Karriere : Schöne Aussichten

Gutes Gehalt, außergewöhnliches Arbeitsklima, Jobsicherheit: Was die Top-Arbeitgeber Deutschlands ihren Mitarbeitern bieten

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Henning Ross ist verheiratet, hat zwei kleine Söhne. Der 31-jährige Marketing-Manager ist gewiss kein Hasardeur. Doch nach dem BWL-Studium in Bamberg und seinem MBA in Karlstadt (Schweden) entschied er sich für den Medizintechnik-Konzern B. Braun – und damit für ein Unternehmen, bei dem er keinen festen Arbeitsplatz und geregelten Arbeitsalltag hat.

Ein Vabanquespiel? Nein. Denn was sich zunächst nach drohender Insolvenz oder Kurzarbeit anhört, gilt als Modell der Zukunft und wird von Arbeitspsychologen gelobt. Bei Braun haben die Mitarbeiter keine Büros mehr, sondern lediglich einen Rollcontainer, in dem sie persönliche Dinge und Post aufbewahren. Schreibtische als festes Revier der Angestellten – diese Zeiten sind bei Braun vorbei. Jeden Morgen suchen sie sich ihren Arbeitsplatz neu aus: entweder im Großraumbüro oder in so genannten Cockpits, kleinen verglasten Ruheräumen – je nach individuellen Bedürfnissen des Arbeitnehmers. Solche Konzepte haben das Unternehmen aus dem nordhessischen Melsungen weit nach vorne gebracht. Aus dem Mittelständler ist ein Weltkonzern geworden. Damit nicht genug: Braun ist auch „Top-Arbeitgeber Deutschland 2009“.

Diesen Titel vergibt das Research-Unternehmen CRF seit einigen Jahren gemeinsam mit Magazin „Junge Karriere“. Den Sprung aufs Treppchen schafften in diesem Jahr auch der ADAC und die Bausparkasse Schwäbisch Hall. Weitere Top-Arbeitgeber sind unter anderen die Commerzbank, der Optikkonzern Carl Zeiss und der Zigarettenhersteller British American Tobacco.

Für die Studie mussten die Unternehmen 101 Fragen beantworten, anhand derer sechs Kernbereiche untersucht wurden: Entwicklungschancen, Gehalt, Work-Life-Balance, Jobsicherheit, Marktführerschaft sowie Unternehmenskultur. Hatten sich 2008 insgesamt 88 Unternehmen in der Studie als Top-Arbeitgeber qualifiziert, so waren es diesmal bereits 105. CRF-Projektleiterin Gitta Haßenbürger sagt: „Wir stellen fest, dass sich die teilnehmenden Unternehmen in den relevanten Kriterien deutlich weiterentwickeln. Besonders die Bereiche Work-Life-Balance und Unternehmenskultur waren in der aktuellen Studie gut aufgestellt.“ Im Wettbewerb um die besten Talente sind diese Kriterien sehr wichtig.

Zu diesen Talenten, also gut ausgebildeten Absolventen, gehört auch Carola Dehmel, 31. Sie studierte Pharmazie in Marburg und promovierte in Hamburg. Seit Oktober 2008 arbeitet sie bei Braun. Auf einem Krankenhaus-Kongress wenige Monate zuvor lernte sie ihre jetzige Chefin kennen. Diese war von Dehmels Fähigkeiten überzeugt – und warb um sie. Mit Erfolg. „Dass sich das Unternehmen so um mich bemüht, hat mich besonders motiviert“, sagt Dehmel. Leichte Bedenken, in Melsungen werde provinziell gedacht, waren schnell ausgeräumt. Dehmel merkte sofort, wie international ihr Arbeitgeber ist: „In meiner ersten Arbeitswoche nahm ich bereits an einer Fachtagung in Birmingham teil.“ An solche Reisen hat sie sich gewöhnt. Bald geht''s wieder nach England – zur Weiterbildung. Dehmel will die interkulturellen Kontakte vertiefen und ihre Sprachkenntnisse auffrischen.

Auch ADAC-Mitarbeiter wissen die Fortbildungsangebote ihres Arbeitgebers zu schätzen. Britta Albrecht, 28, ist seit 2008 im Förderprogramm: In Seminaren über Arbeitsrecht und beim Kommunikationstraining erhält sie als junge Führungskraft das nötige Rüstzeug. Nach dem Abitur wurde sie beim ADAC in München zur Versicherungskauffrau ausgebildet und war 2005 bereits stellvertretende Leiterin des Bereichs „Schadensregulierung Ausland“. Aktuell trägt sie die Verantwortung für 16 Kollegen. Albrecht hat schnell Karriere gemacht, aber auch viel Fleiß investiert. An der Verwaltungsakademie studierte sie abends BWL, derzeit hängt sie noch einen Aufbaustudiengang an der Hochschule Harz in Wernigerode dran und kann sich dann Ende des Jahres „Diplom-Kauffrau (FH)“ nennen. Dafür opfert sie ihre Wochenenden – ohne Bedauern: „Es macht unheimlich viel Spaß. Bislang ist alles perfekt für mich gelaufen.“

Sehr gut läuft es auch für die Mitarbeiter der Bausparkasse Schwäbisch Hall. Ihr Arbeitgeber hat 2008 ein erfolgreiches Jahr hinter sich gebracht. Während das Image von Aktien und Fonds in der Finanzkrise leidet, erlebt der einfache Bausparvertrag einen Boom – und Schwäbisch Hall möchte sich personell verstärken. Seit vergangenem Jahr sind Mareike Bollmann, 25, und Marcus Weismantel, 28, an Bord. Die beiden BWL-Absolventen nähern sich dem Ende ihres zwölfmonatigen Traineeprogramms. Doch sie bleiben dem baden-württembergischen Unternehmen erhalten: Weismantel in der Pressestelle, Bollmann in der Personalabteilung. Eine neue Firma kam für sie nicht infrage. „Ich werde gefördert, habe Spaß an der Arbeit und das Klima ist fast schon familiär“, schwärmt Bollmann. Und Weismantel sagt: „Meine Bewerbung damals war die richtige Entscheidung.“

200 Kilometer weiter nördlich in Melsungen denkt Braun-Manager und Familienvater Henning Ross ähnlich: „Ich kann Familie und Beruf super miteinander vereinbaren. Ein unschlagbarer Vorteil.“ Sein Arbeitsplatz ist natürlich sicher. Selbst wenn es kein fester ist.

Top-Arbeitgeber Deutschland 2009, Hrsg. CRF Deutschland (ISBN: 978-3-7639-3856-8, Bestellnr: 6001422e) 24,90 Euro, 656 Seiten, Verlag wbv

Beitrag aus dem Magazin „Junge Karriere“

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