Karriere : „Macher sind genauso wichtig wie Bremser“

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B. P.-Scheuerle

Frau Preuß-Scheuerle, Sie sind Expertin für Teamentwicklung. Was kann der Einzelne tun, um im Team gut „mitzuspielen“?

Bei der Teamarbeit sind vor allem zwei Dinge wichtig: Kommunikations- und Konfliktfähigkeit. Zum einen sollte man lernen, sich auszutauschen. Das fällt vor allem Menschen vom Typ „Tüftler“ schwer. Zum anderen ist es wichtig, Konflikte offen anzusprechen und gemeinsam zu lösen. Hier kann jeder an sich arbeiten. Das bedeutet aber nicht, dass man sich dem Team zuliebe verbiegen muss. Jeder Mensch ist nun mal, wie er ist. Macher, die die Gruppe mitziehen, sind genauso wichtig wie Bremser und Kritiker, die die kreativen Köpfe auf den Boden der Tatsachen zurückholen. Entscheidend ist eine gute Mischung.

Wie wichtig ist die Rolle des Teamleiters?

Sehr wichtig. Er muss dem Team Arbeitsstrukturen vorgeben, etwa die Art und Weise, wie Entscheidungen getroffen oder Ideen generiert werden: Merkt der Teamleiter etwa, dass einige sehr stille Leute in der Gruppe sind, sollte er überlegen, das übliche Brainstorming durch Brainwriting – also schriftliche Vorschläge – zu ersetzen. So findet jeder Gehör. Außerdem ist es seine Aufgabe, einen Rahmen für Feedback zu schaffen, etwa in regelmäßigen Runden, in denen die Teilnehmer sich Rückmeldung zu ihrer Arbeit geben. Schließlich sind auch gemeinsame Ziele, eine gemeinsame Wertebasis wichtig, die der Teamleiter mitentwickeln und vorleben muss.

Wie bringt der Leiter die Gruppe voran?

Ein schönes Bild ist für mich der Teamleiter als Gärtner: Er muss seine Pflanzen pflegen. Er muss wissen, dass man aus einem Kaktus kein Veilchen machen kann, und dass sich eine Sonnenblume nach der Sonne ausrichtet. Und er sollte immer wieder prüfen: Sind meine Leute da, wo sie sind, richtig eingesetzt? Je nach Mitarbeiter sind andere Qualitäten wichtig. In Klischees gesprochen: Im Vertrieb mit seinen vielen „Alpha-Tierchen“ muss ein Teamleiter durchsetzungsstark sein. Bei einer Gruppe introvertierter Softwareentwickler kommt es dagegen eher auf Geduld und Hartnäckigkeit an.

Sind im Joballtag Ellenbogen nicht eigentlich wichtiger als Teamgeist?

Ich denke, Ellenbogen sind gar nicht so sehr der Punkt. Aber man sollte nicht zu bescheiden sein und ruhig auf den eigenen Beitrag zum Teamerfolg hinweisen. Natürlich nicht prahlerisch oder auf Kosten der anderen, aber doch deutlich. Wer dazu neigt, sich im Team zu verstecken und still und leise seine Arbeit macht, kommt auf der Karriereleiter sicher nicht so schnell voran wie jemand, der keine Scheu hat, über seine Erfolge zu reden. Den Rahmen hierfür muss wiederum der Teamleiter bieten: Am Ende eines Projekts sollte es Gelegenheit geben, zu reflektieren: Das haben wir erreicht, und das hat jeder Einzelne dazu beigetragen.

Birgit Preuß-Scheuerle ist Trainerin und Co-Autorin des Buches „Teamcoaching“. Das Gespräch führte Silke Zorn

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