Karrierekiller : Wenn Lampenfieber zur Karrierebremse wird

Bis zu 13 Prozent leiden darunter – doch den richtigen Umgang mit der Angst kann man lernen.

Tobias Schormann[dpa]

Nicht nur Künstler haben es, auch im Büroalltag kann es einen überkommen: das Lampenfieber. Doch gerade im Berufsalltag ohne Bühne haben Beschäftigte oft schlechte Karten, wenn sie Angst davor haben, sich vor anderen zu präsentieren. Denn wer ständig fürchtet, sich zu blamieren, wirkt in Besprechungen und Bewerbungsgesprächen schnell gehemmt - dann wird Lampenfieber zum Karrierekiller. „Schuld daran ist häufig übertriebener Perfektionismus“, sagte der Psychologe und Professor Wolfgang Miltner von der Universität Jena. Betroffene erreichten genau das Gegenteil, wenn sie versuchen würden, perfekt zu sein: Die Angst vor negativen Beurteilungen führe dazu, dass Betroffene verkrampfen und einen schlechten Eindruck machen.

   Hinzu komme oft eine falsche Selbstwahrnehmung - eine „kognitive Verzerrung“, wie Miltner sie nennt. Bei jedem kleinen Versprecher rechneten Betroffene damit, von den anderen ausgelacht zu werden. Dabei dürfte das in vielen Fällen gar nicht stimmen. Dieses Phänomen ist Miltner zufolge keineswegs selten: Schätzungsweise 7 bis 13 Prozent aller Menschen in den westlichen Ländern litten unter derartigen sozialen Ängsten.

Den richtigen Umgang mit Lampenfieber zu lernen, ist daher vor allem eine Kopfsache. So sollten Betroffene versuchen, das Motto „Irren ist menschlich“ zu verinnerlichen, empfahl Miltner. Häufig merkten sie dann womöglich sogar, dass kleine Fehler sie für Kollegen liebenswerter machen als aalglatte Auftritte.

Es sei aber auch eine Typfrage, wie sehr Lampenfieber einem zu schaffen macht, sagte Miltner. Besonders seien Menschen betroffen, die eher ängstlich sind. Sie müssten lernen, umzudenken. Lampenfieber im Büro könne aber auch helfen, sagte Miltner: „ Das kann auch leistungsfördernd sein und einen anspornen.“ Beschäftigte versuchen daher besser, die Aufregung zu nutzen, als sie vergeblich zu verdrängen. Tobias Schormann, dpa

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