Stiftung Familienunternehmen : "Pünktlichkeit ist nicht mehr das A und O"

Wenn es um die Übernahme des Unternehmens durch den Junior geht, müssen Junge und Alte miteinander auskommen. Brun-Hagen Hennerkes erklärt, wie es funktionieren kann.

Foto: Stiftung Familienunternehmen
Foto: Stiftung Familienunternehmen

Herr Hennerkes, warum ist die Nachfolge bei Familienunternehmen ein Tabuthema?

Es geht um Emotionen. Häufig können die Senioren nicht loslassen. Sie wollen beweisen, dass sie noch nicht zum alten Eisen gehören. Oder aber es gibt Probleme in der Familie. Kinder, die kein Interesse am Betrieb zeigen oder nicht die entsprechende Qualifikation mitbringen. All das führt zu einer großen Zurückhaltung von Informationen.

Wer über seine Unternehmensnachfolge redet, rückt sich also in den Blickpunkt der Öffentlichkeit?
Ja. Banken, die teure Maschinen finanzieren sollen, werden hellhörig, wenn der Eindruck entsteht, dass bei einer Firma noch nicht klar ist, wie und mit wem es künftig weitergeht. Ebenso Kunden, Lieferanten und Mitarbeiter. Nicht zuletzt die Konkurrenz, die Chancen wittert.

Was ist das Problem? Ticken Jung und Alt so unterschiedlich?
Im Grunde schon. Die Jüngeren sind heute besser ausgebildet, kreativer und risikobereiter. Sie vertreten andere Wertvorstellungen. Pünktlichkeit ist nicht mehr das A und O. Für den Senior schon. Zudem hat er sich häufig ein Leben lang nur mit seiner Firma beschäftigt. Eine Alternative für die Zeit danach fehlt.

Wie sieht eine Übergabe idealtypisch aus?
Die Nachfolgeregelung ist Teil der Unternehmensstrategie. Die Übergabe wird lange geplant, ein Nachfolger auf seine Aufgabe vorbereitet, ausgebildet und eingeführt. Falls dieser noch abspringt, greift ein Notfallplan – die Verantwortlichen wissen um ein gewisses Veränderungsrisiko.

Und weiter?
Der Neue darf nicht der teuerste Lehrling sein, den die Firma je ausgebildet hat, sondern er muss die entsprechenden Qualifikationen mitbringen. Die Machtübergabe auf den Junior muss dann konsequent erfolgen. Höchstens ein Jahr lang sollten beide gemeinsam arbeiten.
Wie läuft die Nachfolge bei kleinen rund?
Inhaber kleinerer Betriebe finden oft niemanden, der ihnen das Unternehmen abkauft. Aber gerade junge, unternehmerisch denkende Menschen, die sich Eigenkapital verschafft haben, brennen darauf, tätige Teilhaber zu werden. Sie zahlen den Kaufpreis dann nach und nach ab.

Und bei Großen?
Wenn es keinen Interessenten aus der Familie gibt, müssen die Unternehmer verkaufen oder sich für einen Externen entscheiden. Die Familie muss allerdings die Eigentümerkontrolle behalten.

Das Gespräch führte Diana Fröhlich (HB)

Brun-Hagen Hennerkes ist Vorstand der Stiftung Familienunternehmen. Er fordert eine konsequente Machtübergabe vom Senior auf den Junior.

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