Krankenhäuser : Die Krise bleibt draußen

Sie werden händeringend gesucht: Gut ausgebildete Gesundheits- und Krankenpfleger fehlen an allen Ecken und Enden.

Angelika Friedl

„Wir hören von vielen Krankenhäusern und Pflegedienstleitern, dass kaum noch qualifizierte Kräfte zu finden sind“, berichtet Monika Kunz vom Landesverband Nordost des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe. Die Situation wird sich noch verschärften, denn das Durchschnittsalter der Beschäftigten liegt bei Mitte bis Ende 40.

Viele werden in den nächsten zehn Jahren in Rente oder in den vorzeitigen Ruhestand gehen und müssen ersetzt werden. Gleichzeitig macht sich die demografische Entwicklung bemerkbar. Bei einer immer älter werdenden Bevölkerung steigt auch die Anzahl der Pflegebedürftigen und damit der Bedarf an Menschen, die sie pflegen.

„Derzeit gibt es bundesweit 9500 Stellenausschreibungen mehr als im vergangenen Jahr“, bestätigt Olaf Möller von der Arbeitsagentur Berlin-Brandenburg. Im Vergleich zu anderen Branchen, in denen Arbeitsplätze abgebaut wurden, seien auch neue Arbeitsplätze entstanden. In Brandenburg gibt es 200 offene Stellen für Kranken- und Gesundheitspfleger, in Berlin sind es 240. Die aktuelle Wirtschaftskrise kann diesem Trend auf dem Gesundheitsmarkt anscheinend nichts anhaben.

„Es ist keine Übertreibung zu behaupten, dass Krankenpfleger einen nahezu krisensicheren Job haben“, sagt Raphael Krüger vom Netzwerk Gesundheitswirtschaft in Berlin-Brandenburg. Doch nicht jeder ist für den Beruf geeignet. „Man braucht schon eine große Zuneigung zu Menschen, außerdem kommunikative Fähigkeiten“, so Krüger. „Und man sollte auch intime Nähe ertragen können.“ Eine gewisse körperliche Robustheit ist ebenfalls von Vorteil, denn Pfleger müssen zum Beispiel auch Patienten waschen.

Um im Beruf voran zu kommen, können Krankenpfleger Zusatzausbildungen in medizinischen Fachgebieten absolvieren. So gibt es Fortbildungen in der Intensivmedizin, dem Operationsdienst, der Psychiatrie, der Onkologie, als Lehrkraft für Krankenpflege oder als Leiter von Pflegeeinrichtungen. Allein in Berlin existieren 18 staatlich anerkannte Weiterbildungseinrichtungen, sowohl von privaten wie auch von öffentlichen Trägern.

Die Gesundheitsakademie an der Charité Berlin zum Beispiel bietet fast alle in Frage kommenden Zusatzausbildungen an. In Brandenburg können Pfleger eine Weiterbildung für die gerontopsychiatrische Betreuung und Pflege absolvieren, in der sie auch therapeutischen Kenntnisse im Umgang mit demenzkranken Menschen erwerben. Den Kurs gibt es unter anderem am Diakonischen Bildungszentrum Lobetal in Bernau oder auch im Paritätischen Bildungswerk Berlin-Brandenburg in Potsdam.

Eine weitere Chance bieten akademische Würden. „Die weitere Akademisierung würde den Pflegebereich sehr aufwerten“, meint Krüger. Wer zum Beispiel den Bachelor Studiengang Gesundheits- und Pflegemanagement an der Alice-Salomon-Fachschule in Berlin abgeschlossen hat, kann künftig Leitungsfunktionen ausüben. Das Studium ist auch ohne Abitur oder Fachhochschulreife möglich, wenn man eine Ausbildung vier Jahre Berufserfahrung vorweist.

Mehr Praxisnähe vermittelt ein Lehrgang an der Evangelischen Fachhochschule, in dem die Studierenden in Krankenhäusern arbeiten und parallel Pflegewissenschaft, Medizin und Qualitätsmanagement büffeln. Nach acht Semestern schließt das Studium mit dem „Bachelor of Nursing“ ab. Angelika Friedl

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