Karriere im Ausland : Von Berlin in die Welt

Große Konzerne und auch kleine Firmen bieten spannende Arbeitsplätze – und die Chance, im Ausland zu arbeiten.

Marion Hartig

In Warschau machte die Berliner Firma Braun Schaltgeräte den ersten Schritt in die internationale Geschäftswelt. Einige Mitarbeiter restaurierten dort vor einer Kirche zwei historische Gasleuchten. „Durch das Projekt wurde der Bürgermeister auf uns aufmerksam“, erzählt Geschäftsführer André Braun. Und: Da in der polnischen Hauptstadt viele alte Gaslampen ihren Geist aufgeben, stehen für den Hersteller von Schaltsystemen für Gas- und Elektrobeleuchtung nun lukrative Folgeaufträge an.

Im Jahr 2001 wurde Braun Schaltgeräte gegründet. Inzwischen hat das Unternehmen 30 Beschäftigte – und wächst weiter. Denn nicht nur in Berlin und Warschau müssen in die Jahre gekommene Straßenlampen erneuert werden. Auch aus Italien, Dänemark und Frankreich kommen Anfragen.

Rund 2000 Berliner Firmen sind auf dem internationalen Markt aktiv, schätzt Martina von Mesterhazy von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin. „Hat sich ein Unternehmen national etabliert, versucht es auch im Ausland, Märkte zu erschließen.“

Vor allem die Firmen aus den Berliner Wachstumsbranchen machen immer öfter auch jenseits der Grenzen Geschäfte. Siemens, die Deutsche Bahn, der Zughersteller Bombardier und Bayer Schering sind dabei, das Medizintechnikunternehmen Biotronik und die Solarfirma Solon. Und auch kleinere Betriebe bringen ihre Produkte ins Ausland, wie die Firma Gerb, deren Schwingungsfedern die Wände eines Luxushotel in Dubai stabilisieren, oder eben Braun Schaltgeräte. Die Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern spannende Jobs und interessante Perspektiven – erwarten allerdings auch bestimmte Kompetenzen.

ENGLISCH IST PFLICHT

Für die Mitarbeiter der kleinen Firma Braun hat sich einiges verändert, seit Aufträge aus Europa in Berlin eingehen. „Die Mitarbeiter vor Ort müssen am Telefon immer öfter Englisch sprechen“, sagt André Braun. Für die Werbung wurde eine Marketingreferentin, für die Kontakte mit ausländischen Kunden Außendienstmitarbeiter eingestellt. Außerdem wird ein Agraringenieur gesucht, der die Produktpalette weiterentwickelt. Er soll natürlich auch Englisch sprechen können.

Braun Schaltgeräte fasst gerade international Fuß. Bombardier dagegen ist langjähriger Routinier auf dem Weltmarkt. Der Konzern beschäftigt weltweit 31 500 Mitarbeiter. Vor sechs Jahren ist die Zentrale für das gesamte Unternehmen nach Berlin verlegt worden. 435 Mitarbeiter koordinieren vom Schöneberger Ufer aus das internationale Geschäft. In Bereichen wie Finanzen, Human Resources, Communication, Engineering oder Strategy kooperieren sie mit den jeweiligen Abteilungen in aller Welt. „Von der Telefonvermittlung bis in die Chefetagen ist Englisch Arbeitssprache“, sagt die Expertin für Talentsuche, Stefanie Stockhecke.

International vernetzt ist auch das Medizintechnikunternehmen Biotronik (1400 Beschäftigte in Berlin, 4000 weltweit). Die Mitarbeiter an der Spree arbeiten mit Kollegen aus Europa, den USA, Brasilien oder China zusammen, in der Forschung und Entwicklung, in der Produktion, dem Marketing und dem Vertrieb. Auch bei Biotronik ist Englisch ein Muss. Andere Fremdsprachen werden erst in Kontakt mit bestimmten Ländern interessant. Französisch und Spanisch oder exotische Sprachen wie der Pekinger Chinadialekt seien in der Praxis seltener gefragt, sagt Geschäftsführer Christoph Böhmer. Bei der Bewerbung könnten solche speziellen Qualifikationen aber durchaus ein Bonus sein.

INTERKULTURELLE KOMPETENZ

Doch nicht nur Englisch ist gefragt. „Wir erwarten von unseren Mitarbeitern die Bereitschaft, im internationalen Kontext zu arbeiten“, sagt Stockhecke von Bombardier. Konkret heißt das: Die Mitarbeiter müssen kulturelle Gepflogenheiten von Kollegen und Kunden kennen, sich darauf einstellen – und entsprechend agieren.

„Wer etwa mit japanischen Kollegen zu tun hat, muss wissen, wie der Alltag in einer japanischen Firma aussieht, wie Verhandlungsgespräche geführt werden und dass das Individuum hinter dem Team zurücktritt“, erklärt Sven Weickert vom Institut für Personalmanagement (IP).

INS AUSLAND GEHEN

Globale Unternehmen sind für viele Mitarbeiter attraktiv, weil sie gute Chancen bieten, ins Ausland zu gehen. Auch bei Biotronik ist das so. „In allen Bereichen und Hierarchiestufen hat man bei uns die Möglichkeit, in einem der weltweiten Firmensitze zu arbeiten", sagt Geschäftsführer Christoph Böhmer. Ingenieure, die in der Entwicklung tätig sind, fahren in die USA, um mit den Kollegen vor Ort ein gemeinsames Projekt voranzutreiben. Vertriebsmitarbeiter lassen sich mit ihren Familien einige Jahre in Asien nieder, um dort den Vertrieb auszubauen. Hochschulabsolventen gehen ein paar Monate zu Biotronik in Lateinamerika oder Afrika, um die Struktur des Unternehmens vor Ort kennenzulernen.

„Beide Seiten profitieren von solchen Auslandseinsätzen“, sagt Biotronik-Chef Böhmer: Das Unternehmen, weil die Mitarbeiter international besser vernetzt sind und so etwa leichter Fehlerquellen in der Zusammenarbeit erkennen. Die Mitarbeiter, weil sie ihren Horizont erweitern – und außerdem auch ihre Karrierechancen verbessern. „Auslandserfahrungen sind immer auch ein Wettbewerbsvorteil“, sagt der Firmenchef.

Bei Bombardier haben gerade Hochschulabsolventen gute Karten, ins Ausland zu gehen. Das Unternehmen bietet Traineeprogramme an. Im Global Graduate Programm etwa sind drei Auslandseinsätze in verschiedenen Ländern inklusive. Wer bereits bei Bombardier tätig ist, hat über die weltweite interne Ausschreibung von offenen Stellen die Möglichkeit, einen Job im Ausland zu finden. „Das Land, aus dem der Bewerber kommt, ist bei der Vergabe zweitrangig“, sagt Stockhecke. Die Vermittlung übernimmt ein zentraler Stellenpool.

Ein Auslandsaufenthalt bedeutet aber nicht automatisch mehr Geld. Bei Bombardier etwa arbeiten von der Firma ins Ausland entsendete Mitarbeiter zu den Bedingungen, die in ihrem deutschen Vertrag festgeschrieben sind. Ihr Gehalt bleibt also gleich. Wer dagegen lokal angestellt wird, erhält einen neuen Vertrag mit vor Ort üblicher Bezahlung. Solche Regelungen sind auch bei anderen Firmen gängig.

Und was kommt auf die Mitarbeiter zu, wenn sie nach Deutschland zurückkehren? „Ihre frühere Position ist gewöhnlich vergeben. Sie bekommen dann oft neue Aufgaben und gebenenfalls auch mehr Verantwortung“, sagt Stockhecke. Damit steige auch das Einkommen. Garantiert ist ein solcher Karrieresprung aber bei Bombardier genauso wenig wie in anderen Unternehmen.

DER EINSTIEG

Trotz der Finanzkrise sind die Global Player auf Mitarbeitersuche. Bombardier hat auf seiner Internetseite 125 freie Stellen in Deutschland ausgeschrieben. In Berlin werden Verwaltungsmitarbeiter gesucht, am Produktionsstandort Henningsdorf Ingenieure und Facharbeiter (www.bombardier.com). Biotronik hat an der Spree aktuell mehr als 60 freie Stellen zu besetzen. Gesucht werden etwa ein Sachbearbeiter für den Einkauf, ein Marketing Manager, ein Physiker und ein Laborant (www.biotronik.de).

Wer bei einem internationalen Unternehmen einsteigen will, sollte während des Studiums Auslandserfahrungen sammeln. „Lange Reisen sind gut, Praktika oder Arbeitserfahrungen aber für die Bewerbung weit wertvoller“, sagt Biotronik-Chef Böhmer. „Viele Firmen führen standardisierte Auswahlverfahren durch. Wer dann bei Auslandserfahrung kein Kreuz macht, fällt durchs Raster“, weiß Personalexperte Sven Weickert.

Spätestens im Masterstudium sollten Studenten Auslandserfahrung sammeln. Im ersten Schritt spiele es keine Rolle, ob man in Südafrika oder Großbritannien studiere. „Es geht hauptsächlich darum, dass man zeigt, dass man sich in einem anderen Land zurechtfindet“, sagt Weickert. Im nächsten Schritt sei es für die Karriere aber gut, wenn man zielgerichtet in ein bestimmtes Ausland geht, weil dort eine bestimmte Branche wächst oder weil man sich auf einen bestimmten Kulturkreis spezialisiert. Bei der Suche nach Praktika hilft die Außenhandelskammer weiter.

Wer schon im Beruf steht, verbessert seine Chancen auf die Wunschbranche oder den Wunscharbeitgeber durch ein Masterstudium, das direkt auf internationale Tätigkeiten zielt. In Berlin gibt es etwa den Studiengang „International Business Administration“ an der Berufsakademie Berlin. Die Fachhochschule für Technik und Wirtschaft (FHTW) Berlin bietet für Bachelor- und Masterstudenten „International Business Administration“ an. An der Uni Hamburg kann man „International Business and Economics mit Fokus China“ auf Master studieren.

Will man sich bei einem Global Player bewerben, sollte man zunächst aber seine Englischkenntnisse aufpolieren, so Weickert. „Das lohnt sich für alle Berufsgruppen, für Sekretärinnen wie für Ingenieurinnen.“

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