Karriere : Mehr Glück als Verstand

Erfolg ist auch Zufall, sagt Autor Malcolm Gladwell

Anne Koschik-Gottschalk
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Malcolm Gladwell glaubt nicht an Naturtalent-Karrieren. Foto: Campus Verlag

Herr Gladwell, Ihr Buch „Überflieger. Warum manche Menschen erfolgreich sind – und andere nicht“, das jetzt auf den deutschen Markt kommt und bereits Bestseller in den USA ist, räumt mit überkommenen Vorstellungen von Erfolg und Karriere auf. Sind Intelligenz und Leistung nicht die entscheidenden Faktoren auf dem Weg nach oben?

Nein. Wir Menschen denken zwar, dass wir für unser Leben, unsere Karriere selbst verantwortlich sind, aber das ist nicht so. Wir sind uns nicht bewusst, wie groß der Einfluss der Gesellschaft auf unseren Erfolg ist. Es gibt tausend verschiedene Wege dahin und sie sind vor allem abhängig von vielen Zufällen und äußeren Bedingungen, dem sozialen und kulturellen Umfeld. Das Naturtalent existiert ebenso wenig wie die reine Selfmade-Karriere.

Können Sie das belegen?

Ich behaupte: Wer außergewöhnlich erfolgreich ist, hatte auch außergewöhnliche Chancen. Nehmen Sie Bill Gates, den Gründer von Microsoft, oder Bill Joy, Gründer von Sun Microsystems – beides Ikonen in Silicon Valley. Bei ihnen zählte nicht nur die Leistung. Jemand musste ihnen auch die Chance geben, genug zu lernen, um ein Experte zu werden.

Zur rechten Zeit am rechten Ort – wie war das konkret?

Joy schrieb sich 1971 an der University of Michigan ein, genau zu der Zeit, als dort ein modernes Computerzentrum eröffnet wurde. Er programmierte rund um die Uhr, nicht zuletzt, weil ein Kommilitone ihm den Trick für einen erweiterten Computerzugang an der Uni verriet. Er promovierte in Berkeley und erhielt aufgrund seiner Fähigkeiten die Chance, das Betriebssystem Unix zu überarbeiten. Er schrieb einen Großteil der Navigationssoftware für das Internet. In seinem eigenen Unternehmen überarbeitet er mit Java eine weitere Computersprache. Bei ihm paarte sich Intelligenz mit Zufällen.

Der Weg zum Erfolg, zur Elite ist vom Einzelnen also nicht steuerbar?

Sicher nicht. Ein Lebenslauf braucht viele glückliche Brüche. Schicksal eben. Die Welt ist viel zu groß, als dass der Einzelne darin seinen Erfolg selbst steuern könnte.Anne Koschik-Gottschalk

Beitrag aus dem Magazin „Junge Karriere“

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