Wie findet man die besten Mitarbeiter?

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Recruiting : "Personalakquise ist ein emotionales Ding"
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Auf der „Jobaktiv“ präsentierten sich in Berlin 2016 über 40 Unternehmen verschiedener Branchen mit Jobangeboten.
Auf der „Jobaktiv“ präsentierten sich in Berlin 2016 über 40 Unternehmen verschiedener Branchen mit Jobangeboten.Foto: M. Skolimowska/dpa

Diese Erfahrung machte auch Matthias Stollberg und bestätigt damit die Erfahrungen von Steffen Braun. „Vor kurzem haben wir eine Mitarbeiterin eingestellt, die vor fünf Jahren auf einer Technikermesse an unserem Stand war. Spät, aber ein Erfolg.“ Gute Erfahrungen hat der Marketing-Mann mit Absolventenmessen bei Hochschulen, Technikerschulen und Azubimessen gemacht. Stollbergs Unternehmen DELO hat aktuell 560 Mitarbeiter. Es produziert Hightech- Klebstoffe, die sich nach Unternehmensangaben in jedem zweiten Handy und auch in mehr als fünfzig Prozent aller Autos weltweit finden. An Jobbörsen führe kein Weg vorbei, sagt Stollberg weiter. Börsen seien gut für akademische oder kaufmännische Stellen. „Produktionsmitarbeiter oder Reinigungskräfte erreichen wir darüber aber nicht“, sagt er und spricht damit einen weiteren wichtigen Punkt an. Wie nämlich findet man die besten Mitarbeiter und nicht die, die keiner haben will?

„Für kleinere und mittlere Betriebe ist die Suche nach Fachkräften auch eine Kostenfrage“, sagt Personalerin Almuth Knopp, die in Nürnberg eine Coaching- Agentur betreibt. Doch das Geld sei dabei nicht alles. Wer auf einer Messe einen Stand platziert, ist auch gut beraten, hier das richtige Personal mit potentiellen Bewerbern in Kontakt zu bringen. Selbstdarsteller und Mitarbeiter mit geringer Stressresistenz sind nicht nur fehl am Platz, sondern schaden sogar: „Wenn ein hoffnungsfroher Bewerber auf schlecht gelaunte Mitarbeiter trifft, wird der positive Effekt einer persönlichen Ansprache wieder zunichte gemacht“, sagt Knopp. Die Folge sei, dass nur die B- und C-Klasse weiterhin Interesse an der Firma habe.

„Personalakquise ist ein emotionales Ding“, sagt Coach Almuth Knopp, der Bewerber habe sich meist schon vorher überlegt, welchen Stand er ansteuere. Umso wichtiger sei – neben einem Mitarbeiter, der Sympathie für das Unternehmen weckt – das Erscheinungsbild des Messestandes. Auch Knopp bestätigt Stollbergs Erfahrungen mit der Suche nach Bewerben für die Klebstofffirma DELO. „Wenn alles positiv aufgestellt wäre, dann wäre eine Jobmesse zur Rekrutierung genau das Richtige – wenn man regional und lokal sucht.“

Jobinterviews per Skype kommen in Mode

Ideal sind Messen auch für Berufsanfänger, für Einsteiger, die noch nicht so viele Kontakte zu Unternehmen haben. Diese Bewerber brauchen nämlich in der Regel keine Anschreiben und Zeugnisse vorzubereiten, wenn sie hier mit potentiellen Arbeitgebern ins Gespräch kommen. Anders sieht es bei Älteren aus.

„Sie nutzen gerne das Internet“, hat Almuth Knopp beobachtet. Es hat die Arbeitssuche revolutioniert, auch für die Unternehmen. Kleinere und mittelgroße Betriebe können hier einen Auftritt hinlegen wie ein Großunternehmen. International tätige Firmen rekrutieren Kräfte aus dem Ausland unterdessen über eine erste Sichtung bereits mit Skype-Interviews: Der erste Eindruck ist in der Regel entscheidend und via Skype lassen sich bereits Sprachkenntnisse testen.

Gang und gäbe sind inzwischen auch Persönlichkeitstests in Online-Bereichen auf Rekrutierungsportalen. „Es ist statistisch erwiesen, dass diese Tests eine hohe Aussagekraft für die Verweildauer des Mitarbeiters im Unternehmen haben“, sagt Knopp. Dabei geht es nicht nur um die von jüngeren Mitarbeitern häufig geforderte Work-Life-Balance. „Passt dieser Mitarbeiter in unser Team?“ Das fragen sich Firmen, wenn sie kompatible Typen und Charaktere suchen. Unter diesen Vorzeichen dürften mehr und mehr Videobewerbungen verlangt werden.

Steffen Braun versucht derzeit, diese Faktoren in seine Algorithmen und Datenstrukturen einzupflegen. Vor allem fragt er sich, warum Bewerber manchmal doch die Suche abbrechen, trotz hoher Seitenklickzahlen. „Sie können die beste Stellenanzeigen in einer Recruitingbörse haben, aber wenn ich mich überall durchklicken muss, dann ist das tödlich“, sagt Braun. Von 100 Menschen, die über sein Programm „Talention“ Stellenangebote aufrufen, klicken gerade einmal acht auf den Button „Jetzt bewerben“. Davon schicken – statistisch gesehen – vier eine Bewerbung ab. Da geht noch mehr.

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