Tipp : Keine Angst vor großen Reden

Nicht jeder ist ein begnadeter Redner. Und sich zu präsentieren, ist für viele eine Horrorvorstellung. Wie man sich auf einen Vortrag vorbereitet.

Andreas Heimann (dpa)

Thomas Schlayer kennt das: Auftritte vor anderen waren ihm früher eine Qual. „Fünf Tage vorher hatte ich schon ein flaues Gefühl im Magen“, gesteht der Führungskräfte-Trainer aus dem bayrischen Inning. Aber das ist heute anders. Schlayer hat seine Ängste überwunden.

„Souveräne Kommunikation beginnt im Kopf“, sagt er. „Da stehen sich die meisten Menschen selbst im Weg.“ Diese emotionale Blockade zu überwinden, sei deshalb ein wichtiger Schritt, um rhetorisch überzeugend zu wirken. Das sei nicht nur eine Frage von Talent, sondern von Selbstbewusstsein und Übung.

Egal ob Vortrag, Bewerbungsgespräch oder Geschäftsverhandlung – positiv an die Sache heranzugehen sei eine wichtige Voraussetzung dafür, erfolgreich zu sein. Ob es gelingt, Inhalte glaubhaft und interessant zu präsentieren, hängt von vielen Faktoren ab. Ein wichtiger ist die Körpersprache, sagt Caroline Krüll, Coach aus Berlin: „Der Körper spricht Bände.“ Verschränkte Arme signalisieren keine Offenheit, hängende Schultern nicht gerade Selbstbewusstsein.

Aber natürlich spielt auch das, was gesagt wird, eine entscheidende Rolle. Nichts nervt Thilo Baum mehr als Gelaber: Gute Vorträge sind für ihn solche, die von allem „Sprachmüll“ entschlackt wurden. Noch wichtiger als grammatikalisch in allen Details korrekt zu sein, ist nach seiner Überzeugung, dass der Text nicht unnötig aufgebläht wird.

An dem Bewusstsein dafür fehlt es Rednern seiner Beobachtung nach oft: „Zu Hause reden die ganz normal“, sagt Baum. Aber wenn sie dann vor Publikum referieren sollen, wird es „verschwurbelt“. „Das ist ein typischer Denkfehler: Viele meinen, durch offiziöse Sprache zu beeindrucken. Aber die Zuhörer wollen viel lieber Klartext.“ Caroline Krüll warnt außerdem vor „Weichmachern“, die alles gleich wieder abschwächen und zurücknehmen. „Also nicht sagen: Vielleicht dürfte ich mal kurz...“, warnt sie. Solche übervorsichtigen Formulierungen machen den kleiner, der sie benutzt.

Baum empfiehlt, vor dem Verfassen eines Referats oder Vortrags die Informationen streng zu sichten. Dabei gilt: „Alles Verzichtbare weglassen, keine Nebenstränge verfolgen, einen roten Faden finden.“ Wichtig sei aber auch, sich bewusst zu machen, wer im Publikum sitzt.

Der Eindruck, dass dies tatsächlich so ist, lässt sich noch verstärken, wenn die Zuhörer direkt angesprochen werden. Die Krawattenfarbe des Redners oder eine lustige Pointe am Schluss sind nach Thilo Baums Überzeugung dagegen Nebensachen: „Wenn ich etwas mit Substanz zu sagen habe, ist es nicht so wichtig, ob ich perfekt rasiert bin.“ Andreas Heimann (dpa)

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