Karriere : Technik gegen die Krise

IT-Systeme verwalten, Videos drehen und Webseiten aufpeppen: In der digitalen Wirtschaft gibt es Chancen, weiterzukommen

Tina-Marlu Kramhöller

Die Wirtschaftskrise hinterlässt auch in der Hauptstadt Spuren – doch der Computer- und Internetbranche kann das nicht viel anhaben, meint Dierk Ladendorff vom Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW). Auch jetzt seien Mitarbeiter in diesem Bereich gesucht. „Wer allerdings nicht genau auf die ausgeschriebene Stelle passt, hat es schwer“, sagt Peer-Martin Runge, Geschäftsführer des Berliner IT-Verbands SIBB, der an der Ausrichtung der Fachmesse „IT Profits“ am 24. und 25. Juni auf dem Berliner Messegelände beteiligt ist.

Wer einen krisenfesten Arbeitsplatz in der Branche sucht, sollte daher über eine Weiterbildung nachdenken – und genau beobachten, wer in Stellenausschreibungen derzeit gesucht wird. Und wer sich einmal festgelegt hat, etwa in einem kreativen Bereich wie Game-Design tätig ist, sollte auch nicht das Feld wechseln und in den IT-Bereich gehen.

GUTE AUSSICHTEN FÜR TECHNIKER

Dort haben die Mitarbeiter jedoch die besten Chancen – die Gehälter von IT-Fachkräften haben sich in der Wirtschaftskrise sogar verbessert (siehe Kasten). Am besten verdienen IT-Sicherheitsmanager, die sich zum Beispiel an der Tüv-Nord Akademie fortbilden können (www.tuevnordakademie.de). „Bei den Software-Programmierern dagegen geht es unserer Erfahrung nach sehr stark in Richtung Java-Entwicklung“, sagt Marlis Attig von GFN, einem privaten IT-Weiterbildungsträger, der in Berlin Seminare anbietet. Wer diese Programmiersprache beherrscht, ist derzeit besonders gefragt, da sie größtenteils die Basis aller webbasierten Programme ist. Bei GFN dauern Kurse in diesem Fach sechs bis neun Monate. Es gibt aber auch spezielle Angebote für Mitarbeiter in Unternehmen, die in Kurzarbeit sind oder mit dem Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit gefördert werden.

Unternehmen mit größeren Computer-Netzwerken suchen Attig zufolge auch Personal im Bereich Systemadministration. Diese Fachleute kümmern sich um die Verwaltung von Benutzerkonten, Druckern und Passwörtern – und müssen vor allem in der Bedienung des Betriebssystems Windows fit sein. „Sie sind geradezu gezwungen, sich auf dem aktuellsten Stand zu halten.“ Auch für sie biete GFN spezialisierte Kurse an.

KREATIVE MITARBEITER GESUCHT

Zum Bereich „Kreation“ zählen beispielsweise Game-Designer, die neue Computerspiele entwickeln, Web-Designer, die Internetseiten gestalten, oder Videojournalisten, die als Journalist, Kameramann und Cutter zugleich arbeiten. Sogenannte „VJs“ werden für Redaktionen, Unternehmen und Agenturen immer interessanter, denn Web-TV liegt im Trend. Ein einziger VJ kann ein Thema von der Idee bis zum fertigen Film alleine umsetzen, und das spart Unternehmern Personalkosten.

Um in diesen Bereich einzusteigen, können sich Absolventen von Hoch- und Fachschulen aus den Bereichen Journalismus, Geisteswissenschaften und Fotografie an der Cimdata Medienakademie Berlin in ein bis zwölf Monaten zum Videojournalisten fortbilden. Bei fehlendem Berufsabschluss wird eine mehrjährige adäquate Berufstätigkeit ebenfalls anerkannt. Wer an dem Programm teilnimmt, kann – je nach Vorbildung und Schwerpunkt – zwischen Modulen über Filmgestaltung, journalistische Recherche, Schnitt oder auch Betriebswirtschaft für Existenzgründer in der Medienbranche wählen. Eine Förderung durch die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter ist möglich (www.cimdata.de).

Eine Fortbildung zum Videojournalisten und TV-Producer gibt es auch an der Dekra Medienakademie oder dem L4 Institut für digitale Kommunikation – allerdings handelt es sich dabei um intensive und kostspielige Studiengänge, die zu einem Bachelor-Abschluss führen können. Wer bereits ein Studium oder eine gleichwertige Ausbildung hinter sich hat, kann vom 31. August bis 4. September preisgünstig an einer Einführung in den TV- und Videojournalismus beim Hamburger Ausbildungssender Tide teilnehmen. Das Programm kostet 480 Euro inklusive Unterkunft und wird von der Journalistenakademie der Friedrich-Ebert-Stiftung getragen (www.fes.de).

FACHWIRTE FÜR ONLINE-MARKETING

Nach Meinung des BVDW sind zudem gut ausgebildete Experten fürs Online-Marketing auf dem Arbeitsmarkt gefragt. Deshalb bietet der Verband zusammen mit der Dialog Akademie DDA einen berufsbegleitenden Lehrgang zum „Fachwirt Online-Marketing BVDW“ an, der im September in Berlin startet (www.dda-online.de).

In acht Monaten stehen für die Teilnehmer Themen wie Marketing-Strategien, Website-Projekte und Kampagnenmanagement auf dem Stundenplan. Vermittelt wird außerdem die Suchmaschinenoptimierung von Homepages – denn immer mehr Firmen suchen Fachleute, die ihr Internetangebot in den Suchmaschinen auf die vordersten Ergebnisplätze bringen. Das ist bares Geld wert: Wer vom Internetnutzer schnell im Netz gefunden wird, hat größere Chancen, neue Kunden anzulocken.

Teilnehmen dürfen Absolventen der Studienrichtungen Wirtschaftswissenschaften, Marketing oder Kommunikation oder verwandter Disziplinen. Auch wer Abitur hat und im Bereich Marketing und Kommunikation tätig ist, kann mitmachen. Bis zum 14. August können sich Interessierte über die www.bvdw.org für ein Stipendium bewerben.

DER WEG ZUM RICHTIGEN KURS

Den richtigen Anbieter für IT-Weiterbildung zu finden, ist nicht einfach – denn das Angebot ist riesig. Weiterbildungsexperte Dierk Ladendorff vom BVDW rät Interessenten, sich zunächst bei den verschiedenen Jobbörsen wie www.horizontjobs.de oder www.monster.de über gesuchte Berufsbilder zu informieren. Die Seite www.it-weiterbildung.info gibt Auskunft über das deutsche IT-Weiterbildungssystem, welche Qualifikationen gefordert und welche in Kursen vermittelt werden. Eine weitere Anlaufstelle ist das Projekt „Service Digitale Arbeit“ (www.it-medien-hamburg.de). Die Plattform ist zwar auf die Region Hamburg spezialisiert – auf dem Portal lassen sich aber auch Berliner Kurse und Fernlehrgänge finden.

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