Sport : Anleitung zum sportlich sein

Neuer Ausbildungsberuf: Die Sportfachfrau organisiert Wettkämpfe und weist Trainierende im Fitnessstudio ein.

Nina C. Zimmermann

Fit müssen sie sein, die angehenden Sportfachleute. Denn viel Bewegung steht auf dem Programm des neuen Ausbildungsberufes Sportfachmann/Sportfachfrau, der in diesem Jahr erstmals angeboten wird. Muskelbepackte Bodybuilder erwarte er zwar nicht, sagt Holger Arnold von der Europäischen Sportakademie Brandenburg, einem gemeinnützigen Bildungsträger in Potsdam. „Aber man sollte ein Herz für den Bereich Fitnessstudio oder Sportverein haben.“ Gut sechs Jahre nach Einführung des Lehrberufs Sport- und Fitnesskaufmann/-frau wird das Ausbildungsspektrum mit dem Sportfachmann um einen sportpraktischen Beruf erweitert.

Sportvereine, Verbände oder Fitness- und Gesundheitsstudios setzen darauf, dass der neue Sportfachmann eher ihre Erwartungen erfüllt als der Sport- und Fitnesskaufmann. Denn der habe sich zu sehr als Büromensch und zu wenig als „Sport-Facharbeiter„ entpuppt, so Arnold.

Der Sport- und Fitnesskaufmann ist vor allem in den Geschäfts- und Organisationsbereichen von Vereinen, Verbänden und Studios sowie in der öffentlichen und privaten Sport- und Sportstättenverwaltung tätig. Und das in wachsender Zahl: Gab es im ersten Jahr 517 Azubis, waren es 2005 dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn zufolge schon 2986.

Die Sportfachleute werden dagegen überwiegend im Sport – und Trainingsbetrieb zu finden sein. „Sie richten zum Beispiel die Strecke für einen Rollerskate-Wettbewerb her oder bereiten die Anlage für ein Skispringen vor. Sie organisieren Wettkämpfe von der Teilnehmerliste bis zur Siegerehrung und betreuen Sportler“, erläutert Gabriele Jordanski vom BIBB.

In den ersten beiden Jahren verläuft die Ausbildung in den Berufen parallel. Auf dem Lehrplan stehen neben typisch kaufmännischen Themen wie Organisation, Marketing und Betriebsabläufe von Anfang an Sport und Bewegung.

Während sich die Sport- und Fitnesskaufleute im dritten Lehrjahr dann in Rechnungswesen, Controlling und Personalwirtschaft vertiefen, liege für die Sportfachleute der Schwerpunkt auf der Sportpraxis, sagt Jordanski. Dazu gehören auch Trainer-Qualifikationen. Die Sportfachleute erwerben Kenntnisse, die dem „Lizenzierten Fitnesstrainer“ des Deutschen Sportstudio-Verbands (DSSV), der „Übungsleiter-C-Lizenz“ sowie der „Trainer-C- und Trainer-B-Lizenz“ des Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) in Frankfurt/Main entsprechen.

Der Erwerb sei Pflicht und gehe zu 30 Prozent in die Endnote der angehenden Sportfachleute ein, erläutert Yvonne Kretschmer vom DSSV in Hamburg, dem Arbeitgeberverband deutscher Fitness- und Wellness-Anlagen. Beide Seiten profitierten davon: „Die Azubis haben später bessere Anstellungschancen. Für die Ausbilder bedeutet es, dass sie die Kraft schon während der Lehrzeit umfangreicher einsetzen können.“ Das hat sich auch für den Sport- und Fitnesskaufmann als sinnvoll erwiesen. „Es hat sich gezeigt, dass er auch manchmal sportpraktisch arbeiten muss oder will“, sagt Gabriele Jordanski. Das sei in der überarbeiteten Ausbildungsverordnung ab 2007 fest verankert, „aber nur in dem Umfang, der zu einem Kaufmann passt“. Sprich: Der Azubi muss lediglich Kenntnisse entsprechend dem lizenzierten DSSV-Fitnesstrainer und der Übungsleiter-C-Lizenz des DOSB nachweisen.

Voraussetzung für die Ausbildung in beiden Berufen ist mindestens ein Hauptschulabschluss. Yvonne Kretschmer vom DSSV weiß aber aus Erfahrung, dass die Mitglieder ihres Verbandes lieber Anwärter mit mindestens einem Realschulabschluss sehen. Ein Blick in die Statistik des BIBB bestätigt das. Nur knapp 16 Prozent der Ausbildungsanfänger 2005 verfügten über einen Hauptschulabschluss.

Während für den angehenden Sportkaufmann ein ausgeprägtes Interesse an Bewegung, Wellness und Gesundheit ausreicht, ist für den Sportfachmann sportliche Vorbildung zwar auch nicht Bedingung, aber hilfreich: „Ich kann mir vorstellen, dass ehemalige Leistungssportler Interesse daran haben“, sagt Gabriele Jordanski. Kundenberatung und -betreuung gehören zu beiden Berufsbildern: „Man sollte schon gerne mit Menschen umgehen und sie anleiten wollen“, sagt Holger Arnold von der Europäischen Sportakademie Brandenburg. Gefasst machen müssen sich die Azubis auch auf unregelmäßige Arbeitszeiten: Sport ist für die meisten Menschen eine Freizeitbeschäftigung am Abend oder am Wochenende.

Das Lehrlingsgehalt für die Sportfachleute liegt aller Voraussicht nach leicht unterhalb dessen, was angehende Sport- und Fitnesskaufleute laut DSSV-Empfehlungen erhalten sollten: 447 Euro im ersten, 489 Euro im zweiten und 586 Euro im dritten Lehrjahr. Holger Arnold hofft daher, dass noch mehr Unternehmen ausbilden, die das bisher aus Kostengründen nicht getan haben.

Die Chancen auf Weiterbeschäftigung nach der Ausbildung stehen nicht schlecht. Die Sportbranche sei im Aufwind und habe nicht erst seit der Fußballweltmeisterschaft 2006 mit der Wirtschaftskraft der Mineralölindustrie oder der Landwirtschaft gleichgezogen, so der DOSB. Nach Einschätzung von Experten nimmt die Professionalisierung in Vereinen und Verbänden zu, der Bedarf nach sportpraktisch qualifizierten Fachleuten auch. In Planung ist laut BIBB bereits eine bundeseinheitliche Fortbildung zum Fachwirt für den Sportbereich. (mit dpa)

www.bibb.de

www.dssv.de

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