Karriere : Manager werden

Aufstiegsmöglichkeit: Der Master of Business Administration verbessert die Chancen auf Führungspositionen

Patricia Hecht
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Es sieht edel aus in der European School of Management and Technology (ESMT) am Berliner Schlossplatz 1. Vor drei Jahren wurde die Eliteschule von der Kanzlerin Angela Merkel persönlich eröffnet, als Managerschmiede von 25 Großkonzernen. Die Studenten lernen in schicken Räumen im teuer sanierten ehemaligen DDR-Staatsratsgebäude. Unterrichtssprache ist Englisch, die Referenten sind oft international. Doch das hat seinen Preis. Fast 60 000 Euro zahlen die Teilnehmer für ein berufsbegleitendes, knapp zweijähriges MBA-Studium. Dafür haben Sie gute Karrierechancen, verspricht Dekan Wulff Plinke: „Unser Ziel ist es, dass sechs Monate nach dem Abschluss alle Absolventen ein festes Arbeitsangebot haben.“ Für die ersten beiden Jahrgänge sei das erreicht und auch für die Absolventen des dritten Jahrgangs sehe es gut aus.

Doch den Master of Business Administration, den international anerkannten Abschluss, der in einem breit angelegten Studium Managementkompetenzen vermittelt, kann man auch an anderen Einrichtungen – und auch wesentlich günstiger erwerben.

Rund 30 MBA-Programme gibt es in Berlin an rund zehn staatlichen und privaten Schulen (siehe Kasten). Die Angebote sind vielfältig. Sie wenden sich an Ingenieure, Natur- und Geisteswissenschaftler, Juristen und Mediziner oder auch Berufstätige im sozialen Bereich, die sich für Managementpositionen oder höhere Ämter im öffentlichen Dienst qualifizieren wollen. Der Health Care MBA etwa bereitet Ärzte auf die Leitung eines Krankenhauses vor, der MBA in Creative Leadership zielt auf Führungspositionen in der internationalen Werbe- und Kommunikationsbranche. Die Gebühren liegen zwischen 12 500 und knapp 60 000 Euro. „Wobei die Höhe nicht unbedingt etwas über die Qualität des Studiums aussagt“, erklärt der selbständige Hochschulberater Detlef Kran. Voraussetzung für die Teilnahme ist ein abgeschlossenes Hochschulstudium und Berufserfahrung.

„Das klassische Publikum für MBA-Studiengänge kommt nicht aus dem wirtschaftlichen Bereich und ist so weit im Unternehmen aufgestiegen, dass neben fachlicher Kompetenz auch Managementwissen nötig ist“, sagt Kran.

So war es auch bei Christoph Selig. Der 41-Jährige hätte nie gedacht, dass er einmal Managementkenntnisse benötigt. Er studierte Geographie und Sozialwissenschaften auf Lehramt. Doch vor Schülern hat er dann nie gestanden. Nach der Hochschule arbeitete er zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bundestag. 2001 wechselte Selig in die Konzernrepräsentanz der Deutschen Post, wo er auch heute noch beschäftigt ist. „Ich habe ständig mit wirtschaftlichen Fragen zu tun und hatte das Gefühl, dass mir die BWL-Komponente fehlt“, erklärt Selig. Deshalb entschied er sich für einen MBA am Institut für Management an der Berliner Fachhochschule für Wirtschaft.

Das MBA-Studium vermittelt ihm nun umfassende Wirtschaftskenntnisse. Unterrichtet werden Fächer wie Finance, Business Law, Strategic Management und Accounting – und zwar meistens auf Englisch. Erprobt wird das Wissen an praxisnahen Fallstudien.

Das MBA-Studium ist ein „Studium Generale“. Wer aber nur in einzelnen Wirtschaftsbereichen Defizite hat, sollte sich gut überlegen, ob ein MBA für ihn das Richtige ist. Denn das kann man günstiger und mit weniger Aufwand in spezifischen Kursen nachholen, rät Kran.

Außerdem gilt es abzuwägen, ob eines der häufigen Teilzeitprogramme – die so genannten Executive MBAs – oder eines der seltener angebotenen Vollzeitprogramme in Frage kommt. Teilzeitstudiengänge sind oft auf bestimmte Berufsgruppen ausgerichtet. Ein Vollzeit-MBA komme dagegen besonders für Berufswechsler in Frage, so Kran. Für Christoph Selig lag die Entscheidung auf der Hand. Wie viele Berufstätige plante er, neben dem Job zu studieren, muss dafür allerdings wenig Freizeit in Kauf nehmen: So stehen für den Familienvater jedes zweite Wochenende Präsenzstudium und pro Semester eine Woche Blockunterricht auf dem Programm – und das zwei Jahre lang.

Der MBA hat in Deutschland mittlerweile den Ruf des ultimativen Karrieresprungbretts. Zwar gebe es keine Job-Garantie, sagt etwa der Direktor des Instituts für Management Berlin, Sven Ripsas. Es sei aber sehr wahrscheinlich, dass Absolventen gute Aufstiegsmöglichkeiten und Aussichten auf mehr Gehalt hätten.

Erfolgreiche Absolventen finden Jobs im Management von Banken, Beratungsfirmen und Unternehmen. Sie leiten Abteilungen oder arbeiten in der Geschäftsführung. Nach der Studie „International Recruiter Survey“ verdienen Absolventen, die bei einem Arbeitgeber mit Hauptsitz in Deutschland einsteigen, im Schnitt rund 60 000 Euro brutto im Jahr.

Doch der Master-Abschluss hat auch Kritiker. „Der MBA ist eine Trockenübung, die völlig überbewertet wird“, meint etwa der Geschäftsführer der Unternehmensberatung Kienbaum Berlin, Jürgen Below. Wer sich für das Management qualifizieren will, sollte nach einem ersten Hochschulabschluss eher ein berufsbegleitende Fernstudium im wirtschaftlichen Bereich absolvieren, um seine Defizite auszugleichen, empfiehlt er. Das sei zwar oft anstrengender, aber inhaltlich fundierter und die Abschlüsse vollwertig anerkannt. Entscheidet man sich dennoch für den MBA, hat man die Qual der Wahl. Und die Zahl der Angebote steigt. Doch wie erkennt man, dass ein Programm zu den eigenen beruflichen Zielen passt – und kein besserer Buchhaltungskurs ist?

Interessenten sollten auf die Anerkennung des Programms durch eine von zur Zeit sechs Akkreditierungsagenturen im deutschsprachigen Raum achten, sagt Hochschulberater Kran. Die Agenturen prüfen unter anderem Ziele, Ressourcen und Personal der Schulen. Die Einrichtungen werben mit entsprechenden Siegeln. Die Bewertungen geprüfter Schulen kann man aber auch auf den Webseiten der Agenturen nachlesen.

Francisco Bustamante ist sicher, dass er mit der Eliteschule ESMT die richtige Wahl getroffen hat. Für ihn hat es sich offensichtlich gelohnt, den MBA in Berlin an seine Karriere anzuhängen. Der 30-jährige Deutsch-Mexikaner und studierte Chemie-Ingenieur arbeitete nach dem Studium in Mexiko zunächst für McKinsey, dann als Manager für die Supermarktkette Wal Mart. „Durch das Studium konnte ich meine praktischen Erfahrungen reflektieren und bekam eine breitere Perspektive auf meine Aufgabenbereiche“, sagt Bustamante. Seit Februar arbeitet er bei der Berliner Firma Evologics, die im Bereich der Unterwasserkommunikation forscht und entwickelt.

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