Karriere : Sicher ist sicher

Die Sicherheitsbranche bommt, Wachschützer sind gefragt. In der Ausbildung lernen sie Deeskalation und Selbstverteidigung

Eine kräftige Statur gilt bei privaten Sicherheitsleuten nicht als Nachteil, Rambo-Verhalten aber ist unerwünscht. Man kennt sie als Ordner bei Veranstaltungen und Bodyguards von Promis, trifft sie in öffentlichen Verkehrsmitteln ebenso wie an den Kontrollschleusen auf Flughäfen. Und auch der klassische Wachmann zählt zu dieser Berufsgruppe mit inzwischen mehr als 171 000 Mitarbeitern.

   „Die Bedeutung der Sicherheitsfirmen in der modernen Gesellschaft wächst“, stellt Prof. Rolf Stober, Wissenschaftlicher Direktor der Forschungsstelle für das Sicherheitsgewerbe an der Universität Hamburg, fest. Deshalb steigt der Bedarf an gut ausgebildeten Kräften, die Aufgaben bis ins Management übernehmen können. „Der heute für Wachleute erforderliche Unterrichtungsnachweis von 40 Stunden Ausbildung ist hinsichtlich der zu schützenden Güter eine Farce“, kritisiert Stober.

Schon seit 2002 gibt es die staatlich anerkannte dreijährige Ausbildung zur Fachkraft für Schutz und Sicherheit mit Abschlussprüfung vor der zuständigen Industrie- und Handelskammer.

Der Bundesverband Deutscher Wach- und Sicherheitsunternehmen (BDWS) schätzt, dass die derzeit mehr als 3300 tätigen Sicherheitsfirmen bundesweit etwa 2500 künftige Fachkräfte ausbilden. Allein bei den im Verband organisierten Unternehmen sind es mehr als 1100. „Das Interesse an Ausbildungsplätzen ist groß“, sagt Martin Hildebrand, Sprecher des BDWS in Bad Homburg. Die Dachorganisation vertritt 730 Mitgliedsfirmen mit einem Marktanteil von etwa 80 Prozent.

Starke Nachfrage registriert auch der Marktführer in Deutschland, die Securitas mit 14 000 Mitarbeitern an 70 Standorten. „Wir bilden etwa 30 Azubis pro Jahr aus, davon ein knappes Drittel Frauen“, erläutert Personalmanager Arnd Gesatzki in Düsseldorf. Als wichtige Voraussetzungen nennt er einen guten Schulabschluss, gute Kenntnisse in Deutsch und Mathematik sowie Verständnis für das Kaufmännische. Ein „sauberes“ polizeiliches Führungszeugnis sollte ebenfalls vorliegen.

Während der Ausbildung ist bei den Sicherheitsdiensten eine Vergütung nach Tarifgebieten vorgesehen, die im ersten Jahr zwischen 355 bis 563 Euro liegt. Sie steigt dann auf 468 bis 644 Euro und beträgt schließlich 536 bis 771 Euro. Für die Bezahlung danach gelten die nach Bundesländern und Gruppen gestaffelten Tarifverträge.

„Um noch mehr Kräfte für das Sicherheitsgewerbe zu qualifizieren, wird im Spätsommer der zweijährige Ausbildungsberuf zur Servicekraft für Schutz und Sicherheit eingeführt“, erklärt Herbert Tutschner vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn. Die Branche sieht das nicht als „Schmalspurberuf“, sondern als eine dem Bedarf entsprechende Qualifikation. Azubis gehen zwar mit auf Kontrollgänge oder werden bei Veranstaltungen als Ordnungskräfte eingesetzt – sie bleiben allerdings immer unter den Augen erfahrener Kollegen. In zwei länderübergreifenden Berufsschulen müssen sie im Blockunterricht Theorie büffeln: Deutsch, kaufmännisches Wissen, Rechtsgrundlagen, Erste Hilfe, Überwachungstechnik, Psychologie und Deeskalationsmethoden.

   In der Praxis lernen sie Verhalten in kritischen Situationen, Umgang mit Menschen, Selbstverteidigung und das Beurteilen von Gefahrenpotenzialen. Schießunterricht und Waffenkunde gibt es nur dann, wenn ein solcher Einsatz beispielsweise bei Geld- und Werttransporten vorgesehen ist. In Ausnahmefällen müssen gewalttätige Zeitgenossen zur Ruhe gebracht werden, doch die privaten Uniformierten haben keine Polizeigewalt. Sie setzten lediglich, wie vom Auftraggeber angeordnet, das Hausrecht durch.

   „Personenschutz macht gerade ein Prozent der Tätigkeiten aus“, sagt Hildebrand. Dagegen steht der Objektschutz an erster Stelle. Aus Büros und Betrieben verschwinden jährlich Millionenwerte, Hunderttausende von Sachbeschädigungen werden registriert. Die unzähligen Geld- und Werttransporte, die täglich unterwegs sind, stehen unter dem Schutz privater Sicherheitskräfte. Sie sind auf Flughäfen tätig und im Personenverkehr.

   Auf Bahnhöfen und in Zügen setzt die Bahn eigene Leute ein. „Wir beschäftigen derzeit etwa 2500 Mitarbeiter“, erläutert Edith Vahl von der DB Sicherheit in Berlin. Gut 120 weitere sind in der Ausbildung. Die Bahn ist der größte Ausbilder auf diesem Sektor und stellt jedes Jahr etwa 40 Azubis ein. dpa

Informationen: Bundesverband Deutscher Wach- und Sicherheitsdienste, Postfach 1211, 61282 Bad Homburg (Tel.: 06172/94 80 50, Internet: www.bdws.de)

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