SONDERTHEMA Wie man als Zeitarbeitnehmer im Beruf durchstartet : Sprungbrett in den festen Job

Chefs engagieren Zeitarbeitskräfte, um sie für eine feste Stelle zu testen. Die IHK schätzt, dass 30 Prozent übernommen werden

Maximilian von Demandowsky

Seit einigen Jahren ist die Zeitarbeit einer der großen Job-Motoren in Deutschland. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit gibt es bundesweit rund 8000 Zeitarbeitsbetriebe, die Personal kurzfristig an Unternehmen verleihen. Waren im ersten Halbjahr 2007 bundesweit knapp 730 000 Menschen als Zeitarbeitnehmer beschäftigt, so gehen Schätzungen für Ende 2008 von über einer Million aus. Auch in der Hauptstadt ist die Branche bislang gewachsen: Zeitarbeitskräfte gehören inzwischen zum festen Bestandteil in den Personalplanungen der Berliner Unternehmen.

„Besonders gefragt sind Büroarbeitskräfte, Helfer im Gastgewerbe oder bei zeitlich befristeten Großveranstaltungen, wie zum Beispiel während der Fußball-EM“, sagt Claus Labonté von der Industrie- und Handelskammer Berlin (IHK). Mit einem Anteil von 34 Prozent bilden Hilfsarbeiter die größte Gruppe der Zeitarbeiter – doch mit 24 Prozent sind Metall- und Elektrofachkräfte ebenfalls gefragt. Die Zeitarbeit ist nicht ausschließlich ein Broterwerb für Ungelernte, sondern gewinnt auch bei ausgebildeten Fachkräften an Bedeutung.

Viele Firmen buchen Zeitarbeiter, um aus ihrem Kreis feste Mitarbeiter zu rekrutieren. Evelyn Ullrich-Mau, Assistentin der Geschäftsführung bei dem Vertriebsunternehmen für Messtechnik und Kalibriersysteme Calplus GmbH, hat gute Erfahrungen mit Zeitarbeitern gesammelt. „Man kann sich in Ruhe gegenseitig kennen lernen und schauen, ob Mitarbeiter und Unternehmen zusammenpassen“, sagt sie. Verträge müssen dafür nicht geschlossen werden. Dabei sei ein längerfristiges Engagement über den Kurz-Job hinaus erwünscht, so die Assistentin: Von den 19 Angestellten der Elektrofirma sind vier Kollegen ehemalige Zeitarbeiter, die anschließend übernommen wurden.

„Gerade mittelständische Unternehmen können bei zusätzlichen Aufträgen flexibler reagieren“, sagt Thomas Hetz, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Mittelständischer Personaldienstleister AMP. Auch Katja Potzies von der BIM Berliner Immobilienmanagement GmbH, die als landeseigene Gesellschaft Gebäude und Objekte verwaltet, sieht den Einsatz von Zeitarbeitern in ihrem Betrieb positiv. „Bei Auftragsspitzen kommen die regulären Arbeitskräfte nicht hinterher“, erklärt sie. „Mithilfe von Zeitarbeitern können wir schnell und flexibel reagieren.“ Von 150 Mitarbeitern sind sechs ehemalige Zeitarbeitskräfte. Claus Labonté von der IHK Berlin den Anteil derjenigen, die als Festangestellte im Unternehmen verbleiben, mit durchschnittlich 30 Prozent höher ein: „Für die Arbeitnehmer ist Zeitarbeit ein Sprungbrett in den regulären Job.“

Kritik am flächendeckenden Einsatz der Zeitarbeitskräfte üben dagegen die Gewerkschaften. Petra Jentzsch von der IG Metall Berlin räumt zwar ein, dass es Betriebe gibt, in denen Leiharbeiter übernommen wurden. Sie teilt jedoch die optimistische Sicht der IHK von einer hohen Übernahmequote von 30 Prozent nicht. Außerdem gebe es beim Arbeitseinkommen deutliche Unterschiede: Zwar haben Mitarbeiter bei einem Zeitarbeitsunternehmen grundsätzlich die gleichen Rechte wie jeder Arbeitnehmer, mit Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und gesetzlichem Urlaubsanspruch. Allerdings lassen die Tarifverträge eine geringere Entlohnung zu.

Jentsch beobachtet einen regelrechten Verdrängungswettbewerb durch Zeitarbeitskräfte: „Leiharbeit ersetzt vielfach Stammarbeitsplätze und führt im schlechtesten Fall zu Lohndumping.“ So würden Fachkräfte eingesetzt, die zu Konditionen von Ungelernten bezahlt werden. Die Gewerkschafterin schätzt, dass das Arbeitseinkommen eines Zeitarbeiters durchschnittlich zwischen 30 und 50 Prozent unter der einer vergleichbaren Tätigkeit eines Stammarbeiters liegt. „Das Einkommen mancher Leiharbeit reicht oftmals nicht zum Lebensunterhalt“, sagt Jentsch. „Die Betroffenen brauchen in diesem Fall zusätzliche Unterstützung durch Leistungen der Arbeitsagenturen.“

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