Nach der Babypause : Kleine Abschiede

Was beim Wiedereinstieg in den Job zählt: Halten Sie den Kontakt zur Firma und pausieren Sie nicht zu lange, raten Experten.

Judith Jenner
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Bis später. Teilzeit und Time-Sharing-Modelle helfen, Familie und Arbeit unter einen Hut zu bringen. Foto: picture-alliance/ gmsWigger/DAK

Titus ist gerade zwei geworden. Seine Mutter Anne Fischer arbeitet als Teamleiterin bei der PR-Agentur Schröder & Schömbs und hat nachmittags auf dem Spielplatz ihr iPhone dabei, um E-Mails zu lesen und erreichbar zu sein. „Auch wenn ich nur eine 60 Prozent-Stelle habe, bin ich für die Kollegen notfalls ansprechbar“, sagt die 34-jährige Mutter. Nach einem Jahr Elternzeit stieg sie mit 20 Stunden pro Woche ein. Jetzt denkt sie über eine Dreiviertel-Stelle nach.

Die Schwangerschaft war für ihren Arbeitgeber kein Problem, auch nicht, dass sie zwölf Monate Elternzeit nehmen wollte. „In der Agentur gibt es viele Mütter. Meine Vorgesetzten hatten Verständnis“, sagt sie.

Das ist nicht immer der Fall, weiß Karriereexpertin Svenja Hofert. Deshalb rät sie: „Eine Schwangerschaft sollte nicht herausposaunt werden.“ Bevor sich die Neuigkeit im Büro herumspricht, sollte die Angestellte mit ihrem Vorgesetzten sprechen und Klarheit haben über wichtige Fragen, zum Beispiel wie lange sie aussetzen möchte oder wie ihre Aufgaben aufgeteilt werden. „Die Eckpunkte des Gesprächs kann sie in einer E-Mail festhalten“, rät Hofert. Ganz wichtig sei es, sachlich zu bleiben und das Thema nicht zu sehr zu emotionalisieren. „Das kann unprofessionell wirken und dazu führen, dass man von nun an auf die Mutterrolle reduziert wird.“

Der nächste Schritt ist die Übergabe. PR-Frau Anne Fischer hat ihre Aufgaben an zwei Teamkolleginnen weitergegeben, die sie vertraten. Doch damit war die Sache für sie nicht abgeschlossen. Sie ließ auch nach dem Start in die Elternzeit den Kontakt zur Agentur nicht abreißen und blieb per E-Mail über wichtige Entwicklungen auf dem Laufenden. Hält man Kontakt, verläuft auch der Wiedereinstieg reibungsloser. Coach und Elternzeitexpertin Anna Holfeld würde sogar noch weitergehen: „Ich empfehle Männern und Frauen in der Elternzeit, an hausinternen Schulungen teilzunehmen oder zu wichtigen Teamsitzungen zu gehen.“

Holfeld weiß, wie das ist, wenn man nach der Babypause ins Berufsleben zurückkehrt. Sie hat sich aus der Elternzeit heraus selbstständig gemacht. Oft stellen sich Frauen in dieser Phase die Frage, wo sie in Zukunft ihre Prioritäten setzen wollen. Wer sich dann eine eigene Existenz aufbaue, habe einen entscheidenden Vorteil: Er sei zeitlich flexibler und könne Termine familienfreundlicher legen.

Das ist auch die Erfahrung von Iris Kronenbitter. Sie leitet die bundesweite Gründerinnenagentur, die Existenzgründerinnen und Frauen in der Unternehmensnachfolge berät. „Durch das Elterngeld haben auch Unternehmerinnen die Möglichkeit, ohne eklatante Einbußen eine Auszeit zu nehmen“, sagt sie. Die meisten steigen aber nicht ganz aus. Sie wickeln kleinere Projekte von Zuhause aus ab und treffen weiterhin strategische Entscheidungen für die Firma. Oft würden die Frauen so sehr für ihre Geschäftsidee brennen, dass sie einen längeren Ausstieg gar nicht wollen. Doch das lässt sich nur umsetzen, wenn man vorsorgt: „Wichtig ist ein gut funktionierendes berufliches und privates Netzwerk, um im Notfall Aufträge delegieren oder im Team bearbeiten zu können und die Betreuung des Kindes bei wichtigen Terminen sicher zu stellen“, sagt Kronenbitter.

Damit sie ein möglichst hohes Elterngeld erhalten, sollten Selbstständige vor der Pause so viel Gewinn wie möglich machen: Die zwölf Monate vor der Geburt bestimmen die Höhe des Elterngeldes. „Während der Elternzeit dann sollte der Verdienst niedrig ausfallen, denn es wird angerechnet, wenn man in Teilzeit weiter selbstständig bleibt“, erklärt Holfeld.

Anne Fischer bearbeitete zunächst mit einem Kollegen ein überschaubares Projekt. Dann ist sie Leiterin eines neuen Teams geworden, mit dem sie jetzt Kunden aus der Telekommunikationsbranche betreut. Im Gegensatz zu früher fährt sie selten zu Auswärtsterminen, das kann sie an Kollegen delegieren.

Svenja Hofert rät, nach der Rückkehr nicht zu oft über das Kind zu reden und sich dem Chef – und nicht nur der Familie gegenüber – kompromissbereit zu zeigen. „Das bedeutet, auch einmal eine Betreuung zu organisieren, wenn das Kind krank ist oder nicht mit 20, sondern 30 Stunden wiedereinzusteigen, wenn das Pensum dann besser zu bewältigen ist.“

Für Frauen, die mehrere Jahre ausgesetzt haben und unter Gleichgesinnten ihr berufliches Selbstbewusstsein verbessern möchten, könne es ratsam sein, Wiedereinstiegskurse zu besuchen, sagt Svenja Hofert. Bildungseinrichtungen wie die Fernakademie für Erwachsenenbildung in Hamburg etwa haben solche Kurse im Angebot. Wenn es um den zweiten Schritt – eine berufliche Neuorientierung oder Erweiterung der Kompetenzen im bisherigen Beruf geht – empfiehlt sie gemischte Seminare, in denen man nicht nur unter Eltern ist.

Auch Teilzeitarbeit kann eine Alternative sein, um Arbeit und Familie zu verbinden. Einige Arbeitgeber bieten Time-Sharing-Modelle auch für Führungskräfte an, sodass sich etwa zwei Frauen die Leitung eines Teams teilen können. Allerdings ist das die große Ausnahme, wie eine Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung zeigt. Fast alle der befragten Personaler schlossen Aufstiege aus Teilzeitjobs heraus aus, Leitungspositionen werden fast nie als Teilzeitstelle ausgeschrieben.

„Das liegt an dem verbreiteten Missverständnis, dass Anwesenheit mit Leistung gleichgesetzt wird“, sagt Inken Lind vom Bonner Kompetenzzentrum Frauen in Wissenschaft und Forschung (CEWS). Dieses Missverständnis halte sich besonders hartnäckig auch in der Wissenschaft. Damit die Elternzeit aber keinen Karriere-Knick bedeutet, rät sie Wissenschaftlerinnen zu Auszeiten von maximal einem Jahr, fordert gleichzeitig aber auch ein Umdenken bei Kollegen und Personalern. „Es geht dabei nicht nur um Betreuung, sondern um eine neue Anerkennungskultur von Elternschaft.“ Dort wo Vorgesetzte ihre Handlungsmöglichkeiten ausschöpfen, könne die Vereinbarkeit von Karriere und Familie besser gelingen.

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