Karriere : Nicht den Geist aufgeben

Englisch in der Schule zu lernen, ist gut. Nach dem Abschluss seine Kenntnisse zu erweitern, ist besser – und macht sich im Job bezahlt

Felix Magin (dpa)

Sprachkenntnisse über das Schulenglisch hinaus werden für viele Berufe immer wichtiger – doch mit dem Angebot an allgemeinen Sprachkursen lässt sich der Bedarf nicht wirklich decken. Denn ihre Qualität ist in der Regel mäßig, und sie vermitteln häufig nicht die nötigen berufsbezogenen Kenntnisse. In dieser Einschätzung sind sich Vertreter von Wirtschaftsverbänden und Stiftung Warentest einig.Wer sein Englisch für den Beruf ausbauen will, hat eine Reihe von Möglichkeiten: Er kann per Audio-CD und Computerprogramm ebenso lernen wie über Fernkurse und Sprachreisen. Kenntnisse speziell für den Beruf können Arbeitnehmer in Kursen für Wirtschaftsenglisch oder Fachsprachen erwerben. Dort erhalten sie Zertifikate, die zum Teil international anerkannt sind.

Sandra Mämecke, die als Projektleiterin bei Stiftung Warentest das jüngste Sonderheft „TestSpezial – Sprachen lernen“ betreut hat, rät Stellensuchenden und Arbeitnehmern auf Kurssuche, mit dem Arbeitgeber über die genauen Sprachanforderungen für ihren Job zu sprechen. So könnten sie in entsprechenden Kursen beispielsweise eher ihre Fähigkeiten in mündlicher oder schriftlicher Konversation verbessern.

Auch Spezialkurse etwa für Präsentation auf Englisch werden angeboten. 21 Prozent der Arbeitnehmer in akademischen Berufen müssen sicher auf Englisch verhandeln können. Dies ergab eine repräsentative Befragung von Erwerbstätigen im Jahr 2006 durch das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn. Fast ein Drittel der Befragten gab an, dass in ihrem Job flüssiges Englisch in Wort und Schrift gefordert werde.

Arbeitnehmer ab der mittleren Führungsebene, die ständig mit ausländischen Geschäftspartner zu tun haben, sollten Sandra Mämecke zufolge daher eher Kurse in Wirtschaftsenglisch belegen. Dort erlernen sie beispielsweise, worauf beim Schreiben von E-Mails oder Geschäftsbriefen oder beim Führen von Verhandlungen auf Englisch zu achten ist. Ideal sei es, solche Kurse mit Auslandsaufenthalten zu kombinieren.

Es reiche aber in vielen Branchen nicht aus, nur flüssig verhandeln zu können, sagt Alexander Böhne von der Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände (BDA) in Berlin. In fast jedem Beruf müssten Arbeitnehmer außerdem auch mit Fachbegriffen in der jeweiligen Fremdsprechen umgehen können.

Der Stiftung Warentest zufolge gibt es zahlreiche fachsprachliche Kursangebote europäischer und deutscher Institute: In Bereichen wie Recht, Technik, Tourismus und Gastronomie, Industrie und Handel sowie Finanzen können Zertifikate erworben werden. Englischkenntnisse werden nicht nur für Manager, Juristen und Ingenieure, sondern auch für den mittleren Qualifikationsbereich immer wichtiger, erklärt Böhne: Fachangestellte, kaufmännische Mitarbeiter, aber auch Meister und Techniker kämen ohne Englisch oft nicht mehr weit. Auch für ihre Arbeit werden internationale Kontakte immer wichtiger. Zunehmend seien viele Computerprogramme und Bedienungsanleitungen in Englisch verfasst.

„Wer lange Zeit kein Englisch geübt hat, sollte seine Kenntnisse bei Bedarf wieder auffrischen“, empfiehlt der Referent für betriebliche Weiterbildung der BDA. Dies gelte vor allem für Arbeitnehmer, die beruflich vorankommen wollen. Die müssen der Stiftung Warentest zufolge jedoch nicht nur englische Fachbegriffe beherrschen: Sie sollten sich auch in der angloamerikanischen Kultur bewegen können und beim Umgang miteinander die Nuancen in der Konversation beherrschen. Wer zum Beispiel gegenüber einem englischen Geschäftspartner zu deutlich Nein sagt, könne als grob erscheinen und sich diesen Kontakt schnell verderben.Felix Magin (dpa)

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