Karriere : Soziales Engagement kann sich lohnen

Vom Mediator bis zum Beleuchter: Freiwillige bekommen Lehrgänge bezahlt

Carina Frey (dpa)
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Nicht umsonst. 60 Seminarstunden jährlich sind für Teilnehmer gratis. Foto: dpa

Seit 1. Januar hat freiwillige Arbeit einen Namen: Der „Freiwilligendienst aller Generationen“ ist ins neue Jahr gestartet. Zunächst nehmen 46 Initiativen und Netzwerke freiwilliger Helfer an dem Programm teil. Die Freiwilligen engagieren sich mindestens ein halbes Jahr lang gegen Gewalt in Schulen, gehen in Firmen, um dort für ehrenamtliche Einsätze zu werben oder helfen als Techniker aus. Das Bundesministerium für Familie und Senioren will mit dem neuen Programm um mehr Freiwillige werben – und die Teilnehmer im Gegenzug mit kostenfreien Fortbildungen belohnen.

Einer aktuellen Studie zufolge leisten die Deutschen 4,6 Milliarden Stunden ehrenamtliche Arbeit pro Jahr. Mehr als ein Drittel aller Bürger engagiert sich zum Beispiel im sozialen Bereich oder für die Umwelt, ergab die repräsentative Umfrage im Auftrag des Versicherers AMB Generali. Jeder Ehrenamtliche arbeite durchschnittlich rund 16 Stunden im Monat freiwillig. Die Studie zeigte außerdem: Unter den derzeit Nicht-Engagierten könnten sich knapp 40 Prozent vorstellen, das zu ändern. Genau diese Personen soll der neue Freiwilligendienst ansprechen.

Die ersten Initiativen werden drei Jahre lang vom Bund gefördert. Wer seine Fähigkeiten für eine gute Sache einsetzen möchte, kann sich an sie wenden. Eines davon ist das Netzwerk „10+“ in Köln, hinter dem unter anderem das Deutsche Rote Kreuz und die Kölner Freiwilligen-Agentur stehen. „Wir suchen Menschen, die sich für 20 Wochenstunden oder mehr engagieren wollen“, sagt Geschäftsführerin Ulla Eberhard.

Interessenten haben rund 30 Angebote zur Auswahl. Sie können zum Beispiel an einer Ganztagsschule das Nachmittagsprogramm mitgestalten, in einem Begegnungszentrum mit muslimischen Frauen Deutsch üben oder in einem Theater bei der Technik helfen. Aufgabe der Freiwilligenagentur ist es, Ehrenamtliche und Hilfesuchende zusammenzubringen.

Von der Bundesregierung ist festgelegt, dass die Helfer im neuen Freiwilligendienst mindestens ein halbes Jahr lang für acht Stunden pro Woche zur Verfügung stehen müssen. Dafür haben sie Anspruch auf Fortbildungen von mindestens 60 Stunden pro Jahr. Wer mit Migranten arbeitet, könne zum Beispiel einen Sprachkurs belegen. Wer sich in der Pflege engagiert, erhält dagegen einen Erste-Hilfe-Kurs erstattet.

Bei dem Projekt „Senior Partner in School“, das sich an Menschen ab 55 Jahren richtet, durchlaufen die Freiwilligen zunächst eine 80-Stunden-Schulung. Dort werden sie als Konfliktmediatoren ausgebildet. Anschließend gehen sie als Team in Schulen. „Die sind an bestimmten Tagen von der ersten Pause bis Schulschluss in der Schule anwesend“, erklärt Christiane Richter, Vorsitzende und Gründerin des Berliner Vereins. An diese Konfliktambulanz könnten sich Lehrer und Schüler wenden.

Weil die Schulung zum Mediator so lange dauert, verpflichten sich die Ehrenamtlichen für 18 Monate. „Die meisten bleiben aber viel länger dabei“, sagt Richter. Der Einsatz umfasst in der Regel zehn Stunden pro Woche. Inzwischen gibt es rund 500 der Konfliktschlichter in sieben Bundesländern. Durch den neu initiierten Freiwilligendienst sollen es noch viel mehr werden.

Die Social Angel Stiftung in Mundelsheim, Baden-Württemberg, ist für die Bekanntmachung des neuen Programms zuständig. Die Mitarbeiter kontaktieren Firmen und schlagen dort Präsentationen gemeinnütziger Organisationen vor. Mitarbeiter kurz vor der Rente sollen an ihrem Arbeitsplatz Informationen zu gemeinnützigen Projekten bekommen, bei denen sie sich engagieren können, erklärt Vorstand Jürgen Röser. Die Social Angel Stiftung sucht auch für diese Aufgabe Ehrenamtliche, die sich zum Engagementberater weiterbilden lassen und dann Kontakte zu den Unternehmen aufbauen. 

Im Rahmen der Freiwilligendienste sind noch viele andere Aufgaben denkbar, so das Ministerium: Eine ehemalige Physiotherapeutin könne Gymnastikkurse geben, der pensionierte Geschichtslehrer Kinder durch ein Museum führen. „Jeder Mensch hat spezielles Wissen“, sagt der Sprecher. Wichtig sei nur, die passende Aufgabe zu finden. Carina Frey (dpa)

Weitere Informationen im Internet:

www.bmfsfj.de/freiwilligendienste

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