es sich lediglich um einen Einsatz von wenigen Stunden am Tag handelt und dazu beispielsweise die Anleitung zu sportlichen Aktivitäten vereinbart wird. Je nach der beruflichen Tätigkeit können solche sportlichen Aktivitäten sogar besonders den Erholungszweck fördern – und ihn nicht vereiteln.

Die bloße Tatsache, dass ein Einsatz bezahlt wird, macht ihn zwar noch nicht rechtswidrig. Allerdings kann die Bezahlung ein Indiz dafür sein, dass der Arbeitnehmer eine Tätigkeit ausübt, die dem Urlaubszweck entgegensteht. Insbesondere bei einer höheren Vergütung wird man davon ausgehen können, dass eine entsprechende Gegenleistung erwartet wird, die ausschließt, dass Erholung tatsächlich möglich ist.

Stellt sich nun heraus, dass ein Arbeitnehmer in seinem Urlaub eine urlaubszweckwidrige Tätigkeit ausgeübt hat, sich also nicht erholt, sondern quasi weitergearbeitet hat, kann er abgemahnt werden. Außerdem kann der Arbeitgeber das Urlaubsentgelt zurückfordern.

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