Musiktherapie : Singen macht fit

Musik regt die Gefühle an. Das machen sich Musiktherapeuten zunutze. Sie fördern die Gesundheit mit Hilfe von Klängen.

Dur oder Moll – in der Sprache der Musik steht das für Glück oder Trauer. In ihr lässt sich ausdrücken, wofür Worte manchmal fehlen. Während Ärzte Pillen verschreiben und Psychologen Gespräche führen, arbeiten Musiktherapeuten, mit Rhythmen und Harmonien.

„Die Aufgabe des Musiktherapeuten ist es, Zugang zu Menschen zu finden und therapeutisch zu nutzen, auch in Fällen, wo das anders nicht mehr möglich wäre“, sagt Dorothee von Moreau, Leiterin der Lehrambulanz für Musiktherapie an der SRH Hochschule Heidelberg.

„Musik bringt Dinge ins Bewusstsein, die mitunter anders nicht mehr zu erleben wären“, ergänzt Lutz Neugebauer vom Vorstand der Deutschen Musiktherapeutische Gesellschaft (DMtG) in Berlin.

Musiktherapeuten arbeiten mit der Grundmusikalität, die jeder Mensch in sich trägt. Zum einen machen sie für ihre Patienten Musik. Dabei versuchen sie, auf den Hörer einzugehen, indem sie beispielsweise auf seinen Atemrhythmus achten. Bei der aktiven Therapieform improvisieren Patienten auf Instrumenten wie der Gitarre, dem Xylofon oder dem Klavier. Oder sie singen. „Der Therapeut sollte hören können, was der Patient nicht in Worte zu kleiden vermag“, sagt Dorothee von Moreau.

Musiktherapeuten betreuen Patienten einzeln oder in Gruppen, darunter psychisch Kranke, Menschen, die im Sterben oder Koma liegen. Ihr Einsatzgebiet umfasst Süchte, Verhaltensstörungen, neurologische Krankheiten wie Parkinson und chronische Schmerzen. Bei Geh- und Sprachstörungen gilt die Heilkraft der Musik als wissenschaftlich belegt. Als sicher gilt, dass Musik verschiedene Hirnareale zusammenarbeiten lässt.

Der Weg in den Beruf führt zum einen über entsprechende Lehrgänge. Diese Art der Ausbildung ist nicht staatlich geregelt. Die Zugangsvoraussetzungen hängen laut Bundesagentur für Arbeit vom Anbieter ab. Das Abitur ist nicht immer notwendig. Der Berufsverband rät aber zur akademischen Ausbildung. An Hochschulen kann man einen Bachelor und Master in dem Fach machen. Bewerber müssen ein Instrument spielen und musiktheoretische Kenntnisse nachweisen.

Es gibt viele Möglichkeiten, sich zu spezialisieren, darunter die tiefenpsychologische, verhaltenstherapeutische, systemische, anthroposophische und ganzheitlich-humanistische Ausrichtung.

Die DMtG listet neun staatliche Einrichtungen für die musiktherapeutische Ausbildung, sieben zertifizierte private Einrichtungen und sechs weitere Ausbildungsstätten in Deutschland auf. Dazu kommen elf Häuser in Belgien, Österreich, der Niederlande und der Schweiz. Der Erwerb des Bachelors dauert bis zu vier Jahre. Die Ausbildung anderer Kurse dauert ein bis vier Jahre. Die die Kosten für die komplette Ausbildung liegen laut DMtG bei 10 000 Euro und mehr.

Der Verdienst variiert je nach Arbeitgeber. Beschäftigte bei Kommunen können mit einem monatlichen Bruttoeinkommen zwischen 2600 Euro und knapp 3900 Euro rechnen. Das gibt die Arbeitsagentur als Richtwerte an. dpa

www.musiktherapie.de

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