Karriere : Studieren nach Dienstschluss

Berlins erste Weiterbildungs-Uni verspricht gute Lernbedingungen – für alle, die es sich leisten können

Philipp Eins
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Platz zum Lernen. In einer 1912 erbauten Villa, in der zuletzt Ethnologen der Freien Universität arbeiteten, sitzt heute...

In der Pacelliallee 55 im Berliner Stadtteil Dahlem wird kräftig gebaut. Gärtner graben und bepflanzen die Vorgärten einer alt-ehrwürdigen Villa aus ziegelrotem Backstein. Die Dielenböden hinter dem Haupteingang riechen nach Bohnerwachs, die weißen Tapeten in dem mit Bürotischen und einem Flipchart ausgestatteten Saal im Erdgeschoss nach frischer Farbe. Bis zum 11. September muss alles fertig sein. Dann wird das Gelände eingeweiht, als Campus der neu gegründeten Deutschen Universität für Weiterbildung (DUW).

Gearbeitet wurde in den vergangenen Monaten jedoch nicht nur auf dem Gelände, sondern auch am Programm. Das soll für die akademische Weiterbildung richtungweisend sein – und womöglich ein Modell für weitere Hochschulgründungen dieser Art. Denn als öffentlich-private Partnerschaft zwischen der Freien Universität und der privaten Klett-Gruppe geht die DUW neue Wege.

Wer kann an der DUW studieren?

Die DUW bietet berufsbegleitende Master- und Zertifikatsprogramme in den Bereichen Wirtschaft und Management, Bildung, Gesundheit und Kommunikation an. Für das Masterstudium müssen Interessenten ein Erststudium absolviert haben, brauchen also einen Bachelor- oder Diplomabschluss. „Außerdem sollten die Bewerber ein bis fünf Jahre Berufserfahrung vorweisen können“, erklärt DUW-Präsidentin Ada Pellert.

Im Oktober startet die Weiterbildungs-Uni zunächst mit zwei 24-monatigen Studiengängen. Im Fach „Compliance“ werden Spezialisten ausgebildet, die sich mit Regeln und Gesetzen in Unternehmen auskennen. Sie sollen zum Beispiel verhindern, dass im Betrieb gegen Datenschutzgesetze verstoßen wird. Ein weiterer Studiengang schult Personaldienstleister in Bildungs- und Kompetenzmanagement.

Im Januar 2010 soll dann ein Studiengang für Pharmazeuten, Biologen, Chemiker und Mediziner folgen, der sie in Entwicklungsprozessen von Arzneimitteln fortbildet. Ein Master in Unternehmenskommunikation ist ab Mitte 2010 geplant.

Gibt es auch Angebote neben dem Master?

Wer kein vollständiges Studium absolvieren will, kann die zwei- bis viermonatigen Kurse der Master-Lehrgänge separat belegen und mit einem Zertifikat abschließen. Absolventen ohne Berufserfahrung können so Management-Fähigkeiten erwerben, erfahrene Praktiker ohne Studienabschluss ihr Spezialwissen in den einzelnen Fachbereichen erweitern.

Leistungspunkte, auch ECTS-Punkte genannt, werden auch in den Zertifikaten ausgewiesen. „Die können sich Absolventen der Kurz-Lehrgänge bei einem späteren Studium anrechnen lassen“, so Pellert. Allerdings gibt es derzeit keine Garantie, dass übertragene Leistungspunkte von fremden Hochschulen anerkannt werden.

Wie sind die Lehrgänge aufgebaut?

Gelernt wird an der Weiterbildungs-Uni hauptsächlich im Fernstudium. Neben klassischen Studienbriefen werden auch Internetforen angeboten, in denen sich die Teilnehmer austauschen können. „Zeit ist die kritischste Ressource von Berufstätigen“, so Pellert. „Deshalb versuchen wir, die Präsenzphasen so gering wie möglich zu halten.“ Pro Quartal kommen die Studierenden für zwei Tage in Seminaren zusammen. Nach einem Jahr folgt eine Praxiswoche.

Jedes Modul wird mit einer Hausarbeit oder einer Klausur abgeschlossen. Wenn möglich sollen die Teilnehmer Erfahrungen aus der Arbeitswelt in das Studium einbringen.

Was macht die DUW besonders?

Während das Masterstudium an einer normalen Uni auf die Wissenschaft ausgerichtet ist, möchte die DUW ihre Studierenden mit berufsbegleitenden Programmen vor allem für die Karriere fit machen. „Wir haben uns den Arbeitsmarkt angeschaut und danach unsere Masterstudiengänge konzipiert“, erklärt Pellert. Auch auf die Vernetzung zwischen Hochschule und Wirtschaft legt die DUW großen Wert. Während der Praxiswoche durchlaufen die Studierenden Fachabteilungen in Unternehmen, die für Beruf und Studium relevant sind.

„Für solche Programme haben staatliche Hochschulen wenig Kapazitäten – sowohl personell als auch finanziell“, erklärt Dieter Dohmen, Direktor des Forschungsinstituts für Bildungs- und Sozialökonomie (FiBS) in Berlin, der selbst als Dozent an der DUW unterrichtet. Mit der Weiterbildungs-Uni besetze die Freie Universität ein neues Marktsegment. Durch die Beteiligung der Klett-Gruppe sei man flexibler bei Investitionen und der Auswahl von Lehrpersonal.

Was kostet das Studium?

Die Gebühren sind an der teilprivatisierten Uni allerdings deutlich höher als bei vergleichbaren Angeboten von staatlichen Hochschulen. 625 Euro kostet ein berufsbegleitendes Masterstudium an der DUW pro Monat, was einem Studienentgelt von insgesamt 15 000 Euro entspricht.

Die Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin bietet dagegen ein zweijähriges Fernstudium in General Management mit dem Abschluss „Master of Business Administration“ an, das mit 8000 Euro knapp die Hälfte kostet. Das zweijährige Abendstudium in Nachhaltigkeits- und Qualitätsmanagement an der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin führt ebenfalls zum Master und ist mit Gebühren von 3800 Euro auch deutlich günstiger.

Wer als Berufseinsteiger ein Studium an der DUW beginnen möchte, aber nicht genügend Geld hat, kann einen Bildungskredit bei der staatseigenen KfW-Bank aufnehmen oder seinen Chef um Unterstützung bitten. Doch Vorsicht: Wer sich ein komplettes Studium von seinem Arbeitgeber finanzieren lässt, muss sich als Gegenleistung oft jahrelang an das Unternehmen binden.

Welche Chancen hat das Modell?

Wenn die Angebote attraktiv genug sind, dürfte das Modell DUW in ein paar Jahren Schule machen, meint FiBS-Direktor Dieter Dohmen. Nur die Wirtschaftskrise könnte dem Konzept einen Strich durch die Rechnung machen: Weiterbildungsbudgets in Unternehmen würden derzeit zunehmend eingedampft, was zu geringerer finanzieller Unterstützung der Bewerber seitens des Chefs führen könnte. „Allerdings ist der Bedarf an hochqualifizierten Fachkräften groß.“

Kritik kommt von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Sie findet, dass Masterstudiengänge an staatlichen Hochschulen besser aufgehoben sind. „Nur so kann die Unabhängigkeit von Forschung und Lehre gewährleistet sein“, sagt Andreas Keller, Mitglied im Vorstandsbereich Hochschule und Forschung. „Wenn private Akteure mit im Boot sitzen, könnten Dozenten und Wissenschaftler unter Druck geraten, deren Produkte vermarkten zu müssen.“

Im Fall der DUW sei das allerdings ausgeschlossen, teilt die Freie Universität auf Anfrage mit. Die freie Auswahl der Lehrmittel sei vertraglich zwischen der Klett-Gruppe und der Freien Universität vereinbart.

Anmeldungen für das Studium werden bis Ende September angenommen. Informationen unter www.duw-berlin.de.

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