Kurs für Führungskräfte : Manager als Maestros

In einem speziellen Kurs können auch gestandene Führungskräfte noch dazulernen. Sie testen ihre Außenwirkung.

Till Knipper
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Zu hören. Die Musiker reagieren direkt auf die Körpersprache der Dirigenten. -Foto: RJO

Christoph Gottschalk ist es gewohnt vor größeren Gruppen zu sprechen, sicher im Auftreten kann er andere in seinen Bann ziehen. Aber die Situation in den Probenräumen des Rundfunk Berlin-Brandenburg ist auch für ihn neu. Das Rias-Jugendorchester (RJO) wartet konzentriert darauf, dass Gottschalk den Einsatz zur Carmen-Ouvertüre gibt. „Das ist schon ein ziemlicher Nervenkitzel“, sagt der 32-jährige Headhunter der Personalberatung Russell Reynolds. Das Seminar hat ihn, den Profi, gepackt.

Das Dirigieren des 60-köpfigen Orchesters ist der Höhepunkt des zweitägigen Managerdirigierseminars. „Es gibt viele Parallelen zwischen dem Dirigieren eines Orchesters und der Arbeit von Managern in Unternehmen“, erklärt RJO-Geschäftsführer Christian Reichart. Die Teilnehmer überprüfen ihre Führungsfähigkeiten und bekommen ein Gefühl für ihre Körpersprache. Vom Orchester erhalten die Neu-Dirigenten ein direktes Feedback, ob sie überzeugend auftreten, Impulse geben und ihre Ideen vermitteln. „Man hört es einfach sofort, ob sie einem folgen oder nicht“, sagt Reichart.

Das RJO bietet die Seminare seit 2008 an. Die Einnahmen sind der Beitrag der Musiker zum Gesamtetat des Ausbildungsorchesters, in dem Musikstudenten aus ganz Europa spielen. Nachdem das Deutschlandradio Anfang 2005 seine Förderung einstellte, kümmert sich ein Förderkreis um die Finanzierung.

Teilnehmen können bis zu zehn Leute. Am ersten Tag bekommen sie von Dozent Rainer Seegers eine Einführung in die Grundlagen des Dirigierens. Der Pauker der Berliner Philharmoniker erklärt die unterschiedlichen Taktarten, anschließend findet eine Klavierprobe statt. „Man braucht keine musikalische Vorbildung, aber man sollte klassische Musik mögen“, sagt Reichart. Abends, gibt es Anschauungsunterricht bei einem Konzert der Berliner Philharmoniker. Am zweiten Tag kommt nach kleinen Übungen das Konzert mit dem Orchester, das auf DVD aufgezeichnet wird.

Den Führungskräfte-Experten und Teilnehmer Gottschalk hat das Konzept überzeugt: „Gerade durch die Aufzeichnung kann man die Selbsterfahrung mit dem Blick von außen abgleichen.“ Das Geheimnis für Dirigenten und Manager sei, eine Mischung aus Führen und Delegieren zu finden. Gottschalk kommt gut durch sein Stück und erhält für seine Carmen-Interpretation anerkennenden Applaus – von den Musikern. Till Knipper

Weitere Informationen unter: www.managerdirigierseminar.de. Beitrag aus dem Magazin „Junge Karriere“

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