Karrierefrage : an Jürgen hesse Büro für Berufsstrategie

Wie reagiere ich auf Mobbing?

an Jürgen hesse

Ich arbeite in einem sehr hierarchischen Unternehmen und fühle mich von meinem Vorgesetzten gemobbt. Wir sind grundsätzlich unterschiedlicher Meinung. Hinter meinem Rücken lästert er über mich. Derzeit sehe ich mich nach einer neuen Stelle um. Wie kann ich nun die verbleibende Zeit im Unternehmen so gestalten, dass nicht jeder Arbeitstag eine Qual ist?

Arbeitszeit ist Lebenszeit und wenn Sie diese mit den für Sie falschen Personen – Kollegen, Vorgesetzten oder auch Kunden – auf Dauer verbringen, gehen Sie mit sich und Ihrer (Lebens-)Zeit schlecht um. Und das hat Konsequenzen, es kann Sie unglücklich und krank machen, sogar in eine schwere existenzielle Krise führen. Etwa jeder dritte Suizid ist auch durch berufliche Probleme begründet.

Natürlich ist es wichtig, sich bei jedem Konflikt zu fragen, welche Ursachen liegen bei mir. Sie haben sich entschieden, das Unternehmen zu verlassen, nur leider noch nichts Passendes gefunden. Und auch darin liegt Chance und Gefahr: Schauen Sie genau hin, damit Sie sich wirklich verbessern und nicht im Affekt, „auf der Flucht“ und im „Wunschdenken“, Fehlentscheidungen treffen, die Ihre weitere berufliche Entwicklung behindern.

Zur besseren Überlebensstrategie am jetzigen Ort: Das Bewusstsein, dass Sie diesen Menschen und Ihre Kollegen bald verlassen, hilft. Die innere Einstellung, dass Sie es hier möglicherweise mit „Inkompetenten und Verhaltensauffälligen“ zu tun haben, die Hilfe und Unterstützung bräuchten, kann auch dazu beitragen, sich besser zu entspannen.

Last but not least: Konfrontieren Sie doch Ihren Vorgesetzten in einem Vieraugengespräch damit, dass Sie sich durch ihn gedemütigt, gequält, verfolgt – einfach schlecht behandelt fühlen. Kündigen Sie dabei nicht an, dass Sie das Unternehmen verlassen wollen. Fragen Sie ihn, warum er sich Ihnen gegenüber so verhält, und was er von Ihnen erwartet. Hören Sie sich alles, insbesondere seine Vorwürfe, geduldig an. Verteidigen Sie sich nicht. Greifen Sie ihn auch nicht an. Sagen Sie Ihrem Vorgesetzten nur nach einer angemessenen, längeren Pause und nach der Frage, ob dies denn auch wirklich alles gewesen sei, was er dazu zu sagen habe: Darüber muss ich nachdenken. Dann verlassen Sie aufrecht und nicht zu schnell den Raum.

Können Sie sich die Gefühle Ihres Gegenübers vorstellen? Schon das könnte Ihnen den beruflichen Alltag etwas erleichtern - gesundes Selbstbewusstsein zahlt sich auch im Beruf aus. Foto: Promo

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