Karriere : Studieren für Fortgeschrittene

Der Master of Business Administration qualifiziert für Führungsaufgaben. Viele Programme wenden sich gezielt an Berufstätige

Maximilian von Demandowsky

Wer in den Beruf einsteigt, hat meistens noch nicht ausgelernt: Akademische Weiterbildungen werden in Unternehmen gerne gesehen. Besonders das Angebot an postgradualen Management-Studiengängen hat sich in den vergangenen Jahren erheblich erweitert. Der „Master of Business Administration“ (MBA), ein internationaler akademischer Abschluss in allgemeiner Unternehmensführung, ist zur akademischen Fortbildung beliebt. Das Aufbaustudium dauert mindestens zwei Semester und qualifiziert für Führungspositionen im Management. Immer mehr Programme setzen dabei auf die Kombination von Theorie und Praxis: Die MBA-Studenten lernen abends und am Wochenende – und arbeiten tagsüber im Unternehmen. Für manche Programme ist ein Arbeitsplatz Pflicht.

Alle MBA-Lehrgänge beinhalten Kurse in Betriebswirtschaftslehre, Finanz- und Rechnungswesen. Zudem werden Führungsqualitäten wie Kommunikation im Unternehmen, Teamarbeit und strategisches Denken trainiert. Marketing, Personal- und Projektmanagement stehen ebenfalls auf dem Programm. Die Inhalte der Ausbildung sind praxisbezogen, viele Dozenten kommen aus dem Berufsleben, arbeiten in großen Unternehmen. In Form von Fallstudien und unter hohem Zeitdruck studieren die Teilnehmer projektbezogen in kleinen Seminargruppen. Kosten und Programminhalte variieren stark.

In Berlin und Brandenburg können Studenten MBA-Abschlüsse an staatlichen Fachhochschulen sowie bei privaten Bildungsträgern erwerben. Die Fachhochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (FHTW) bietet berufsbegleitende Programme im Präsenz- und Fernstudium an. Die reguläre Studienzeit liegt zwischen drei und vier Semestern. Wer sich für das Aufbaustudium entscheidet, muss jedoch tief in die Geldbörse greifen: Die Studiengebühren liegen zwischen 8000 und 15 000 Euro. Ähnliche Kosten entstehen an der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin. Sie bietet ebenfalls drei berufsbegleitende, 24 Monate dauernde MBA-Programme an. Die Kurse finden am Wochenende und in einer dreiwöchigen Präsenzphase statt.

Neben großen Betrieben wie Siemens und Mercedes-Benz haben auch mittelständische Unternehmen ein Interesse an MBA-Absolventen. Dirk Schepers, Personalleiter von der Converteam GmbH, einem international tätigen Unternehmen für Anlagen- und Automatisierungstechnik, setzt bei seinen 650 Mitarbeitern auf solide betriebswirtschaftliche Kenntnisse. Aber auch internationale Erfahrungen der Bewerber seien für den Personaler ein Pluspunkt. Einsatzbereiche sieht er für die Generalisten mit Master-Abschluss im Vertrieb und in der Projektleitung.

In 21 Monaten zum MBA – das verspricht die European School of Management and Technology (ESMT) in Berlin-Mitte. Seit Oktober 2007 kann man hier neben dem Beruf den „Executive MBA“ erwerben. Die Stoffvermittlung erfolgt im Präsenzunterricht sowie über „E-Learning“. Das bedeutet: Seminare und Tutorien werden über das Internet abgehalten. Martha Ihlbrock, Sprecherin der ESMT, sieht die Vorteile der Ausbildung vor allem in der Internationalität: „Von den 30 Kursteilnehmern kommen 13 aus dem Ausland. Die Studenten lernen, Fallstudien in internationalen Teams zu bearbeiten“.

Das Elite-Programm hat allerdings seinen Preis: Stolze 57 500 Euro kostet es jeden Teilnehmer. Ob sich eine solche Investition lohnt, hänge allein von den beruflichen Zielen der MBA-Studenten ab, erklärt Tanja Prillwitz, hochschulpolitische Referentin der Industrie- und Handelskammer Berlin (IHK). „Ein kleines oder mittleres Unternehmen kann Bewerber mit Elite-Abschluss abschrecken“, so die Expertin. Die Personaler fürchten, den Top-Absolventen kein angemessenes Gehalt bieten zu können. Außerdem vermuten sie, die ehemaligen Elite-Studenten schnell an die Konkurrenz zu verlieren.

Wer dagegen mit dem MBA in der Tasche bei globalen Großkonzernen anheuern will, kann nach dem Studium an einer privaten Hochschule mit exzellentem Ruf und guter Vernetzung mit Unternehmerkreisen bevorteilt sein. IHK-Expertin Prillwitz rät jedoch, den Ruf einer Hochschule nicht zu überschätzen: „Letztlich zählt die Substanz – also das Handwerkszeug, das die Studenten erlernt haben.“ Der Stempel einer privaten Elite-Hochschule nützt wenig, wenn der Notendurchschnitt im Abschlusszeugnis schlecht ist.

Ob Privat-Uni oder staatliche Hochschule: Wer sich für einen MBA bewerben will, muss einen ersten Hochschulabschluss und mindestens zwei Jahre Berufserfahrung mitbringen. Von den Programmen können vor allem Ingenieure, Natur- und Geisteswissenschaftler sowie Juristen und Mediziner profitieren – also alle, die in Führungspositionen arbeiten wollen, in ihrem Studium aber keine betriebswirtschaftlichen Grundlagen erfahren haben. Doch auch Wirtschaftswissenschaftler bekommen in manchen MBA-Programmen die Möglichkeit, ihre Kenntnisse in zugeschnittenen Lehrgängen zu erweitern – beispielsweise in den Bereichen Hotel- und Bankmanagement sowie in der Finanzplanung im Gesundheitswesen. Auch Betriebswirte können nicht alles wissen.

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