Karriere : Spaß ist, wenn man trotzdem lernt

Weiterbildungen, bei denen man sich köstlich amüsiert? Die gibt’s. Wir stellen drei Beispiele vor

Silke Zorn

Spaß beim Lernen? Für viele Menschen war das schon in der Schule ein Widerspruch in sich. Und auch die berufliche Fortbildung kann – zugegeben – manchmal ganz schön trocken sein. Wer von komplizierten Fachbegriffen und dicken Lehrbüchern hin und wieder mal eine Pause braucht, sollte sich zwischendurch einen Workshop gönnen, der nicht nur schlau, sondern auch Spaß macht.

LACHEN STATT PROBLEME WÄLZEN

In den Kursen von Michaela Schäffner kommt man um das Lachen gar nicht herum. Es ist sozusagen Sinn der Übung. Die promovierte Molekularbiologin ist Vorsitzende des Verbandes der deutschen Lach-Yoga-Therapeuten und bietet unter anderem Trainings für Firmengruppen an. Sie weiß: „Wenn wir im Job alles mal ein wenig gelassener sehen und für einen Moment aufhören, Probleme logisch hin und her zu wälzen, dann geht vieles plötzlich leichter.“ Die beste Medizin gegen zu viel Kopfarbeit: Lachen. „Denn wer lacht, kann nicht gleichzeitig denken,“ sagt Michaela Schäffner und rät sogleich zum Selbstversuch. In ihren Seminaren wird natürlich unter Anleitung gegrinst, gekichert und gestrahlt. So ein kurzer Augenblick der Gedankenfreiheit kann Wunder wirken, meint die Therapeutin. Und: „Lachen verbindet, fördert den Teamgeist und entspannt Konflikte.“

Bei echten Lachprofis heben sich die Mundwinkel sogar ganz reflexartig – fast wie beim Pawlowschen Hund. „Man kann nämlich üben, das Lachen mit einer bestimmten Geste zu verbinden“, erklärt Schäffner. Wer zum Beispiel gerne mal entnervt mit den Fingern auf die Tischplatte trommelt, weil der Computer wieder einmal zu langsam hochfährt, kann diese Bewegung gedanklich mit einem herzhaften Lachen verknüpfen – und der Start in den Tag fällt um einiges fröhlicher aus.

In anderen Ländern, beispielsweise in China, ist das gemeinsame Lachen bereits zum Mega-Event avanciert, bei dem sich Abteilungsleiter und Chefsekretärin gemeinsam den Bauch halten. In Deutschland reagieren die Unternehmen noch etwas verhaltener, doch „gerade als Motivationsschub oder ungewöhnlicher Betriebsausflug wird gerne mal ein Lach-Seminar gebucht“, sagt Michaela Schäffner. Wer nicht darauf warten will, dass der Chef zum gemeinsamen Amüsement bläst, kann natürlich auch selbst die Initiative ergreifen und sich über den Verband nach Trainern in seiner Nähe erkundigen.

MIT DEM CHEF IM HOCHSEILGARTEN

Okay, zugegeben: Beim Anblick eines Hochseilgartens in schwindelerregender Höhe oder bei dem Gedanken daran, sich gleich mit dem Herrn Generaldirektor im Kajak einen reißenden Fluss hinunterzustürzen, kann einem das Lachen erst mal vergehen. Doch wer Spaß an körperlichen und mentalen Herausforderungen hat, wird es lieben: das Outdoor-Teamtraining. Die Idee ist nicht mehr ganz neu, funktioniert aber dennoch wie am ersten Tag: Besser zusammenarbeiten, miteinander reden und für andere Verantwortung übernehmen – all das kann man bei sportlichen Teamevents wunderbar üben, sei es nun beim Kajakfahren, beim gemeinsamen Bau eines Floßes, in der Kletterhalle oder im Hochseilgarten. „Gerade ein Seil verbindet ungemein“, sagt Janet Nagel, die in Berlin mit ihrem „Team Venture“ Firmentrainings und Seminare für Führungskräfte anbietet. „Es schafft Vertrauen zwischen dem Kletternden und seinem Sicherungspartner. Die Teilnehmer lernen, sich gegenseitig zu motivieren, aufeinander zu achten und die Körpersprache des anderen besser zu lesen.“

Außerdem zeige sich bei einer solchen Aktion prima die Rollenverteilung innerhalb einer Gruppe, sagt die Berlinerin: Wer ist der Macher? Wer der Motivator? Und wer der ewige Meckerer? Anschließend werten Janet Nagel und ihre Kollegen das Erlebte aus und überlegen gemeinsam mit den Gruppen, wie man die gewonnene Erkenntnisse im Berufsalltag umsetzen kann.

Gratis dazu gibt es bei dieser etwas anderen Art der Weiterbildung den Spaßfaktor – und den Muskelkater am Tag danach.

IN BUNTEN BILDERN DENKEN

Auch in den Kursen von Stefanie Schneider muss man sich sportlich betätigen. Einen schmerzenden Trizeps braucht allerdings niemand zu befürchten: Denksport, lautet die Devise. Die Berlinerin bietet mit ihrer Firma „Denkschritt“ unter anderem Gedächtnistrainings für Alltag und Beruf an. Verkaufsargumente, Umsatzzahlen, wichtige Termine oder der Name der netten neuen Kollegin aus der Buchhaltung: Wer sich Dinge gut merken kann, hat auch im Job bessere Karten. Stefanie Schneider vermittelt in anschaulichen Übungen, wie man sich ein leistungsfähiges „mentales Ablagesystem“ schaffen kann. „Die Basis dafür ist das bildhafte Denken“, erklärt die Trainerin. „Denn Bilder kann sich das Gehirn sehr viel besser merken als abstrakte Zahlen und Fakten.“

Ein amüsantes Beispiel hat die Merk- Expertin auch gleich parat: Man stelle sich sein Wohnzimmer vor und lasse den Blick durch den Raum schweifen – ganz links das Sofa, daneben der Fernseher, dann ein Tisch, weiter rechts der Schrank, ... Diese Bilder können jetzt für jeden beliebigen Anlass als „geistiger Spickzettel“ genutzt werden, indem man die Gegenstände im Wohnzimmer mit den Stichpunkten verknüpft, die man – etwa in einer Präsentation oder einer Rede – ansprechen möchte. „Will man zunächst über die Belegschaft reden, kann man sich zum Beispiel alle 350 Angestellten vorstellen, wie sie sich auf das heimische Sofa quetschen“, sagt Schneider. „Soll es danach um die Expansion des Unternehmens in die USA gehen, könnte man sich ausmalen, dass im Fernseher gerade ein Bild der Freiheitsstatue gezeigt wird.“ Und so weiter.

Derart denkfit kann man auf Spickzettel, Pocket-PC, Outlook oder den persönlichen Assistenten auch getrost einmal verzichten, meint Stefanie Schneider. Und Spaß macht das ungewöhnliche Training obendrein. Denn zumindest vor seinem geistigen Auge wird man auf diese Weise die tollsten Sachen erleben. Und wer weiß, vielleicht sitzt ja bei Ihnen auch bald der Vorstandsvorsitzende in der Yuccapalme. Nur in Gedanken, versteht sich.

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