Karrierefrage : Ist das Gespräch verschiebbar?

Ich bin zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen worden, das in zwei Wochen stattfinden soll. Doch ich habe sehr viel zu tun und es ist schon jetzt absehbar, dass mir kaum Zeit bleibt, mich darauf vorzubereiten, nicht einmal am Wochenende. Was raten Sie mir? Kann ich danach fragen, den Termin nach hinten zu verschieben? Oder lade ich mich damit gleich selbst aus?

Jürgen Hesse

Es gibt eigentlich nur zwei annehmbare Entschuldigungen, um ein Vorstellungsgespräch zu verschieben: Krankheit oder eine wichtige Familienangelegenheit wie eine Beerdigung. Aber selbst wenn Ihnen das Unternehmen noch eine Chance gibt und Sie zu einem späteren Termin einlädt – vielleicht ist bis dahin längst ein geeigneter Kandidat gefunden. Vergeben Sie Ihre Chance also nicht leichtfertig.

Und rühren Ihre Bedenken nicht auch daher, dass Sie eine Heidenangst vor dieser Art von Prüfung haben? Wenn Sie sich das eingestehen, finden Sie vielleicht eher die Ruhe, um sich auf die bevorstehende Begegnung einzustellen. Doch egal, was die Ursache Ihrer Bedenken ist: Nutzen Sie doch die wenige Zeit, die Ihnen bleibt, um sich konzentriert auf die wichtigsten Fragen vorzubereiten.

Worum geht es also? Man will Sie kennen lernen, wissen, woher Sie kommen, was Sie gemacht haben, wofür Sie stehen und was Sie aktuell tun. Natürlich möchte man von Ihnen auch hören, was Sie versprechen, künftig zu leisten, für das neue Unternehmen, für die Lösung der neuen Aufgaben und Probleme. VGZ ist die Kurzformel für diese Zeitschiene: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Dabei interessieren Ihre Kompetenzen, Ihre Leistungen, die Art, wie Sie mit anderen umgehen und an Aufgaben herangehen (Stichwort: Persönlichkeit). Dafür wiederum steht die Formel KLP.

Wenn Sie sich nun diese KLP-Formel mit der VGZ-Formel in einer Kreuztabelle vorstellen, haben Sie neun Felder, die Sie inhaltlich vorbereiten können und die Ihnen ein Leitfaden bei der Auswahl Ihrer Botschaften und Argumente sein dürften. Denn ohne ein gewisses Programm sollten Sie den Personalentscheidern nicht gegenübertreten. Warum sollte dieser sich für Sie entscheiden, was ist Ihr Alleinstellungsmerkmal (englisch USP), aufgrund dessen Sie sich positiv von anderen Bewerbern unterscheiden?

Fragen, mit denen Sie außerdem rechnen sollten sind: Wer sind Sie? Warum bewerben Sie sich? Warum sollten wir uns für Sie entscheiden? Können Sie diese Fragen klar beantworten, lässt sich vielleicht das Risiko leichter tragen, auch mit weniger Wissen über Ihre künftigen Aufgaben an dem Gespräch teilzunehmen. Meinen Sie aber, Fragen dazu gar nicht beantworten zu können, sollten Sie vielleicht doch besser absagen.

– Haben Sie auch eine Frage? Dann schreiben Sie uns: E-Mail: Redaktion.Beruf@tagesspiegel.de

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