Studentenjobs : Dr. Heinzelmännchen

In welchen Bereichen es Stellen für Studenten gibt – und was Bewerber mitbringen müssen.

Tina-Marlu Kramhöller
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Doppelt gewonnen. Alexander Schwager verdient mit der Fallrecherche für eine Anwältin nicht nur Geld. Er sammelt auch...

Wenn in dieser Woche die Lehrveranstaltungen für das Wintersemester starten, heißt das für Alexander Schwager nicht nur, dass es mit dem Lernen weitergeht. Daneben muss er auch noch sein zwei Jobs auf die Reihe kriegen. Er studiert im neunten Semester Rechtswissenschaften an der Humboldt Universität (HU). Daneben recherchiert der 24-Jährige in der juristischen Bibliothek Fälle für eine Berliner Rechtsanwältin. In seinem zweiten Job hilft er privaten Auftraggebern dabei, Computerprobleme zu lösen. Zwar kriegt er auch Bafög. Ohne die Jobs würde er aber finanziell kaum über die Runden kommen.

Jobben im Studium ist eher die Regel als die Ausnahme. Nach einer repräsentativen Studie der Beraterfirma Unitativ in Darmstadt kann sich nur ein Drittel aller Studierenden in Deutschland ein Studium ohne Nebenjob leisten. Demnach arbeiten etwa sechs von zehn Studenten nicht nur in den Ferien, sondern auch während des Semesters. 77 Prozent sind es in den Ferien. Doch wie findet man eigentlich einen Job? Was leisten Jobbörsen? Worauf muss man achten, damit man das Finanzamt nicht verärgert?

Die wichtigste Fundgrube für Studentenjobs sind Unternehmenswebseiten und Internetforen, gefolgt von Empfehlungen durch Freunde und Kommilitonen sowie Online-Jobbörsen, hat die Studie festgestellt. Alexander Schwager kam über die studentische Arbeitsvermittlung „Heinzelmännchen“ des Studentenwerks Berlin an seine Aufträge.

Seit etwa 60 Jahren vermittelt das Studentenwerk Nebenjobs an Studierenden aller Berliner Hochschulen und Fachhochschulen. Allein in diesem Jahr wurden bereits etwa 12 000 Studenten mit Auftraggebern zusammengebracht. Das sind rund zehn Prozent der in Berlin eingeschriebenen Studenten. Im Idealfall kann die Agentur Jobs vermitteln, die zum Studiengang passen, wie bei Alexander Schwager. Bei rund 70 Prozent der Angebote handelt es sich um kurzfristige Jobs. „Am häufigsten werden Umzugshelfer gesucht“, sagt Bereichsleiter Tarik Kilinc. Auch Haushaltshilfen, Nachhilfelehrer oder Kinderbetreuer sind gefragt.

Was bei einem Job finanziell herausspringt, hängt vom Arbeitgeber und der Aufgabe ab. So verdienen Umzugshelfer pauschal 36 Euro am Tag. Bei anderen Jobs liegen die Stundenlöhne zwischen sieben und zehn Euro, im IT-Bereich gibt es bis zu 15 Euro. Stolze 250 bis 300 Euro am Tag kriegen Studenten, wenn sie in der Weihnachtszeit auf Märkten, in Kitas und auf Festen Engel oder Weihnachtsmann spielen. Doch der Job hat es in sich. Bis zu zehn Auftritte am Tag sind Pflicht. Bis Ende Oktober können sich Interessenten bewerben.

Die Chancen, einen gut bezahlten, interessanten Job zu finden, verbessern sich, wenn man eine abgeschlossener Ausbildung oder Fachkenntnisse vorweisen kann, die sich durch Arbeitszeugnisse belegen lassen. Oder wenn man das Grundstudium bereits abgeschlossen hat. Viele Firmen suchen vorübergehend Bürohilfen, Programmierer oder Web-Designer. Auch Rechtsanwaltsgehilfen, Arzthelfer, Kranken- oder Altenpfleger, Maler oder Maurer sind gesucht, so Kilinc.

Wer als „Heinzelmännchen“ arbeiten will, meldet sich mit Lohnsteuerkarte und Immatrikulationsbescheinigung an, erklärt Kundenbetreuer Daniel Cohn. Über die Website Studentenwerk-Berlin.de kann man dann auf die Datenbank zugreifen und Jobs suchen. „Die Webseite lässt sich auch mobil übers Handy abrufen“, weiß Alexander Schwager. Sie informiert etwa über die Aufgaben, Qualifikationen und den Stundenlohn. Hat man sich für einen Job entschieden, meldet man das über eine Hotline an. „Man sollte aber oft ins Netz schauen, weil sich die Aufträge stündlich ändern“, empfiehlt der Student. Drei Tage hat seine erste Vermittlung gedauert, dann erhielt er den Auftrag für die PC-Reparaturen.

Über eine Vermittlungseinrichtung wie das Studentenwerk Jobs zu suchen, ist effektiver, als in Zeitungen zu stöbern. Doch dafür muss man meist auch zahlen. Wer dafür kein Geld ausgeben will, kann in speziellen Jobbörsen suchen. Die Seiten bieten gemeinhin einen schnellen Überblick über aktuelle Angebote, die alle wichtigen Informationen enthalten. Bei Interesse kann man sich direkt mit dem Arbeitgeber in Verbindung setzen, sich schriftlich oder über Onlineformulare bewerben.

Es gibt auch Anbieter, bei denen man seine Bewerbungsunterlagen im Profil hinterlegen kann, wie bei Jobmensa.de. Für den Berliner Raum hat die Plattform aktuell fast 200 Jobs registriert, die von der Promotion über Bürotätigkeiten bis zu IT-Aufgaben reichen. „Unsere Headhunter rufen auch passende Bewerber unserer Datenbank an, um ihnen ein Angebot zu machen“, sagt Michael Derieth. Um die Abrechnung des Honorars und das Finanzamt müssen sich die Studenten aber selbst kümmern. Wer noch Tipps zu Geld, Jobs und Versicherungen braucht, sollte sich die Seite Test.de ansehen. Das Online-Special der Stiftung Warentest erklärt, worauf Studenten bei Nebenjobs achten müssen: Nur bis zu einem Verdienst von 400 Euro im Monat etwa ist man von Sozialabgaben befreit.

Nicht immer aber geht es nur ums Geld, wenn Studenten arbeiten gehen. Man kann dadurch auch Berufserfahrung sammeln. „Ich habe durch meinen Recherche-Job den direkten Praxisbezug“, sagt etwa Jurastudent Schwager. Wer zudem belegt, dass er auch Softskills wie Durchhaltevermögen und Teamfähigkeit trainiert hat, kann damit beim nächsten Vorstellungsgespräch punkten.

„Die Chancen, dass sich durch einen Nebenjob berufliche Möglichkeiten ergeben, sind gut“, meint Denis Buss von dem Berufsstarterportal Einstieg. „Gerade aus den kleinen Jobs ergeben sich oft Folgeaufträge“, weiß Alexander Schwager. Vielleicht wird daraus auch bei ihm nach dem Studium mal ein fester Job .

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