Stipendien : ..., fertig, los!

Studenten, Schüler und Berufstätige können sich bewerben. Engagement zählt mehr als gute Noten. Wie die Förderprogramme die Karriere anschieben.

Anne Hansen

Fragt man Karen Matzke nach ihrer Abinote, ihrem Engagement außerhalb der Universität und danach, wie viele Fremdsprachen sie spricht, lacht die 27-Jährige. Sie studiert Politikwissenschaft und Interkulturelle Kommunikation an der Technischen Universität Chemnitz und ist Stipendiatin der Friedrich-Naumann Stiftung. „Immer dieses Schubladendenken“, sagt sie. Dabei passt die 27-Jährige genau ins Klischee. Sie hat ein Abi von 1,0, spricht sechs Sprachen und ist Chefredakteurin des Magazins eines europapolitischen Jugendverbandes.

„Das ist aber alles kein Muss“, sagt Michael Gold. Er ist Referent der Begabtenförderung der Naumann-Stiftung. „Bei uns zählen nicht nur Noten. Der Gesamteindruck aus Begabung, Persönlichkeit und gesellschaftlichem Engagement ist entscheidend. Auch eine drei vor dem Komma ist kein Ausschlusskriterium.“

Tatsächlich waren die Chancen vor allem für Studenten, aber auch für Schüler und Berufstätige auf ein Stipendium schon lange nicht mehr so gut wie heute. Doch viele, die dafür in Frage kommen, wissen kaum über die Möglichkeiten der Förderung, die anders als das Bafög nicht zurückgezahlt werden muss, bescheid.

Wer sich erst einmal auf die Suche begibt, stößt auf einen wahren Dschungel an Fördermöglichkeiten – und Stiftungen. Einige sind partei-, andere kirchennah, wieder andere werden von den Gewerkschaften oder der deutschen Wirtschaft getragen. Und auch die Höhe und Art der Förderung variiert: In Karen Matzkes Stipendium etwa sind Büchergeld und ein vom Einkommen der Eltern abhängiger Zuschuss für den Lebensunterhalt enthalten. Andere Stiftungen übernehmen Studiengebühren oder unterstützen Auslandsaufenthalte. Von den mehr als 15 000 Stiftungen in Deutschland vergeben 1750 Stipendien. Auch das Bundesbildungsministerium hat die Elitenförderung ganz oben auf der Agenda, seit drei Jahren werden die Gelder kontinuierlich erhöht. Aktuell werden 113,2 Millionen Euro dafür ausgegeben. Tendenz steigend. Damit will man den Anteil der Studenten, die ein Stipendium erhalten, deutlich erhöhen. Derzeit sind es nämlich nur 0,9 Prozent.

Dabei ermöglichen die Förderungen den Stipendiaten nicht nur finanziell einen abgefederten Start ins Berufsleben. Es sind vor allem die Kontakte und das Netzwerk, von denen sie profitieren. Und: Wer ein Stipendium im Lebenslauf vorweist, gilt automatisch als begabt.

„Wenn ein Bewerber ein Stipendium hat, hebt er sich sofort von der Masse ab“, sagt Anke Hoffmann, Geschäftsführerin bei der Personalberatung Kienbaum. „Es zeigt, dass er engagiert und leistungsbereit ist.“

Doch wie kommt man an die begehrten Karrierehilfen? Bei der Anzahl der Fördermöglichkeiten fällt die Auswahl schwer. „Die Suche nach einer passenden Stiftung kann daher viel Zeit in Anspruch nehmen“, sagt Katrin Kowar, Pressesprecherin beim Bundesverband Deutscher Stiftungen. Wer sich für ein Stipendium interessiert, sollte genau überlegen, welche Stiftung für ihn die richtige ist. Zwar setzen parteinahe Werke in der Regel keine Mitgliedschaft voraus, aber anders herum wird ein parteinahes Werk für einen politisch Engagierten Bewerber die beste Wahl sein.

„Das Profil der Stiftung muss zu den eigenen Interessen passen. So wird sich jemand, der ehrenamtlich bei der Caritas arbeitet, am besten bei einer kirchennahen Stiftung bewerben“, sagt Kowar. Es sei auch ratsam, sich nach regionalen Förderern umzusehen. Denn während die großen Stiftungen sich vor Bewerbungen kaum retten könnten, hätten kleine oft Probleme, Stipendiaten zu finden.

Viele Studenten erfahren eher zufällig von der Chance auf Förderung. „Sie kommen zu mir in die Beratung, um sich über mögliche Finanzquellen zu informieren“, berichtet Wolfgang Müller-Büssow, Leiter der Studienberatung der Technischen Universität Berlin. „Wenn ich ihnen dann von einem Stipendium erzähle, sind sie oft erstaunt. Das Wissen über Stiftungen und Stipendien ist bei vielen nicht vorhanden.“

Müller-Büssow kann sie dann zum Beispiel über das neue „Aufstiegsstipendium des Bildungsministeriums informieren, mit dem der Bund jungen Erwachsenen mit Berufsabschluss ein Hochschulstudium sponsert. Bewerber müssen dafür mindestens zwei Jahre Berufserfahrung sowie eine Durchschnittsnote von 1,9 vorweisen. Oder der Berater klärt sie über die Stipendien der elf vom Bund geförderten Werke auf. Studenten können sich dort um ein Grundstipendium von bis zu 585 Euro im Monat bewerben, das abhängig ist vom Einkommen der Eltern und den eigenen Einkünften. Dazu gibt es ein Büchergeld von 80 Euro im Monat. Doktoranden erhalten ein monatliches Stipendium von 1050 Euro.

Bei den meisten Förderwerken können sich Interessenten selbst bewerben. Beim größten Förderwerk, der Studienstiftung des deutschen Volkes, muss ein potenzieller Stipendiat noch von einem Lehrer oder Professor vorgeschlagen werden. Auch Kandidaten mit weniger guten Zeugnissen haben Chancen. „Wir wollen die besten und engagiertesten Abiturienten fördern. Das müssen aber nicht automatisch die Notenbesten sein“, sagt Pressesprecherin Cordula Avenarius. In Zukunft soll ein Stipendium aber nicht mehr davon abhängen, ob sich ein Lehrer dafür einsetzt. Ab 2009 können Interessenten an einem Begabungstest teilnehmen.

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