Nach dem Abi : Tipps fürs Studieren in Berlin

Studienplätze in Berlin sind begehrt: In vielen Fachrichtungen muss man aber nicht nur gute Abi-Noten vorweisen, sondern auch die spezielle Eignung.

Lars Klaaßen
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Voraussetzung. Wer Sport studieren will, kommt um einen Eignungstest nicht herum. Leichtathletik ist dabei Pflicht. -Foto: dpa

Wer jetzt das Abitur macht und im Wintersemester ein Studium an einer der 35 Berliner Hochschulen beginnen will, hat kaum Pause. Die Bewerbungsfrist für den Einstieg ins Studium endet schon am 15. Juli.

Dabei sind gute Noten nicht mehr das Einzige, was die Bewerber mitbringen müssen (bei fast allen Fächern gibt es in Berlin einen Numerus Clausus). Die Auswahlkriterien sind in den vergangenen Jahren vielfältiger geworden. Nicht mehr nur Abiturdurchschnittsnote und Wartezeiten werden herangezogen, sondern immer öfter auch die Abiturnoten einzelner Fächer, fachbezogene Studierfähigkeitstests oder auch Bewerbungsgespräche. Außerdem gibt es Fächer, wie die folgenden, für die Bewerber ihre besondere Eignung nachweisen müssen.

MATHEMATIK

In mathematischen Studiengänge gibt es oft mehr Plätze als Bewerber. Die Zulassungschancen an den hiesigen Hochschulen sind also sehr gut. So wurden in den vergangenen Jahren bei den Mathematikern an der Humboldt Universität (HU) alle Bewerber aufgenommen, weil ihre Zahl nicht die der jährlich rund 120 freien Studienplätze übertraf. Um den Interessenten den als recht schwierig geltenden Einstieg in das Fach zu erleichtern, bietet die Fachschaft freiwillige Einführungskurse an, die die regulären Veranstaltungen ergänzen.

SPRACHEN

Wer Sprach- und Literaturwissenschaften in einer Fremdsprache studieren will, muss neben dem Abiturzeugnis nachweisen, dass seine Sprachkenntnisse dazu ausreichen. So muss man der Bewerbung für englische Philologie an der HU etwa einen Toefl-Test (Test of English as a Foreign Language) beilegen. Für französische Philologie an der Freien Universität (FU) sind Französischkenntnisse auf dem Niveau B1 des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens (GER) Voraussetzung.

SPORT

Wer Sport studieren will, muss nachweisen, dass er dazu körperlich wie gesundheitlich in der Lage ist. An der HU zum Beispiel werden die Kandidaten in den Bereichen Geräteturnen, Gymnastik/Tanz, Sportspiele, Leichtathletik und Schwimmen getestet.


KUNST

Künstlerische Fächer können nicht ohne den Nachweis besonderer künstlerischer Begabung studiert werden. An der Universität der Künste (UdK) Berlin etwa müssen Bewerber für den Studiengang Bildende Künste eine Mappe mit rund 20 originalen Arbeiten einreichen, darunter Malerei, Zeichnung und Fotografie.

BACHELOR FÜR WIRTSCHAFTSRECHT

Nicht nur für Fächer wie Sport und Kunst gilt es die Eignung nachzuweisen. An der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin etwa muss man auch für Kommunikationsdesign, Modedesign, Konservierung und Restaurierung, Interaction Design/Game Design Eignungstests machen. Für ein Bachelorstudium Wirtschaftsrecht kann man, um seine Chancen zu verbessern, an einem Studierfähigkeitstest teilnehmen, einem 90-minütigen Test, in dem unter anderem sprachliche Intelligenz, Abstraktionsfähigkeit, Mathematik, Allgemeinwissen und Verständnis für rechtliche sowie wirtschaftliche Zusammenhänge abgefragt werden. Die Teilnahme ist kostenfrei und freiwillig. Wer schlechte Noten hat, sollte sich die Chance nicht entgehen lassen, denn ein gutes Ergebnis kann das ausgleichen. (Nächster Test am 4. Juli)

PFLEGEMANAGEMENT/PÄDAGOGIK

Auch berufliche Erfahrungen, die in Beziehung zum gewünschten Studienfach stehen, können die Hochschulen berücksichtigen. Überwiegend von den Fachhochschulen, in seltenen Fällen aber auch von Universitäten, werden Vorpraktika oder einschlägige Berufserfahrungen verlangt. An der Evangelischen Fachhochschule Berlin wird zum Beispiel bei Bewerbungen für den Studiengang Pflegemanagement sowohl eine abgeschlossene Berufsausbildung in einem Pflegefachberuf als auch eine zweijährige Berufserfahrung darin vorausgesetzt. Für den Studiengang Evangelische Religionspädagogik wiederum ist die Zugehörigkeit zur Evangelischen Kirche Deutschlands, zu einer anderen Mitgliedskirche des Arbeitskreises Christlicher Kirchen oder des Ökumenischen Rates Voraussetzung. Die Bewerbungsfrist für beide Studiengänge endet am 15. Juni.

MEDIZIN/PSYCHOLOGIE

Der Weg zur Medizin, Pharmazie, Psychologie, Tiermedizin und Zahnmedizin führt bundesweit nicht über die Immatrikulation bei einer Hochschule, sondern über die Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) in Dortmund. Dort muss für diese Fächer eine Bewerbung eingereicht werden. Die Präferenz der Studienorte kann dabei vermerkt werden. 40 Prozent der Studienplätze vergibt die ZVS direkt: 20 Prozent nach Note, 20 Prozent nach Wartezeit. Die übrigen Bewerbungen werden zunächst an die Hochschulen weitergeleitet. Die ihre Kandidaten dann oft nach NC und Gewichtungen auf bestimmte Schulfächer auswählen.

Die Berliner Charité wählt im Studiengang Medizin 75 Prozent der Bewerber nach Durchschnittsnote und Einzelnoten und 25 Prozent nach Durchschnittsnote und Gespräch aus.

Die Freie Universität Berlin wiederum berücksichtigt beim Studiengang Pharmazie neben der Durchschnittsnote die Unterrichtsfächer Deutsch, Mathematik und Chemie, sofern diese als Leistungskurse nachgewiesen werden.

STUDIUM PLUS BERUF

Einen Sonderfall stellen auch die so genannten dualen Studiengänge dar. Sie bestehen aus zwei Komponenten: einem Studienanteil an einer Fachhochschule und einem Praxisanteil in einem Unternehmen. Der Studienbeginn ist deshalb nur mit einem Ausbildungs- oder Praktikumsvertrag möglich. Den muss man also in der Tasche haben, wenn man sich zum 15. Juli bei den Hochschulen bewirbt.

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