Karriere : Studieren in kleinen Schritten

Einfache Tricks helfen bei langweiligen Vorlesungen

Aliki Nassoufis (dpa)
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Studentenmühle. Während im ersten Semester die euphorische Stimmung überwiegt, wird das Lernen danach schnell zur Gewohnheit....dpa-Zentralbild

Gute Vorsätze sind schnell gefasst, werden aber selten eingehalten. Das ist auch im Studium so. Denn selbst wenn Studienanfänger zum Semesterstart noch hoch motiviert sind, sinkt die Lust aufs Lernen im Seminaralltag auch mal in den Keller. Gedanken wie „Eigentlich müsste ich für die Klausur lernen“ und „Eigentlich sollte ich bei der Vorlesung aufpassen“ schleichen sich dann ein. Doch ein schlechtes Gewissen allein hilft nicht – mit einigen Tricks lässt sich der innere Schweinehund aber überlisten.

„Auch wenn einen vermeintlich langweilige Vorlesungen nerven und die wochenlange Paukerei erdrückt, sollte man nie das Ziel aus den Augen verlieren, das man mit dem Studium erreichen möchte“, sagt die Psychologin Brigitte Reysen-Kostudis von der Studienberatung der Freien Universität Berlin. Denn wer weiß, wofür die Büffelei einmal gut ist, sieht in ihr eher einen Sinn. Außerdem sei es nicht sehr hilfreich, immer nur zu denken „Ich habe keine Lust“, ergänzt die Trainerin Nicola Fritze aus Reutlingen. „Wer sich in seinen Gedanken nur bedauert oder beschimpft, kann sich kaum motivieren.“ Deswegen ist der erste Schritt im Kampf gegen den inneren Schweinehund, aktiv zu werden. „Studenten sollten aus der passiven Rolle herauskommen“, rät Reysen-Kostudis. Denn Vorlesungen sind besonders langweilig, wenn man sich nur berieseln lässt.

„Besser ist dagegen, sich zu kleinen Schritten zu motivieren“, sagt Gitte Härter, Autorin und Coach aus München. Eine Möglichkeit sei das „Rein-Raus-Schreiben“: Dabei wird ein Blatt Papier senkrecht in der Mitte geteilt. „Links kommen die Notizen zu dem hin, was gesagt wird, rechts werden die eigenen Ideen zum Thema notiert – so konzentriert man sich gezielter aufs Mithören.“ Eine andere Variante sei, sich ein Ziel zu setzen, beispielsweise: „Ich möchte in der Vorlesung drei bis fünf zentrale Aussagen erkennen“. „Das ist eine spielerische Herangehensweise, ein bisschen wie Ostereier suchen“, sagt Härter.

Gut ist auch, sich nach einer Vorlesung oder einem Seminar zehn Minuten Zeit zu nehmen und das Wichtigste zusammenzufassen. „Das muss wirklich nicht länger dauern und sollte nicht länger als eine Seite sein“, sagt FU-Beraterin Reysen-Kostudis. Der Effekt sei dennoch da.

„Auf diese Weise wird das Gehörte noch einmal rekapituliert und bleibt besser im Gedächtnis.“ Diese Methode hat noch einen anderen Vorteil: „Das Lernen für die Prüfung ist so schon übersichtlich geordnet und geht schneller voran.“ Denn das ist ein weiterer Schweinehund, der überwunden werden muss: das Lernen für Klausuren und Prüfungen. „Dabei gibt es zwei Extreme von Menschen“, erklärt Fritze, die Vorträge zum Thema Motivation hält. Die einen kriegen schon Wochen vorher Panik, wie sie alles schaffen sollen. Die anderen schieben das Lernen immer weiter auf, nach dem Motto: „Morgen ist auch noch ein Tag“.

Wer dabei ein schlechtes Gewissen hat, weil die Zeit immer mehr drängt, sollte etwas unternehmen. Für die Startmotivation hat die Expertin einen einfachen Tipp: „Am besten vereinbart man einen festen Termin mit sich und nimmt sich an diesem Termin vor, sich zum Beispiel eine halbe Stunde mit dem anstehenden Thema auseinanderzusetzen.“ Dabei könne man im Internet relevante Texte suchen, ein Buch durchblättern oder seine Notizen ordnen. „Die Hauptsache ist jedoch, dass nach der verabredeten Zeit auch wirklich Schluss ist.“ Dadurch kommt weniger das Gefühl auf, dass die vorgenommene Arbeit ausufert.

Auch ein Stundenplan kann helfen. „Darin werden alle festen Veranstaltungen, der Job und Lernphasen festgehalten“, erklärt Autorin Härter. Gut sei zudem, konkrete Lerninhalte festzulegen, zum Beispiel so: Fach A für zwei Stunden, am nächsten Tag Fach B für drei Stunden. Das müsse allerdings realistisch sein. „Wer weiß, dass der Kopf nach einem Seminar erst einmal voll ist, sollte sich dann nicht vornehmen, zu lernen – das bringt nichts.“ Aliki Nassoufis (dpa)

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