Rhetorik : Die Lust am konstruktiven Streit

In Debattierclubs lässt sich das Reden üben. An Schulen und Universitäten grassiert bereits ein Virus: das „Debattiervirus“.

Dorothee Nolte

So empfindet es zumindest Martina Kaltenbacher, die an der Kreuzberger Leibniz Oberschule einen stetig wachsenden englischsprachigen „debating club“ leitet. Debattierclubs, in denen auf Deutsch oder Englisch gestritten wird, gibt es inzwischen an zahlreichen Schulen und Universitäten. Auch der bundesweite Wettbewerb der Hertie Stiftung „Jugend debattiert“ hat dazu beigetragen, ein Bewusstsein zu schaffen, wie nützlich das regelmäßige Debattieren ist: nicht nur für die politische Meinungsbildung, auch als Vorbereitung auf ein Berufsleben, in dem es darauf ankommt, Standpunkte überzeugend zu vertreten.

Ein Beispiel dafür ist die „Berlin Debating Union“, die sich als „den“ Debattierclub der Berliner Universitäten bezeichnet. Sie pflegt den „British Parliamentary Style“ der Auseinandersetzung; jede zweite Debatte findet auf Englisch statt. Die Mitglieder treffen sich dienstags um 20 Uhr in der Humboldt-Universität (www.debating.de).

Seit 2005 bietet auch der Tagesspiegel einen Debattierclub an, als Ergänzung zu den regelmäßigen Rhetorikseminaren für Schüler und Studierende im Verlagsgebäude. Der Club steht allen Schülern ab 16 Jahren und Studierenden offen. Etwa einmal im Monat treffen sich die Mitglieder, um über politische und gesellschaftliche Themen zu diskutieren.

Dabei steht meist eine Streitfrage im Mittelpunkt, die man mit „ja“ oder „nein“ beantworten kann, z.B.: „Sollen PC-Killerspiele verboten werden?“ Diese Art der Fragestellung hat sich beim Wettbewerb „Jugend debattiert“ der Hertie Stiftung bewährt: „Solche Pro- und Contra-Fragen führen zu lebhafteren Debatten als würde man ganz allgemein etwa über ,die Zukunft des Bildungssystems’ sprechen“, sagt Haiko Carrels, der als Trainer sowohl für die Hertie-Stiftung arbeitet als auch Rhetorik-Seminare des Tagesspiegels leitet. Die Teilnehmer erhalten nach den Debatten ein Feedback von einem auswärtigen Gast oder von Ursula Weidenfeld, der stellvertretenden Chefredakteurin des Tagesspiegels.

Die Auftaktveranstaltung für das Jahr 2007/08 findet am 27. September um 18 Uhr im Verlagsgebäude in der Potsdamer Straße 87 statt. Gäste sind herzlich willkommen (um Anmeldung wird gebeten an rhetorik@tagesspiegel.de). Das Thema diesmal: Sollen die Unis in allen Fächern Eignungsprüfungen einführen, die neben der Abiturnote über die Zulassung zum Studium entscheiden? Als auswärtiger Gast ist der junge Politiker Sebastian Czaja eingeladen, er ist bildungspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus.

Weitere Informationen zu Debattierclub und Rhetorik-Seminaren unter www.tagesspiegel.de/rhetorik

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