Karriere : Schatzsucher

Sie arbeiten meist an Hochschulen oder in Museen. Aber auch Verlage, die Tourismusbranche oder der Journalismus bieten Perspektiven

Achim Fehrenbach

Als Heinrich Schliemann 1873 das antike Troja entdeckte, war das eine Weltsensation. Der Goldschatz des Priamos, den Schliemann ausgrub, gehört zu den faszinierendsten Funden der Archäologiegeschichte. Obwohl Schliemann bei seinen frühen Grabungen noch reichlich unbekümmert vorging, wurde der Mann aus Neubukow in Mecklenburg-Vorpommern später zum Wegbereiter der modernen Archäologie. Bewundert wird er heute aber vor allem für seinen Entdeckergeist, und diese Eigenschaft zählt auch für heutige Feldarchäologen zu den wichtigsten Tugenden – selbst wenn es bei deren Arbeit in den seltensten Fällen um Schätze trojanischer Größenordnung geht.

Feldarchäologen des 21. Jahrhunderts treten häufig auf den Plan, wenn wieder einmal etwas gebaut werden soll: eine Straße, eine Brücke oder ein Parkhaus. So beginnt dann auch für Jana Vogt und ihr Cottbuser Grabungsunternehmen ArGePro der Einsatz. Derzeit graben 13 Mitarbeiter der Firma bei Kerpen in Nordrhein-Westfalen. Wegen des aktiven Tagebaus muss dort die Autobahn A4 neu verlegt werden. Die Archäologen suchen entlang der neuen Strecke nach Überresten eisenzeitlicher Siedlungen: Sie analysieren Luftbilder, legen „ Verdachtsflächen“ fest und tragen mit Baggern den bis zu 60 Zentimeter tiefen Oberboden ab. Spezielle Verfärbungen im darunter liegenden, gewachsenen Boden weisen auf geschichtliche Relikte hin. Die Archäologen müssen nicht nur handwerklich geschickt vorgehen und naturwissenschaftliches Knowhow besitzen: Sie müssen sich auch darauf einlassen, bei jeder Jahreszeit draußen zu sein. „Im Winter arbeiten wir im Zelt mit Heizung“, erzählt Jana Vogt.

Die Arbeit bei einer Grabungsfirma ist nur einer von vielen möglichen Jobs für Archäologen. In der Privatwirtschaft sind die Chancen auf einen Arbeitsplatz recht gut. Die traditionell wichtigsten Arbeitgeber, die Landesdenkmalämter, hingegen müssen wie die Landesmuseen, die staatlichen Akademien und Hochschulen Personalkosten sparen. Es gibt weniger Stellen und die sind oft befristet.

„Die Arbeitsmarktsituation ist ausgesprochen schwierig und dazu noch sehr unübersichtlich“, sagt Therese Burmeister. Die Berliner Archäologie-Studentin hat deshalb mit Kommilitonen die Berufsmesse für angehende Archäologen „Archaeoworks“ ins Leben gerufen. Am 20. und 22. November öffnet sie an der Freien Universität Berlin ihre Türen. 80 Vertreter verschiedener Berufszweige halten Vorträge und Workshops und informieren über Jobaussichten, Qualifikationen und zukunftsträchtige Geschäftsmodelle für Archäologen.

„Als Archäologe muss man heute Allround-Talent besitzen“, sagt Angelika Franz, die auf der Jobmesse über ihrer Arbeit als Wissenschaftsjournalistin berichten wird. „Wenn man sich im Studium spezialisieren möchte, sollte man seinen Neigungen ruhig folgen“, sagt Franz, „nur darf man sich eben nicht darauf verlassen, später auch genau in diesem Bereich zu arbeiten.“ Wichtig sei es außerdem, praktisch orientierte Studienangebote voll auszuschöpfen: Grabungs- und Museumspraktika zum Beispiel, Sprachkurse und Auslandsaufenthalte seien bei Arbeitgebern sehr willkommene Zusatzqualifikationen.

Zu den Referenten bei der „Archaeworks“ gehört auch Wulf Hein. Er ist Archäotechniker und erforscht altertümliche Handwerks-, Landwirtschafts- und Jagdtechniken, die er für Museen nachstellt. Eine solches Lebendigmachen von Geschichte bietet Archäologen vielversprechende Berufsaussichten – sei es in der Museumspädagogik, im Tourismus, in Verlagen oder im Journalismus.

Angesichts der Vielzahl von Jobprofilen stellt sich die Frage nach dem passenden Studium. Die FU Berlin bietet den Bachelor-Studiengang „Altertumswissenschaften“ an, der Grundlagen in den sechs Disziplinen Ägyptologie, Altorientalistik, Klassische Archäologie, Prähistorische Archäologie und Vorderasiatische Archäologie vermittelt. Im anschließenden Master-Studiengang können sich Studierende auf eine der Disziplinen spezialisieren. Dabei gehört der Studiengang zu den eher kleineren Fächern. Zum Wintersemester haben rund 130 Studienanfänger den Bachelor belegt, 40 davon im Kernfach Klassische Archäologie.

Ob der Bachelor die Berufschancen für Archäologen verbessert, ist jedoch umstritten. Die Unternehmerin Jana Vogt sagt: „Der Bachelor bietet zu viele Zusatzmodule, aber zu wenig Praxiserfahrung.“ FU-Wissenschaftler Martin Langner dagegen sagt: „Nach dem Bachelor entscheiden sich die Studierenden oft sehr bewusst für einen Master oder einen Aufbaustudium in einem anderen Bereich, zum Beispiel in Museologie, und erhöhen dadurch ihre Berufschancen.“ Für die meisten Stellen in der Klassischen Archäologie aber werde nach wie vor eine Promotion vorausgesetzt. Die Chancen auf eine Doktorandenstelle sind an den Berliner Unis allerdings recht gut.

Der Einstieg in den Beruf ist dann jedoch finanziell nicht immer sehr lukrativ. 800 Euro netto im Monat für eine Vollzeit-Volontärsstelle in einem Museum sind nicht unüblich, berichtet die Sprecherin des Deutschen Archäologieverbandes, Beate Bollmann. Die meisten Archäologen sind im öffentlichen Dienst angestellt und werden nach den entsprechenden Tarifen für Bund oder Länder bezahlt. In der Regel steige das Gehalt, je nach Aufgabe, bis auf etwa 2500 Euro netto im Monat. In der freien Wirtschaft dagegen sind die Gehälter frei verhandelbar – und liegen oft höher.

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