Karriere : Master in Europa

Master-Guide: In einer Serie stellt der Tagesspiegel am Sonntag die besten Hochschulen und die wichtigsten Länder für den Wirtschaftsmaster im Ausland vor. Heute die Top-Adressen in Frankreich und Spanien

Jan Philipp Burgard

Im verschulten Bachelor-Studium fehlt es oft an Zeit für einen Auslandsaufenthalt. Warum danach nicht gleich das ganze Masterstudium in der Ferne absolvieren? Ohnehin sind unsere Nachbarn teilweise um einiges weiter, wenn es um die Entwicklung von spezialisierten Masterprogrammen geht. Nachdem wir die Top-Hochschulen in Großbritannien und den Niederlanden vorgestellt haben, geht es heute um den Wirtschaftsmaster in Frankreich und Spanien.

Wer sich die zum Teil sehr hohen Studiengebühren nicht leisten kann, sollte sich rechtzeitig beim Deutschen Akademischen Austausch Dienst (DAAD) um ein Jahresstipendium für Graduierte bewerben. Monatlich erhalten die Stipendiaten in Frankreich knapp 900 Euro, in Spanien sind es 750 Euro. Bewerber müssen allerdings im Voraus sehr gute Noten und auch Kenntnisse in der jeweiligen Sprache des Gastlandes nachweisen. Auch die spanische Regierung bietet jährlich Stipendien an. Nähere Informationen gibt es unter: www.mae.es.

FRANKREICH: DIE ELITÄREN

MEISTER-SCHMIEDEN

Kaum ein anderes Hochschulsystem in Europa ist so Elite-orientiert wie das französische. Führungskräfte in Wirtschaft und Politik werden hauptsächlich von den prestigeträchtigen „Grandes Écoles“ rekrutiert, die in ihrer Tradition auf Napoleon zurückgehen. Die Grandes Écoles sind auf ein bestimmtes Fachgebiet spezialisiert und bilden neben den Universitäten das zweite Standbein des französischen Hochschulsystems. Auch die „normalen“ Universitäten haben den Bologna-Prozess konsequent umgesetzt, aber wer eine Laufbahn auf internationalem Parkett anstrebt, sollte den Master an einer Grand École machen.

Ihre Besonderheit besteht neben dem hohen akademischen Niveau in der strengen Auslese der Bewerber. Während sich die meisten französischen Bewerber in „classes préparatoires“ (Vorbereitungsklassen) zwei Jahre lang auf die harten mündlichen und schriftlichen Eignungsprüfungen vorbereiten, können sich ausländische Studierende vergleichsweise einfach direkt nach dem Abschluss bewerben: Neben einem Bachelor mit mindestens 180 ECTS-Punkten muss ein ausführliches Motivationsschreiben vorgelegt werden. Außerdem ist in der Regel der Graduate Management Admission Test (GMAT) oder das französische Äquivalent TAGE-MAGE Pflicht.

Weil die Grandes Écoles sich zunehmend international ausrichten und inzwischen viele Kurse auch auf Englisch gehalten werden, muss meistens kein Französisch-, sondern nur ein Englischtest (TOEFL, TOEIC, IELTS) nachgewiesen werden. Die besten Bewerber werden zu Auswahlgesprächen eingeladen. Weitere Informationen gibt es unter www.sai.ccip.fr. Wer aufgenommen wird, braucht sich um seine berufliche Zukunft keine Sorgen mehr zu machen. Denn die Kaderschmieden sind bestens mit den wichtigsten internationalen Konzernen vernetzt. Doch Qualität hat ihren Preis – die Studiengebühren liegen zwischen 8000 und 15 000 Euro pro Studienjahr. Außerdem sollte man für die Lebenshaltung mindestens 1000 Euro monatlich einplanen.

HEC Paris: Die HEC – hinter diesen drei Buchstaben steckt die Königin der französischen Business Schools. Die HEC hat nicht nur seit Jahren den Spitzenplatz in den nationalen Rankings abonniert, sondern genießt auch auf internationaler Ebene einen erstklassigen Ruf. Das Masterprogramm ist durch großen Praxisbezug (Fallstudien) und Gruppenarbeit geprägt, was besonders deutsche Studenten als angenehme und sinnvolle Ergänzung zu den oft Theorie-lastigeren Lehrplänen in der Heimat empfinden dürften. Die Vernetzung der HEC mit Unternehmen ist selbst im Vergleich mit den anderen Grandes Écoles herausragend – auch Bill Gates schaut für einen Vortrag vorbei. Internet: www.hec.fr.

E.M. Lyon: Auch wenn die École de Management Lyon in der französischen Wahrnehmung etwas im Schatten der in der Hauptstadt ansässigen „Großen Drei“ steht, muss sie sich vor der Konkurrenz nicht verstecken. Die moderne und innovative E.M. Lyon hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, die europäische Unternehmer-Elite von morgen auszubilden. Dafür bietet sie seit neuestem einen zweijährigen European Master in Management an: Dem Grundlagenstudium in Lyon schließt sich im zweiten Jahr die Spezialisierung an der Aston Business School Birmingham (Marketing) oder der LMU München (Organisation, Change and Strategy) an. Wer sich auf Finance spezialisieren möchte, bleibt einfach in Lyon. Das anspruchsvolle Programm wird mit einem in Frankreich, England und Deutschland anerkannten Triple Master's Degree gekrönt. Internet: www.em-lyon.com.

ESCP-EAP: Wer in drei Jahren drei Länder und drei Wissenschaftstraditionen kennen lernen möchte, um am Ende drei Diplome in der Tasche zu haben, ist bei der ESCP-EAP an der richtigen Adresse. Die ESCP (Ecole Supérieure de Commerce de Paris) als älteste Wirtschaftshochschule Europas schloss sich 1999 mit der EAP (Ecole des Affaires de Paris) zusammen. Der European Master in Management (EMIM) ist ein generalistisches Programm à la carte: Nach dem ersten Jahr in Paris hat man für die nächsten beiden Standorte die Wahl zwischen Berlin, London, Madrid und Turin. In jedem Land ist ein Praktikum Pflicht. Internet: www.escp-eap.fr. Jan Philipp Burgard

SPANIEN: KLASSE STATT MASSE

Vor allem die Unis in Madrid und Barcelona bieten gute internationale Master-Programme an. Doch der Bologna-Prozess wurde in Spanien noch nicht komplett umgesetzt.

Die ESADE Business School in Barcelona gehört zu den besten Hochschulen in Europa und auch die staatliche Universidad Carlos III de Madrid wurde bereits mehrfach ausgezeichnet. Doch trotz des hohen Standards einzelner Hochschulen ist die Auswahl an internationalen Master-Programmen in Spanien noch nicht vergleichbar mit anderen europäischen Ländern. In Spanien wird deshalb mit Hochdruck an der Umsetzung des Bologna-Prozesses gearbeitet.

Wer sich trotz allem für einen der englischsprachigen Wirtschaftsmaster entscheidet, wird nicht enttäuscht: Gerade die Hochschulen in Madrid und Barcelona bieten ein hochwertiges Lehrangebot. Bewerber aus Deutschland brauchen neben einem ausführlichen Motivationsschreiben einen sehr guten bis guten Bachelor-Abschluss und ein bis zwei Empfehlungsschreiben deutscher Professoren. Zudem verlangen die Universitäten je nach Fach einen bestandenen Toefl-Test und den Graduate Admission Test (GMAT). Für Spanier gelten die gleichen Anforderungen, wenn sie an internationalen Programmen teilnehmen möchten. Die Lebenshaltungskosten sind vor allem in den beiden größten Städten des Landes recht hoch. Wer auf finanzielle Unterstützung angewiesen ist, kann auch in Spanien Auslands-Bafög bekommen. Dafür dürfen Studenten, die bereits in Deutschland einen Bachelor-Abschluss haben und nun einen Master im Ausland machen möchten, nicht älter sein als 30 Jahre. Der Antrag für eine solche Förderung in Spanien muss beim zuständigen Studentenwerk in Heidelberg gestellt werden. Zusätzlich zum Bafög gibt es für die Hin- und Rückreise eine Pauschale von 500 Euro und auch die Studiengebühren werden bis zu maximal 4600 Euro erstattet. Internet: www.bafoeg.bmbf.de.

ESADE Business School, Barcelona: Die beiden einjährigen Studiengänge „Master in International Management“ und „Master in Marketing Management“ an der ESADE Business School gehören zu den renommiertesten Programmen in Europa. Die „Financial Times“ stufte im September 2007 die Uni europaweit auf dem elften Platz ein. ESADE rühmt sich damit, dass alle Absolventen der Master-Programme spätestens drei Monate nach ihrem Abschluss einen Job finden. Die Gebühren allerdings sind sehr hoch: Die Programme kosten einmalig rund 20 000 Euro. Internet: www.esade.es.

Universidad Carlos III de Madrid: Wirtschaftsstudenten aus aller Herren Länder studieren am „Departement of Economics“ der staatlichen Universidad Carlos III de Madrid. Wer sich aus Deutschland für das zweijährige Programm „Master in Economic Analysis“ bewirbt, sollte ein sehr gutes Bachelor-Zeugnis nachweisen können und mindestens ein Empfehlungsschreiben eines heimischen Professors. Der Unterricht findet auf Englisch statt, Spanischkenntnisse sind nicht zwingend notwendig. Internet: www.eco.uc3m.es.

Barcelona Graduate School of Economics (GSE): Vier englischsprachige Studiengänge für Wirtschaftsstudenten gibt es an der Barcelona Graduate School of Economics: „ Master in Competition and Market Regulation“, „Master in the Economics of Science and Innovation“, „Master in Economics“ und „Master in Finance“. Das private Institut gibt es erst seit September 2007 und ist ein Zusammenschluss der beiden Universitäten Pompeu Fabra und Autònoma de Barcelona sowie dem Institute for Economic Analysis und dem Center for Research in International Economics. Die Master-Programme dauern neun Monate und kosten 12 000 Euro. Internet: www.barcelonagse.eu.

Universidad de Navarra, Pamplona: Die spanische Tageszeitung El Mundo veröffentlicht seit 2001 einmal jährlich ein Ranking für staatliche und private Universitäten. Beurteilt werden unter anderem die Ausstattung, die Zahl der Absolventen und Abbrecher sowie die Studiendauer. Bei den Privat-Unis belegte die Universidad de Navarra in Pamplona in den vergangenen Jahren jeweils den ersten Platz. Pamplona liegt im Norden Spaniens und ist die Hauptstadt der autonomen Region Navarra. Die School of Economics and Business Administration der Universidad de Navarra hat den einjährigen internationalen „Master in Economics and Finance“ im Programm. Unterrichtssprache ist Englisch, die Kosten betragen rund 8000 Euro. Die School of Law bietet zudem verschiedene Master-Studiengänge an. Internet: www.unav.es. Diana Fröhlich

Beitrag aus dem Magazin „Junge Karriere“

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