Kommunikation : Das wäre Ihr Spruch gewesen

Die harte Kritik des Vorgesetzen oder der dumme Spruch des Kollegen kommen plötzlich. Wir sagen Ihnen, wie Sie kontern können.

Britte Domke,Alexander Ross

„Du bist schuld, dass ich Hartz IV bin.“ – „Wenn Sie sich waschen und rasieren, finden Sie auch einen Job.“ Die Antwort von SPD-Chef Kurt Beck auf die Bemerkung eines Arbeitslosen war heiß umstritten, aber in jedem Fall schlagfertig. Auch in der Berufswelt stören Sticheleien, Provokationen und verbale Angriffe aller Art die kommunikative Geschäftsgrundlage. Hier hilft Schlagfertigkeit, nicht das Gesicht zu verlieren. Viele Ratgeber übersehen allerdings: Im Beruf ist Kommunikation nie hierarchiefrei, und sie verläuft nach eigenen Regeln. Vor allem nicht so locker-flockig wie im Fernsehen. Wer den Besprechungsraum mit einer Kleinkunstbühne verwechselt, riskiert schließlich mehr als nur einen Lacher.

Denn provokative Kommunikationssituationen im Beruf haben immer ein Vorher und ein Nachher. Dass jemand gerade gegen Sie jetzt stichelt, hat meist einen Grund. Und der liegt nicht nur beim anderen, sondern vielmehr in der Beziehung. Auch die schlagfertigste Antwort ist hier nur weiße Salbe für die Symptome. Vor allem das Nachher wird gerne unterschätzt. Ein treffender Konter auf eine unangemessene Äußerung einer Person bekommt vielleicht sogar zustimmende Blicke. Doch Ihre kernige Replik wird zum Problem, wenn Sie um die Krümel streiten und dabei den Kuchen verlieren. Verzichten Sie daher besonders auf jene vermeintlich schlagfertigen Antworten, die vor allem die Beziehung berühren.

Müssen Sie sich nun alles gefallen lassen im Job? Keineswegs, auch nicht von hierarchisch höher gestellten Personen oder Kunden. Doch Sie müssen lernen, wie man anderen Menschen gekonnt und elegant widerspricht. Denn viele Ratschläge sind problematisch, etwa Rückfragen wie „Was genau meinen Sie mit Totalversager?“. Sie wiederholen nicht nur den Vorwurf, sondern stacheln auch zum konkreten Nachlegen an: „Na, wie beim Controllingprojekt, das Sie auch schon vergeigt haben.“ Wer jetzt mit der vermeintlichen Universalantwort „Sie sind ein guter Beobachter“ kontert, an dessen Realitätssinn wird schnell gezweifelt. Schlagfertigkeit sollte daher stets angemessen sein, und zwar der Situation wie Ihrer Rolle, aber immer auch der Person, gegen die Sie in den verbalen Sparring treten. Eine schnelle, schlagfertige Antwort verknüpft dabei Standards der Rhetorik, Elemente der Didaktik sowie Bilder und Basiswissen. Entscheidend ist, ob Sie letztlich wieder einen Konsens benötigen oder mit jemandem auch länger im Clinch liegen können.

Am souveränsten wirken daher immer noch all jene Konter, bei denen man neben Geistesgegenwart vor allem Esprit und Humor beweisen kann. Es ist doch kein Zufall, dass viele Beispiele wirklich schlagfertiger Bemerkungen meist Zitate von Menschen sind, die auch als herausragende Persönlichkeiten bekannt wurden. Etwa François Mitterrand: Der frühere französische Staatspräsident wurde einmal von einem Störer fortlaufend unterbrochen mit dem Ruf „Aufhören!“. Mitterrand gab elegant zurück: „Ich würde uns beiden den Gefallen ja gerne tun, aber wir sollten in dieser Situation nicht nur an uns selbst denken.“

Alle die ebenfalls auf der Suche nach einem guten Konter sind, finden hier einige schlagfertig Antworten auf typische Standardsprüche – für kniffelige Situationen von der Uni bis zur Meeting-Situation:

AN DER UNI

Na, das ist ja eine selten blöde Frage. Für dieses Totschlag-Argument gibt es sogar eine Redensart: „Es gibt keine dummen Fragen, nur dumme Antworten.“ Die sollten Sie allerdings nur einsetzen, wenn Ihr Gegenüber einigermaßen humorvoll ist. Einen subtileren Stich versetzen Sie ihm mit der Rückfrage-Technik, die den Ball wieder an den Provokateur zurückspielt: „Und wie müsste Ihrer Meinung nach die intelligente Version dieser Frage lauten?“

Sie müssen noch viel lernen. Wenn der Prof Ihnen auf die Ich-weiß-alles-und-du- nichts-Tour kommt, schlagen Sie ihn mit seinen eigenen Waffen: Schmeicheln Sie seiner Eitelkeit und nehmen Sie ihn in die Pflicht. „Genau deshalb bin ich hier: Weil ich von Ihrem Wissen profitieren möchte. Könnten Sie mir noch mal erklären, ... ?“

Die Komplimente-Technik muss allerdings vorsichtig dosiert werden: Übertriebene Schleimerei wirkt schnell unglaubwürdig. Mit so einem Versuchsaufbau brauchen Sie gar nicht erst anzufangen. Wenn Ihr Versuch wirklich Murks ist, fahren Sie besser mit der Zugeständnis-Technik als mit Erklärungen. Verweigern Sie sich dem nervenzermürbenden Spiel von Vorwurf und Verteidigung und geben Sie Ihrem Prof einfach Recht: „Das sehen Sie völlig richtig.“ Das nimmt die Schärfe aus dem Gespräch und schadet Ihrem Ruf weniger als ein verbocktes Experiment.

Ach, du bist schon im 14. Semester? Und wann willst du fertig werden? Selbst Günther Jauch fragt so was gerne mal bei „Wer wird Millionär?“. Schade, dass die Studenten dann meist kreuzbrav „Öh, vielleicht im nächsten Jahr“ antworten. Viel origineller wäre doch mal eine Variante der Übertreibe-Technik, die den versteckten Vorwurf ignoriert und ihn maßlos überzeichnet: „Also, noch nehme ich Vorschläge entgegen. 20 Semester, 30 Semester..., wer bietet mehr?“ Und was macht man später so als Anglist oder Volkswirt? Es gibt zwei Gründe, warum jemand diese Frage stellt: Erstens, er will Ihnen durch die Blume zu verstehen geben, dass Sie mit diesem Studienfach eh keinen Job kriegen. Dann lassen Sie den Vorwurf mit einer Minimal-Antwort ins Leere laufen, indem Sie ihn gar nicht als Vorwurf verstehen: „Was ich machen werde? Arbeiten. Und Geld verdienen.“ Zweitens, er hat tatsächlich keine Ahnung, womit sich Anglisten oder Volkswirte den lieben langen Tag beschäftigen. Bei solchen Bildungslücken ist etwas Hochnehmen erlaubt. Seit Till Eulenspiegel hat sich die Technik des Wörtlich-Nehmens bewährt: „Wie der Name schon sagt: angeln/Völker bewirten natürlich.“

BEIM CHEF

Wie? Sie wollen schon gehen? Ist doch erst 18 Uhr? Blöde Sprüche wie dieser - und wir gehen jetzt mal davon aus, dass 18 Uhr die normale Feierabendzeit ist - lassen sich wunderbar mit genauso blöden Antworten parieren: „Ja, ich bin grad mal in der Mittagspause. Bis später!“ Die Nonsens-Technik nimmt der Provokation Ihres Chefs die Spitze und signalisiert ihm: Auf so eine alberne Frage werde ich sicher nicht ernsthaft antworten.

Nehmen Sie das jetzt bitte nicht persönlich. Nee, ist klar. Gerade hat Ihr Chef noch gesagt, dass Sie eine Mimose/ein fauler Sack/ein renitenter Störenfried sind. Und jetzt sollen Sie es nicht persönlich nehmen. Da hilft die Rückfrage-Technik: Fordern Sie von ihm Klartext statt Phrasen. „Wie soll ich es denn Ihrer Meinung nach nehmen?“ Oder Sie nutzen die Retour-Technik und schlagen mit gleichen Waffen zurück: „Gut, dann nehmen Sie es bitte auch nicht persönlich, dass ich Ihre Kritik als sehr unsensibel erlebe.“

Wieso ist das noch nicht fertig? Für alles, was Sie tun, haben Sie einen guten Grund – dieses Prinzip steckt hinter der Wäre-es-Ihnen-lieber-Technik. Die Methode: Sie stellen dem Vorwurf eine extreme Alternative gegenüber, die Ihrem Chef noch viel weniger lieb sein dürfte: „Wäre es Ihnen denn lieber, wenn ich einen unausgegorenen Schnellschuss abliefere?“

Mehr haben Sie in der ganzen Zeit nicht geschafft? Natürlich erwartet Ihr Chef Rechtfertigungen und Entschuldigungen, warum Sie mit dem für ihn so wichtigen Projekt nicht vorangekommen sind. Verblüffen Sie ihn stattdessen mit der Positiv-statt-Negativ-Technik, indem Sie eine stolze Bilanz Ihrer „Nebenbei“-Arbeit ziehen: „Oh doch. Viel mehr. Ich habe zehn Anrufe entgegengenommen, drei Kollegen bei ihren PC-Problemen geholfen und den Drucker von seinem Papierstau befreit. Nennen Sie mich Superwoman!“

Na also, geht doch! Ein vergiftetes Kompliment, das Sie entschärfen können, indem Sie die versteckte Unterstellung mit der Dolmetscher-Technik beim Namen nennen: „Sie meinen also, dass ich beim ersten Versuch aus purer Böswilligkeit nicht all mein Können eingesetzt habe?“ An dieser Stelle winken die meisten Chefs erschrocken ab: So krass wollen sie ihre Kritik dann doch nicht verstanden haben.

BEI DEN KOLLEGEN

Dafür habe ich keine Zeit. Besonders beliebt bei Kollegen, die sich vor unangenehmen Aufgaben drücken wollen. Aber auch deren Tag hat genau 24 Stunden – wie der Ihre. Deshalb können Sie auch hier die Dolmetscher-Technik nutzen und das Argument Ihres Gegenübers präzisieren: „Sie meinen wohl: Ich setze meine Prioritäten anders. Das müssen Sie bitte mit der Geschäftsführung klären. Denn die hat diesem Projekt allerhöchste Priorität bescheinigt.“

Sind Sie so blöd oder tun Sie nur so? Sie müssen selbst entscheiden, wann bei Ihnen eine Grenze überschritten ist: Können Sie so einen Spruch noch als Frotzelei abtun? Dann haben Sie die Wahl, ihn entweder ironisch-witzig zu parieren („Keine Ahnung. Sagen Sie mir Bescheid, wenn Sie es herausgefunden haben?“) oder ihn zu ignorieren. Empfinden Sie die Frage allerdings als Unverschämtheit, dann können Sie dem Angreifer mit der Abgrenzungs-Technik klare Grenzen setzen. Sprechen Sie nicht den Inhalt des Gesagten an, sondern die unangemessene Wortwahl: „Ich möchte nicht, dass Sie in diesem Ton mit mir reden.“

Immer müssen wir für dich Extrawürste braten. Überraschen Sie Ihren Gesprächspartner, indem Sie ihm zustimmen. Mit der Gerade-weil-Technik betonen Sie, dass Ihr Verhalten für den anderen nicht negativ, sondern ganz im Gegenteil sehr vorteilhaft ist: „Gerade weil Ihr mir netterweise immer Extrawürste bratet, kann ich mich voll auf die neue Marketingkampagne konzentrieren. Und wenn die gut läuft, haben wir alle was davon.“

Wenn ich hier was zu sagen hätte, wärst du ganz schnell weg vom Fenster. Aber Ihr Kollege hat zum Glück nichts zu sagen. Deshalb können Sie seinen Spruch getrost unter „leere Drohung“ verbuchen. Drohen Sie genauso leer zurück: „Wenn du hier was zu sagen hättest, hätte ich schon längst bei der Konkurrenz angeheuert.“ Damit ist das Gleichgewicht der Kräfte wieder hergestellt – und Ihr Kollege wieder zurück auf dem Teppich.

IM MEETING

Das hat doch noch nie geklappt. Wer solche Glaubenssätze aufstellt, muss sich gefallen lassen, dass seine unverrückbaren Überzeugungen als unflexibel und altmodisch gebrandmarkt werden. Am besten funktioniert dies mit der Was-wäre -wenn-Technik, die Vorbilder aus der Geschichte zu Hilfe nimmt: „...sprach Carl Benz und beschloss, auch weiterhin lieber Kutsche zu fahren.“ Oder: „Glauben Sie, Bill Gates wäre mit dieser Einstellung Milliardär geworden?“

Sie können nichts als kritisieren. Machen Sie den Angreifer selbst zum Opfer – mit dem Gegenangriff: „Ich gehe eben nicht so naiv an die Sache heran wie Sie“, „Das habe ich mir von Ihnen abgeguckt“ oder „Ach, und was machen Sie gerade?“. Damit ist plötzlich der andere in der Defensive. Und Sie sind aus der Schusslinie.

Das ist doch alles totaler Unsinn. Oft fällt einem nicht sofort die Knaller-Replik ein. Dann helfen zurechtgelegte hilft es, sich Notfall-Techniken zurechtzulegen, mit denen Sie wertvolle Zeit für eine geistreichere Antwort gewinnen. Ausrufe wie „Ach was" oder „Na sowas“ helfen ebenso über die erste Sprachlosigkeit hinweg wie die ironisch angehauchten „Sagen Sie bloß“, „Tatsächlich?“ oder „Was Sie nicht sagen“. Karriere

Alexander Ross: Fettnapf-Slalom für Manager, F.A.Z.-Verlag, Mai 2007, 17,90 Euro.

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