Kreativität : Ideen auf die Sprünge helfen

Kreativität ist nicht nur für Künstler, sondern auch in kaufmännischen und technischen Jobs wichtig. Mit der richtigen Technik ist es leichter, einen klaren Gedanken zu fassen.

Katja Gartz
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Bloß nicht drüber nachdenken. Die besten Einfälle kommen nicht beim konzentrierten Grübeln, sondern über Umwege. Foto: dpa/gms

Nicht nur Werbetexter suchen nach guten Ideen für überzeugende Werbeslogans. Wer für seinen Arbeitgeber neue Produkte, Marketing- oder Verkaufsstrategien entwickeln, braucht ebenfalls einen kreativen Geist. Zwischen Kundengespräch, Meeting und dem Mittagessen mit Kollegen fällt es manchen jedoch schwer, einen klaren Gedanken zu fassen. Wer Kreativitätstechniken beherrscht, hat es einfacher. Ein besonderes Talent ist dafür nicht nötig. Eine zweitägige Weiterbildung genügt, um sich einen ersten Überblick über gängige Methoden zu verschaffen.

Gudrun Köhler, Programm- und Marketing-Managerin beim Club Bertelsmann, hat es selbst ausprobiert. Sie besuchte ein Seminar der Trainersocietät Berlin. „Ich wollte wissen, wie ich Ideen für neue Buchreihen und die passenden Titel entwickeln kann“, berichtet die 33-Jährige. Für sich und ihr Team hat sie die Methode 653 entdeckt. Dabei schreiben sechs Teilnehmer in etwa fünf Minuten drei Ideen – zum Beispiel für Kapitelüberschriften eines Ratgebers – auf ein Blatt Papier und reichen es anschließend im Kreis herum.

„Alle Teilnehmer lassen sich von den Einfällen ihrer Kollegen inspirieren und entwickeln diese weiter“, erklärt Seminarleiterin Ina Jachmann von der Trainersocietät. Vorteil dieser Technik ist, dass Ideen innerhalb kurzer Zeit entstehen. Die Methode 653 wurde 1968 von dem Marketingexperten Bernd Rohrbach entwickelt und geht auf das bekannte „Brainstorming“ zurück.

Diese Methode eignet sich bereits für eine Gruppe ab vier Personen. Etwa 30 Minuten lang sollen dabei so viele Einfälle wie möglich gesammelt werden – auch, wenn sie zunächst ungewöhnlich erscheinen. Anschließend werden die Ideen kritisiert, bewertet und auf ihre Brauchbarkeit überprüft. Der Nachteil: Zum Brainstorming ist ein Moderator erforderlich. Der Amerikaner Alex Osborn kreierte diese Methode, um Besprechungen effektiver zu gestalten.

Sich mit solchen Kreativitätstechniken zu beschäftigen mache durchaus Sinn – besonders in der Wirtschaftskrise, meint der Berliner Coach und Trainer Lars Baus. „Viele Unternehmen erkennen nicht, dass sie es nur aus der Krise schaffen, wenn sie längerfristig innovativ bleiben und dafür das kreative Potenzial ihrer Mitarbeiter stärken“, sagt Baus, der Seminare bei der Europäischen Wirtschaftsakademie Demos leitet. Wissen und Erfahrung allein genüge dafür nicht.

Dem Hirnforscher Ernst Pöppel zufolge besitzt jeder Mensch die Fähigkeit, kreativ zu sein. Der Kreativität im Wege stehen Gewohnheiten, die Angst, Fehler zu machen sowie festgefahrene Vorstellungen. Wer seine Kreativität beflügeln will, sollte viele Einflüsse zulassen, seine Gedanken in verschiedene Richtungen lenken und Assoziationen nutzen. Wer sich unter Druck setzt und – wie im Fall von Marketing-Managerin Gudrun Köhler – zwanghaft nach Kapitelüberschriften für Buchtitel sucht, leidet eher unter Stress und Denkblockaden.

Mit der Umkehrmethode veranschaulicht die Trainerin Ina Jachmann ihren Seminarteilnehmern, wie eingefahrene Denkstrukturen durchbrochen werden können. In einer Beispielaufgabe geht es um ein Theater, das neue Zuschauer gewinnen will. Anstatt Marketinginstrumente zu konzipieren, sollen sich die Teilnehmer fragen: Wie verhindern wir, dass Menschen ins Theater gehen? „Bei dieser Frage sprudeln die Ideen plötzlich“, sagt Jachmann. Manche schlagen vor, unverständliche Stücke zu spielen, schlechte Schauspieler zu engagieren, den Spielplan nicht zu veröffentlichen und unbequeme Sitze einzubauen. Durch diese Negativliste kristallisieren sich schnell neue Ansätze heraus. Laut Jachmann verhindert die spielerische Denkweise Blockaden.

Das merkte auch die Marketingexpertin Gudrun Köhler. Für sie ist die so genannte „Walt Disney Methode“ eine der nützlichsten Kreativitätstechniken im Berufsalltag geworden. Auf drei Stühlen oder in drei Räumen gilt es, in drei verschiedene Rollen zu schlüpfen. Der „Träumer“ lässt seinen Gedanken freien Lauf, der „Realist“ entwickelt Ideen zweckorientiert weiter. Zuletzt kommt der „Kritiker“, der die Umsetzbarkeit der Ideen überprüft. Diese Methode eignet sich für Produktideen oder Dienstleistungen sowie konkrete Werbemaßnahmen. Köhler wendet sie mit Kollegen für ihre neuen Bucheditionen an.

Manche Unternehmen wie die Technoform Kunststoffprofile GmbH in Kassel geht noch einen Schritt weiter. Der High-Tech Hersteller von Kunststoffen schult seine Mitarbeiter nicht nur im Umgang mit Kreativitätstechniken, er hat sogar ein eigenes „Innovationscenter“ ins Leben gerufen. Dort sollen Ideen für neue Kunststofferzeugnisse entstehen. „Wir glauben nicht, dass man gut überleben kann, wenn man sich nur auf das Kernprodukt konzentriert und nicht die Produktpalette erweitert“ , berichtet Ideenmanagerin Carola Vollmer, die kreative Werkzeuge an ihre Kollegen weitergibt. Um ihr Wissen über Kreativtechniken zu vertiefen, besuchte sie ebenfalls ein Seminar.

„Ich habe vor, die Osborn-Checkliste zur Ideenfindung einzusetzen“, sagt die Ingenieurin. Benannt nach dem Erfinder des Brainstormings eignet sich der Katalog aus über 60 Fragen besonders, um Einfälle zu verbessern und Brainstorming-Sitzungen nachzubereiten. Damit die Ideen jedoch auch wirklich sprudeln, heißt es: üben, üben, üben.

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