Karriere : Mut zur Lücke

Schlechte Noten und Fehlzeiten im Lebenslauf? Da werden Chefs stutzig. Trotzdem ist man nicht chancenlos bei der Bewerbung. Voraussetzung: Man bleibt ehrlich und geht in die Offensive

Katja Stricker
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Mal weg gewesen? Bei der Jobsuche macht es sich gut, von längeren Aufenthalten im Ausland ein Sprachzertifikat oder einen...

Ein Jahr arbeitslos, schlechte Examensnote oder fünf Monate um die Welt gereist – kaum ein Lebenslauf ist perfekt. Die Frage ist nur, wie gehen Bewerber mit Lücken und Macken in ihrer Vita um: Offen zugeben, lieber beschönigen oder gar lügen? „Mut zur Wahrheit kommt bei Personalern besser an als fantasievolle Ausreden“, sagt Thomas Rübel, Berater beim Büro für Berufsstrategie. Spätestens im Vorstellungsgespräch brechen solche Lügengebäude zusammen und bedeuten dann meist das Aus für den Bewerber: Denn „Unehrlichkeit ist ein K.o.-Kriterium“, sagt Karriereberaterin Ute Bölke aus Wiesbaden.

Unliebsames im Lebenslauf einfach wegzulassen, ist allerdings auch keine Lösung. „Lücken, die größer als zwei oder drei Monate sind, machen Personaler stutzig“, sagt Bölke. Daher sollten Bewerber auf eine nahtlose Vita achten – und bei einzelnen Stationen nicht nur Jahreszahlen, sondern auch Monate angeben.

Wer momentan arbeitslos ist und eine Stelle sucht, sollte das in den Lebenslauf schreiben. „Bis zu einem halben Jahr Jobsuche ist derzeit völlig normal, da wird kein Personaler später drüber stolpern“, sagt Berater Rübel. Kritisch werde es allerdings, wenn ein Bewerber länger als ein Jahr ohne Anstellung ist. „Da muss man sich dann schon etwas einfallen lassen, um die Lücke aufzuwerten“, so der Experte. Etwa durch Weiterbildungen, Sprachkurse oder Praktika.

Längere Reisen gehören ebenfalls in den Lebenslauf – und auch da sollte man bei der Wahrheit bleiben. Vier Monate Partyurlaub auf Mallorca nach dem Examen lassen sich nur glaubhaft als Sprachreise deklarieren, „wenn man am Ende auch ein Sprachzertifikat vorweisen kann“, so Karrierecoach Bölke. Wer länger unterwegs war, beispielsweise ein ganzes Jahr mit dem Rucksack um die Welt gereist ist, sollte versuchen, das Abenteuer im Lebenslauf nicht zu banal klingen zu lassen. „Eine solche Reise lässt sich aufwerten, wenn man unterwegs ein Praktikum absolviert oder bei einem Freiwilligendienst mitarbeitet.“

Schwer zu kaschieren sind schlechte Noten. Im Lebenslauf kann man die Diplomnote vielleicht noch unter den Tisch fallen lassen, aber zu einer vollständigen Bewerbungsmappe gehört auch das Uni-Zeugnis. „Eine Drei oder gar Vier im Examen lässt sich nicht schönreden.“ Karriereberater Rübel rät daher, in die Offensive zu gehen: Bereits im Anschreiben das durchschnittliche Abschneiden im Studium ansprechen und auf seine eigentlichen Stärken hinweisen. „Das kommt meist gut an. Schließlich will ein Chef niemanden, der sich rausredet, sondern jemanden, der für sein Handeln und für seine Fehler Verantwortung übernimmt.“

Zurückhaltung empfehlen die Bewerbungsexperten dagegen einhellig, wenn es um Krankheiten geht. „Wer wegen eines Autounfalls längere Zeit aus dem Verkehr gezogen war, kann das ruhig erwähnen“, sagt Ute Bölke. „Schließlich kann das jedem passieren.“ Wesentlich schwieriger ist es mit Krankheiten, Therapien oder Kuren: „Da klingeln beim Personaler die Alarmglocken, weil sie befürchten, das ihnen gleich die erste Krankschreibung auf den Schreibtisch flattert“, sagt Rübel. Auch Schicksalsschläge, wie Pflegefälle in der Familie oder Tod der Eltern, sollten Bewerber unter den Tisch fallen lassen: „Persönliche Krisen, Krankheit und Tod haben im Lebenslauf nichts zu suchen“, so Bölke.

Spätestens im Jobinterview dann sollten Bewerber gewappnet sein, um Lücken und Makel in ihrer Vita erklären und in ein positives Licht setzen zu können. „Schon vorher sollte man sich gute Argumente zurechtlegen, warum das Studium länger gedauert hat oder die Noten nicht so überragend sind“, empfiehlt Ute Bölke. Auch hier gilt: keine faulen Ausreden.

Beitrag aus dem Magazin „Junge Karriere“. Internet: www.karriere.de

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