Karriere : Präsentieren mit persönlicher Note

Ein guter Vortrag lebt vor allem vom Redner. Technische Hilfsmittel sollte man nur wohl dosiert einsetzen

Silke Zorn

Die Präsentation der Spracherkennung von Windows Vista sorgte im Sommer 2006 für viel Heiterkeit unter den versammelten Journalisten. Denn die Software wollte partout nicht den Anweisungen folgen. Während der Vorführer dem System „dear mom“ diktierte, verstand Vista „dear aunt“ und richtete den Brief statt an die Mutter lieber an die Tante. Und nachdem jeder Versuch, den Fehler zu beheben, erfolglos blieb, versuchte es der verzweifelte Microsoft-Mitarbeiter mit einem dreimaligen beherzten „delete that“ – aus dem die Spracherkennung den spionagefilmreifen Satz „so double the killer, delete select all“ machte.

Pannen bei Präsentationen sind der Horror jedes Vortragenden. Viele Menschen versetzt aber schon die bloße Aussicht, vor Publikum sprechen zu müssen, in leichte Panik. Doch wie so oft ist auch hier Vorbereitung die halbe Miete. Wie man eine Präsentation geschickt aufbaut, mit Lampenfieber umgeht und die Zuhörer selbst für ein Thema begeistert, das auf den ersten Blick vielleicht langweilig erscheit, können Interessierte in Seminaren lernen.

Ganz wichtig ist zunächst ein gut durchdachtes Konzept. „Durch jeden Vortrag sollte sich ein roter Faden ziehen“, sagt Präsentationstrainer Christoph Pöggeler, der unter anderem an der Volkshochschule Berlin-Mitte unterrichtet. Das macht es zum einen den Zuhörern leichter, der Präsentation zu folgen. Zum anderen gibt es dem Vortragenden mehr Sicherheit, nicht plötzlich Opfer eines Blackouts zu werden.

Um den Überblick nicht zu verlieren und eine Präsentation anschaulich zu gestalten, sind Beamer, Flipchart oder spezielle Computerprogramme beliebte Hilfsmittel. Unangefochten an der Spitze liegt dabei die Präsentationssoftware Powerpoint. „Ähnliche Programme kann man sich inzwischen aber auch als Open Source Software kostenlos aus dem Internet herunterladen“, weiß Christoph Pöggeler. Der sichere Umgang mit den elektronischen Helfern ist das A und O – und daher auch Thema von Pöggelers VHS-Grundkurs „Präsentationsgrafik mit Powerpoint“ (siehe Infokasten). Im Aufbauworkshop „Präsentationen gekonnt durchführen“ geht es dann um den konkreten Aufbau eines Fachvortrags. „Wir besprechen zum Beispiel, wie man eine Rede mit Hilfe von Bildern, Grafiken oder Modellen anschaulicher gestaltet und was überhaupt auf eine Folie gehört“, erklärt der studierte Lehrer und Informatiker. Ein absolutes Tabu sei zum Beispiel laufender Text, „oder noch schlimmer: ganze Sätze.“ Denn stures Ablesen vom Monitor schläfert zwangsläufig selbst den motiviertesten Zuhörer ein.

Trainer Florian Lisken hält Powerpoint nur für eine von vielen Möglichkeiten, Farbe in einen Vortrag zu bringen und „nicht in jedem Fall für die beste.“ Am wichtigsten sei ein ausdrucksstarker, lebendiger Redner, der bei den Zuhörern Interesse wecke. In seinem Workshop „Präsentation und Personal Performance“, der über die Trainersocietät gebucht werden kann, arbeitet er deshalb mit speziellen Theatertechniken daran, die „Bühnenpräsenz“ der Teilnehmer zu verbessern. Wichtiges Stilmittel ist dabei die eigene Stimme. „Wer in unterschiedlichen Phasen der Präsentation unterschiedlich redet, hält das Publikum wach, überrascht und interessiert es immer wieder aufs Neue“, sagt Florian Lisken, der auch eigene Business-Kunden betreut und an Hochschulen unterrichtet. Mal schnell, mal langsam, mal laut, mal leise, mal mit kurzen oder auch längeren Pausen, damit sich beim Zuhörer „die Bilder im Kopf entfalten können“ – die Bandbreite ist groß.

Darüber hinaus spielt die Körpersprache eine wichtige Rolle. „Immer nur an einem Fleck zu kleben ist genauso falsch, wie fortwährend grundlos durch den Raum zu tigern“, meint Lisken. Sein Tipp für alle, die ein wenig Bewegung in ihren Vortrag bringen wollen: „Benutzen Sie Ihre Hände. Zeigen Sie beispielsweise auch in den Präsentatiosstrahl, um damit über den Schatten auf Einzelheiten auf der Projektion hinzuweisen.“

Eine, die zusammen mit Florian Lisken am gekonnten Auftritt gearbeitet hat, ist Martina Richter. Herzflattern, ein flaues Gefühl im Magen, kalte Hände – wie viele andere Menschen kennt auch sie diese „pre-präsentalen“ Symptome nur allzu gut. Doch als Mitarbeiterin in der Öffentlichkeitsarbeit ist das Sprechen vor Publikum ihr täglich Brot. Im Workshop hieß es dann für sie einen Tag lang präsentieren am laufenden Band. Denn: „Je mehr man übt, je öfter man da vorne steht, desto leichter fällt einem die Sache schließlich“, sagt sie. Geholfen haben ihr unter anderem die Videoaufzeichnungen ihrer Vorträge. Für viele Menschen ist es im ersten Moment zwar unangenehm, derart direkt mit der eigenen Wirkung konfrontiert zu werden. Doch Martina Richter hat von den Aufnahmen sehr profitiert. „Da habe ich zum Beispiel gesehen, dass Gesten oder Betonungen, die mir beim Sprechen irgendwie lächerlich und übertrieben vorkamen, letztlich gar nicht komisch, sondern gut gewirkt haben“, resümiert sie.

Eine Erfahrung, die Florian Lisken bei vielen seiner Schützlinge gemacht hat. „Die allermeisten halten sich viel zu sehr zurück“, sagt er. „Und das ist gleichzeitig der größte Fehler, den man bei einer Präsentation machen kann.“ Zwar solle sich niemand verstellen und dem Publikum eine Rolle vorspielen, die der eigenen Persönlichkeit gar nicht entspricht. „Aber man sollte sich mehr trauen, mehr von sich selbst zeigen.“ Denn das ziehe auch die Zuhörer mit.

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