Karriere : Studieren und arbeiten – Duale Modelle sind im Kommen

Deike Uhtenwoldt (dpa)

An den vergangenen Sommer denkt Johannes Kreuzer ungern zurück: Die vorlesungsfreie Zeit bestand für den angehenden Mechatroniker an der Technischen Universität Hamburg-Harburg (TUHH) aus Pauken, Prüfungen und Praxiswochen. Von dem Jahresurlaub, den sein Ausbildungsvertrag mit dem Hamburger Medizintechnikbetrieb Weinmann regelt, blieb dem 21-Jährigen nur eine lernfreie Woche – „das war schon hart“.

Kreuzer ist einer von 60 Studenten, die am Programm „Infotronik“ oder „Mechatronik“ an der TUHH teilnehmen. Offiziell handelt es sich um eine „duale Studienförderung“, praktisch ist es ein von Unternehmen der norddeutschen Metall- und Elektroindustrie finanziertes und vom Arbeitgeberverband Nordmetall koordiniertes duales Studium. Die Teilnehmer sind Auszubildende der Betriebe, auch wenn sie nur bis zu sechs Wochen im Winter und knapp zehn im Sommer dort präsent sind.

Diese Kombination wird als duales Studium bezeichnet: Zum Studium kommen betriebliche Praxisphasen hinzu. Oder Studenten machen nebenher eine komplette Berufsausbildung und erhalten am Ende einen Doppelabschluss. Im Unterschied zu klassischen Studiengängen steht der Praxisbezug verstärkt im Vordergrund. Solche Kombi-Modelle boomen dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn zufolge: Es verzeichnet schon mehr als 730 duale Studiengänge – jährlich kommen neue hinzu. „Das duale Studium liegt im Trend, unser Datenbestand ist im Vergleich zum Vorjahr um 5 Prozent gewachsen“, erläutert BIBB-Mitarbeiterin Andrea Stertz.

Gerade Studienmodelle mit Praxisphasen im Unternehmen sind mit 300 Eintragungen in der BIBB-Datenbank auf dem Vormarsch. Auch ohne die TUHH, die sich noch eher schwertut mit dem Begriff. „Duale Studiengänge werden eher Fachhochschulen, nicht Technischen Universitäten zugeordnet“, erklärt Juniorprofessor Sven-Ole Voigt. Er sieht das Kombiangebot an seiner Uni eher im Zeichen einer Öffnung der klassischen Hochschulausbildung.

Die Vergütung liegt in den Fakultäten Wirtschaft und Technik zwischen 750 und 1000 Euro monatlich, abhängig von der Firma und der Semesterzahl, erklärt Andrea Mitschelen von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Stuttgart. Eine Verpflichtung, später im Partnerbetrieb anzufangen, gibt es in Stuttgart nicht – auch wenn die Übernahmequoten sehr hoch seien. Anders dagegen an der TUHH, dort verpflichten sich die Stipendiaten, nach dem Abschluss zwei Jahre im Unternehmen zu arbeiten.

Angehende Studenten sollten vorab prüfen, welche Verpflichtungen mit einem dualen Studiengang einhergehen, rät die Juristin Nicola Pridik aus Berlin. Zu den Vorteilen rechnet sie die Studienfinanzierung und Praxisnähe. Nachteil: „Ein duales Studium schränkt den beruflichen Spielraum ein, das müssen sich die Bewerber bewusst machen.“ Johannes Kreuzer hat seine Krise aus dem ersten Studienjahr überwunden. „Man muss nicht schlauer sein als andere, um dual zu studieren. Aber schlau genug, um sich gut zu organisieren.“ Deike Uhtenwoldt (dpa)

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