Nichts für Zocker : Vertrauen ist wichtig für Finanzberater

Finanzberater müssen keinen Abschluss haben. Doch seit der Bankenkrise achten Anleger darauf, dass ihr Vermögen in gute Hände gelangt.

Sandra Fritsch

Wer sein Geld einer Bank oder Versicherung anvertraut, ist nicht immer gut beraten. Bis zu 30 Milliarden Euro verlieren die Deutschen pro Jahr aufgrund schlechter Finanzberatung. Das ergab eine Studie, die Ende letzten Jahres im Auftrag des Verbraucherministeriums veröffentlicht wurde. Diese Zahl und etliche schlechte Nachrichten über die Wirtschaftskrise lassen das Vertrauen in Finanzberater sinken. „Das spüren die sehr deutlich“, sagt Frank Rottenbacher vom Bundesverband für Finanzdienstleistungen. „Viele Kunden reagieren im Moment mit Zurückhaltung und zögern bei Vertragsabschlüssen.“

Erschwert wird die Lage der Fachkräfte dadurch, dass es in Deutschland so viele Berater wie in keinem anderen Land gibt. Bundesweit kommen 6 Vermittler auf 1000 Einwohner. Auch das ist ein Ergebnis dieser Studie. Deswegen den Job zu wechseln und alles aufzugeben ist nach Ansicht von Frank Rottenbacher keine Lösung. Eine Chance, sich trotz Krise am Markt zu behaupten, sind Weiterbildung und Qualifikationen.

VORTEILE EINES ABSCHLUSSES

Grundsätzlich gilt: In der Versicherungsbranche muss jeder eine Sachkundeprüfung ablegen, der als Berater tätig werden möchte. Im Bereich Finanzen wird das nicht immer so gehandhabt. Mit offenen und geschlossenen Fonds zum Beispiel kann auch ohne Zeugnis und Prüfung gehandelt werden. Das ergibt auf der einen Seite ein Problem im Bereich der Qualitätssicherung, ebnet aber auf der anderen Seite auch vielen Quereinsteigern den Weg in den Beruf.

„Weiterbildung ist damit ein hervorragendes Marketinginstrument, um sich selbst von den Wettbewerbern abzugrenzen – eine Investition in die eigene Person“, meint Rottenbacher. Außerdem macht in seinen Augen eine breite Qualifikation Sinn, da man in Krisenzeiten unter Umständen auch den Arbeitsschwerpunkt in ein anderes Gebiet verlegen könne.

WEITERBILDUNG MIT IHK-PRÜFUNG

Eine Möglichkeit der Qualifikation bieten die Industrie- und Handelskammern (IHK) in Berlin und Potsdam an. Sie nehmen die Prüfungen zum „Finanzberater für Finanzdienstleistungen“ und zum „Fachwirt für Finanzberatung“ ab. Der Berater gilt hier als Vorbereitung für den Fachwirt. „Es sind beides Fortbildungsprüfungen, das heißt, sie werden im Rahmen der Aufstiegsfortbildung abgelegt“, erklärt Bärbel Wittkowski von der IHK Potsdam, die eigene Lehrgänge anbietet. „Mit dem Fachwirt werden Sie sogar als Führungskraft qualifiziert und können andere Finanzberater anleiten.“

Mit beiden Abschlüssen besteht die Chance, bei Banken, Versicherungen, Immobiliengesellschaften oder selbstständig zu arbeiten. Sie befähigen die Absolventen, für Privat- und Firmenkunden bedarfsgerechte Anlage- und Vorsorgestrategien zu entwickeln. Der Fachberater ist hauptsächlich im privaten Bereich tätig. Der Fachwirt kann auch Unternehmen in Finanzangelegenheiten beraten und Führungspositionen einnehmen.

„Der Fachwirt ist der höchste öffentlich-rechtliche Abschluss, den man in diesem Bereich machen kann“, sagt Sven Fischer, Fachbereichsleiter an der IHK-Potsdam. Die jeweils einjährigen Kurse vermitteln die Grundlagen in den Fächern Recht, Steuern, Betriebswirtschaftslehre oder Bankprodukte für private Haushalte. Bei der Ausbildung zum Fachwirt wird außerdem noch ein Vertiefungsteil angeboten. Hier geht es unter anderem darum, Führungsqualifikationen zu entwickeln. „Für alle Berater und Vermittler in der Finanzbranche sind diese Prüfungen eine Chance, den Ruf wieder etwas zu verbessern“, ist sich Sven Fischer sicher.

Welche Voraussetzungen Interessenten mitbringen müssen, hängt von den jeweiligen Vorerfahrungen ab. Für den Fachberater müssen zum Beispiel Bankkaufleute lediglich sechs Monate Berufserfahrungen aufweisen. Bewerber mit einer kaufmännischen Ausbildung benötigen zwölf Monate, alle ohne Abschluss müssen 24 Monate in diesem Bereich gearbeitet haben. Für den Fachwirt sind zwischen zwei und sechs Jahren Berufspraxis notwendig.

Die IHK Potsdam ist aber nicht die einzige Adresse zur Fortbildung von Finanzberatern. In Berlin ist das zum Beispiel auch an der Bildungs- und Wirtschaftsakademie oder beim Anbieter Going Public möglich. Dort wird die Ausbildung aus Präsenztagen und einem Selbststudium via Internet kombiniert.

WAS DIE KURSE BRINGEN

Die Abschlüsse sind ein gutes Mittel, um sich am Markt zu behaupten. Auch die Verbraucherzentrale Brandenburg weist Ihre Kunden immer wieder darauf hin, sich ruhig die Qualifikationen der Berater zeigen zu lassen. Doch Weiterbildung ist in Zeiten der Wirtschaftskrise nicht alles. Frank Rottenbacher ist sich sicher: „Gewinner der Krise sind jene Berater, die jetzt beim Kunden sind, ohne unbedingt Verträge abschließen zu wollen.“ Es gehe darum, Präsenz zu zeigen, die wirtschaftliche Situation zu erklären und das Vertrauen der Kunden zu gewinnen – und für die Zukunft zu bewahren.

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