Kurz vor ACHT : Die angebliche Lehrergewalt

Berlins Landeselternsprecher André Schindler ist auch in den eigenen Reihen nicht unumstritten. Dennoch wird er immer wieder gewählt, was wohl daran liegt, dass er gut informiert und meinungsstark ist. Deshalb wurde ihm auch verziehen, dass er vor Jahren mal einen Ausflug in die „richtige“ Politik machte, als er eine Elternpartei gründete.

Längst hat er sich wieder auf die eigentlichen Aufgaben eines Landeselternsprechers besonnen, wenn er sich um drückende Themen wie JüL und Turboabitur kümmert. Nun ist er allerdings wieder mal über das Ziel hinausgeschossen, als er am Freitag, wie berichtet, behauptete, das Berliner Landgericht legalisiere „Gewalt gegen Kinder“. Der Anlass: Eine Lehrkraft hatte einen Elfjährigen am Arm gepackt, weil der trotz Aufforderung nicht den Klassenraum verlassen wollte. Der Staatsanwalt hatte darin einen Fall von Körperverletzung gesehen. Der Richter hingegen befanden, die Lehrerin müsse die Möglichkeit haben, für störungsfreien Unterricht zu sorgen und überhaupt sei es keine „Körperverletzung“, selbst wenn das Kind anschließend einen kleinen blauen Fleck habe.

Natürlich kann Schindler das für falsch halten. Wenn er aber noch weiter geht und eine „Legalisierung von Gewalt“ heraufbeschwört, fragt man sich schon, wo seine Maßstäbe geblieben sind. Immerhin müsste er wissen, dass Lehrer – zumindest statistisch – viel häufiger Opfer von Schülergewalt sind als umgekehrt. Er müsste auch wissen, dass manche Schüler sich über Pädagogen lustig machen, weil sie wissen, dass ihnen gesetzlich die Hände buchstäblich gebunden sind.

Was man Schindler allerdings zugutehalten kann: Als Elternvertreter muss er die Dinge von der anderen Seite sehen. Und da stehen eben auch viele Familien, die sich wehrlos fühlen, weil Lehrer, Rektoren und Schulräte mauern. Der Landeselternausschuss kann allerdings nicht damit rechnen, auf Verständnis für die eigenen Klagen und Sichtweisen zu stoßen, wenn er schon bei einer Bagatelle von „Gewalt“ spricht. sve

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