Karrierechancen : Nur die erste Station

Wie sich Krankenpfleger für Leitungsfunktionen in Klinik und Gesundheitswirtschaft fit machen können.

Sandra Fritsch
arzt
Keine Krankenversicherung, keine ärztliche Versorgung. -

Sie sind die guten Seelen im Krankenhaus, betreuen Patienten auf den Stationen – und zwar rund um die Uhr. Ohne Krankenpfleger wäre die Arbeit in den Kliniken kaum zu bewerkstelligen. Sie assistieren den Ärzten, helfen bei Untersuchungen und halten im Notfall auch einfach mal Händchen. Ein Job mit viel Emotionen, aber ohne Karrierechancen? Ein Vorurteil. „Besonders hochqualifizierte Fachkräfte werden in der Gesundheitsbranche in Berlin und Brandenburg gesucht“, sagt Simone Mangelsdorf von Healthcapital, dem Netzwerk für Gesundheitswirtschaft Berlin-Brandenburg. Das gehe deutlich aus dem Fachkräftemonitoring hervor, das Ende nächster Woche in Berlin vorgestellt werde.

Wer sich in seinem Job als Krankenpfleger weiterbilden möchte, muss sich entscheiden: Er kann sich für Fach- und Führungsaufgaben auf der Station qualifizieren oder für leitende Aufgaben in der Gesundheitswirtschaft fit machen. Der Weg dorthin führt entweder über eine berufsbegleitende Weiterbildung oder über ein Hochschulstudium.

BERUFLICHE WEITERBILDUNG

Wer sich für die erste Variante entscheidet, muss deutlich weniger Zeit investieren als beim Studium. Im Schnitt dauert eine solche berufsbegleitende Weiterbildung zwei Jahre. Kurse qualifizieren zur Arbeit als Fachkrankenpfleger, zum Beispiel in den Bereichen Intensivmedizin und Anästhesie, in ambulanter Pflege, oder auch direkt für Leitungsfunktionen auf der Station. Die Inhalte der Lehrgänge sind gesetzlich geregelt und schließen mit einer staatlich anerkannten Prüfung ab. Voraussetzung für die Teilnahme ist ein Berufsabschluss in der Pflege und mindestens zwei Jahre Berufserfahrung.

„Eine Aufstiegsfortbildung kann man meist neben der Arbeit besuchen“, sagt Elke Zingel-Lang von der Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz. „Viele Krankenhäuser unterstützen zudem die Ambitionen ihrer Krankenpfleger und übernehmen die Kosten.“ Die meisten Lerner werden auf die Unterstützung ihres Arbeitgebers angewiesen sein: 3000 bis 5000 Euro kostet eine Weiterbildung bei vielen Bildungsanbietern. Doch selbst wenn der Chef nicht hilft, lohnt sich die Fortbildung. Wer sich dafür entscheidet, könne mit einem höheren Gehalt rechnen, meint Elke Zingel-Lang.

Auf jeden Fall sollte der Arbeitgeber der erste Ansprechpartner bei der Weiterbildungsplanung sein, empfiehlt Gerd Diehlemann von der Gewerkschaft Verdi. So könne man auch erfahren, ob der Chef gerade auf der Suche nach Fachkrankenpflegern ist. „In dem Gespräch sollte man direkt klären, ob es Zuschüsse vom Krankenhaus gibt“, sagt der Gewerkschafter. Auf ein Ranking der unterschiedlichen Bildungseinrichtungen in Berlin möchte er sich nicht festlegen. „Die Schulen und Abschlüsse sind alle staatlich anerkannt. Damit ist ein guter Standard erfüllt.“

In Berlin bietet zum Beispiel die Akademie der Gesundheit Berlin-Brandenburg, die Gesundheitsakademie der Charité und die SPI Fachschulen für Qualifizierung und Professionalisierung Fortbildungen für Mitarbeiter aus der Gesundheitsbranche an. Eine komplette Liste der Bildungsanbieter ist im Internet auf den Seiten des Landesamtes für Gesundheit und Soziales zu finden.

STUDIUM AN DER HOCHSCHULE

Krankenpfleger, die nach einigen Jahren im Beruf die Station verlassen möchten, können sich per Hochschulstudium für andere leitende Jobs in der Gesundheitsbranche qualifizieren. Mögliche Studienfäche sind zum Beispiel Pflegemanagement, Gesundheitsökonomie oder Qualitätsentwicklung im Gesundheitswesen. Sie ebnen in erster Linie den Weg in das mittlere Management von Kliniken und Pflegeeinrichtungen. Das Abitur ist an vielen Fachhochschulen keine Voraussetzung für ein Studium.

So auch an der Evangelischen Fachhochschule Berlin. Hier wird das Studienfach Pflegemanagement im Vollzeitstudium angeboten. Acht Semester Unterricht, ein Vollzeitpraktikum und eine Diplomarbeit müssen bewältigt werden. Aufgenommen wird, wer eine Berufsausbildung in der Pflege und zwei Jahre Berufserfahrung vorweisen kann. Studiengebühren fallen an der staatlichen Hochschule nicht an, lediglich ein Semesterbeitrag von rund 100 Euro. Ohne hohe Gebühren ist auch ein Studium an der Alice-Salomon-Hochschule Berlin möglich. Der Studiengang „Gesundheits- und Pflegemanagement“ wird nach sechs Semestern mit dem Bachelor abgeschlossen. Neben einer dreijährigen Berufsausbildung im Pflegebereich wird eine vierjährigen Berufstätigkeit von Bewerbern ohne Abitur verlangt.

Weitaus kostspieliger ist die Fortbildung an der Apollon-Hochschule der Gesundheitswirtschaft. Für das Fernstudium in Gesundheitsökonomie müssen die Teilnehmer insgesamt rund 11 000 Euro hinlegen. „Das Studium spricht alle an, die aus dem stationsnahen Umfeld raus möchten und stattdessen lieber im kaufmännischen Bereich arbeiten wollen“, so Katrin Göritz vom Studienservice der Hochschule. Auch an der Apollon-Hochschule haben Bewerber ohne Abitur eine Chance. Eine zweijährige Berufsausbildung und drei Jahre Berufspraxis werden akzeptiert. Von Vorteil ist, dass das Fernstudium auch berufsbegleitend absolviert werden kann.

WIE MAN ENTSCHEIDEN SOLLTE

Ob man einem Studium oder einer fachlichen Weiterbildung den Vorzug geben sollte, dazu können Berufsverbände und Gewerkschaften keine eindeutige Empfehlung aussprechen. „Jede Einrichtung hat unterschiedliche Vorlieben, ob Studienabsolventen genommen werden oder nicht“, so Peter Tackenberg vom Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe. „Die Perspektive auf der Managementebene liegt aber klar auf der Hochschulausbildung.“ Wer mit seinem Job auf der Station zufrieden ist, sich aber vorstellen könnte, mehr Verantwortung zu übernehmen, ist mit einer nicht-akademischen Fortbildung gut bedient.

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