Karriere : Tipps vom Karriereprofi

Woran man einen guten Trainer erkennt – und wie er dabei hilft, im Berufsleben das Richtige zu tun

Sandra Schipp

Als Christina Müller* zum Karriereberater ging, hatte sie gerade ihre ersten Schritte ins Arbeitsleben getan: Nach der Universität hatte sie zwei halbe Stellen angenommen. Wirklich zufrieden mit ihrer beruflichen Situation war sie aber nicht, die ersten Konflikte mit einem Vorgesetzten taten sich auf. Willkommen im Alltag? Müller wollte sich damit nicht abfinden. Auf Empfehlung von Freunden suchte sie sich einen Coach. Nach nur fünf Sitzungen sah die Welt tatsächlich anders aus: Ganz bewusst entschied sie sich für eine Vollzeitstelle, die ihr angeboten wurde. Das Coaching habe ihr die Entscheidung sehr erleichtert, sagt Müller. Und nicht nur das: Dadurch hat sie auch herausgefunden, welche Arbeit ihren Fähigkeiten und Werten besser entspricht.

Genau darum geht es häufig beim Coaching: Die Beratungen helfen dabei, sich der eigenen Schlüsselkompetenzen bewusst zu werden. Denn: Wer seine Stärken und Neigungen kennt, ist erfolgreicher. Wer weiß, wie er seine Erfolge produziert hat, kann sie wiederholen, sagt Angelika Leder, Senior Coach beim Deutschen Bundesverband Coaching (DBVC). Will man im Beruf weiterkommen, muss man wissen, wo man steht, wohin es gehen soll und was man dafür tun muss.

Doch die Berater werden nicht nur aufgesucht, um Karrieren nach vorne zu treiben. Zu der Berliner Trainerin Manuela Rösel kommen oft Menschen, die sich in ihrer derzeitigen Position nicht wohlfühlen – sei es als Chef, der mit seinem Team nicht klarkommt, oder als Angestellter, der Probleme mit Kollegen hat. Auch dabei helfen Trainer. Die Nachfrage ist groß. 3000 Karriereberater gibt es nach Schätzungen von Experten inzwischen in Deutschland. Das Berliner Forum für Berufsbildung hat mit dem Büro für Berufsstrategie allein seit vergangenem Jahr 80 Menschen zu Coaches geschult. Die Branche wächst – und bringt Bewerbungstrainer, Karrierecoaches und Outplacement-Berater hervor. Die Bezeichnungen sind vielfältig, das Angebot sehr ähnlich. Der Beruf ist nicht geschützt, es gibt keine spezielle Ausbildung.

Viele Faktoren machen Coaching laut Angelika Leder nötiger denn je: Karrierewege sind komplexer geworden, Menschen wechseln häufiger als früher ihren Arbeitsplatz. Der Druck auf die Mitarbeiter wächst: Firmen kürzen beim Personal, dass immer mehr leisten muss. Viele Menschen verfehlten die Ziele ihres Lebens, weil sie Vorstellungen nachjagten, die durch den „Zeitgeist“ als erstrebenswert dargestellt werden, sagt Björn Migge, Vorstand des Verbandes Qualitätsring Coaching. „Dabei brechen viele Karrieren zusammen – und die Menschen auch.“ Wenn das Coaching gut läuft, lernen die Klienten nach und nach, falsche Glaubenssätze abzulegen und ihren Fähigkeiten und Stärken zu vertrauen.

Coaching ist so individuell wie die Menschen, die zum Coach kommen. Hildegard Schicke, Karrieretrainerin bei der Frauenberatung Kobra Berlin, klärt zunächst das Anliegen ihrer Klienten. Dann sucht sie mit ihnen nach Lösungsstrategien. Dabei geht es um ganz konkrete Fragen: Sollte man sich auf die angebotene Stelle bewerben? Können Messen oder Workshops weiterbringen? Wichtig sei es, einen Schritt in die Welt des Jobs zu tun, für den man sich interessiert, betont Schicke. Wer nur abwarte, könne auch keine Karriere machen.

Die Hauptarbeit beginnt danach, sagt Manuela Rösel. Gemeinsam mit dem Klienten aktiviert die Karriereberaterin dessen Ressourcen, sucht mit ihm nach einer neuen Position, nach einer neuen Stelle – oder auch nur nach einer neuen Einstellung, zum Beispiel gegenüber dem Chef. Die Lösungen entwickelt der Ratsuchende selbst. Der Trainer steht am Spielfeldrand. Denn: Coaching ist keine Psychotherapie, sagt Angelika Leder vom Bundesverband Coaching. Es geht um Fragen im beruflichen Kontext und nicht darum, psychische Erkrankungen zu behandeln. Die Grenzen zum Bewerbungstraining sind hingegen fließend: So genannte Outplacement-Berater etwa helfen auch mal beim Schreiben des Lebenslaufes und üben Bewerbungsgespräche. Kein Coach aber besorgt seinem Klienten eine neue Stelle.

Da sich jeder Coach oder Trainer nennen kann, tummeln sich auf dem Markt auch Scharlatane. Wer sein Geld nicht aus dem Fenster werfen will, sollte laut Angelika Leder auf die Qualifikationen eines Trainers achten: Welche Ausbildung hat er absolviert, welche Referenzen kann er vorweisen, wie viel Erfahrung bringt er mit. Ein guter Coach bietet ein unentgeltliches Kennenlern-Gespräch an und lässt dem Klienten Zeit, sich weiter umzuschauen. Coaches sollten umfangreiche psychologische Methodenkenntnisse, Erfahrung in der Wirtschaft oder in psychosozialen Berufen, Führungserfahrung und möglichst ein Hochschulstudium vorweisen können, sagt Björn Migge. Dazu sollte eine große Begabung kommen. Was dann die „offizielle Coachingausbildung“ liefert, ist nur das I-Tüpfelchen.

Berufsverbände helfen dabei, einen seriösen Coach zu finden. Der Bundesverband Coaching etwa hat sehr strenge Aufnahmekriterien für seine Mitglieder. Da es aber auch eine Reihe guter Coaches gibt, die nicht in Verbänden organisiert sind, sollte man sich laut Migge auch Empfehlungen von Freunden oder Bekannten geben lassen. Dabei sollte man nicht vergessen, nach den Preisen zu fragen. Denn die variieren erheblich.

Während Konzerne gerade ihren Führungskräften immer häufiger einen Coach spendieren, muss, wer selbst zahlt, meist recht tief in die Tasche greifen. Nach Angaben von Björn Migge vom Qualitätsring Coaching kostet die Beratungsstunde für Privatklienten 25 bis 200 Euro. Die Honorare lassen sich eventuell steuerlich absetzen. In einigen Fällen gibt die Arbeitsagentur etwas dazu. Kommunale Angebote sind oft sogar kostenlos (siehe Kasten).

Für Christina Müller jedenfalls war das Coaching jeden Cent wert. Sie hat eine Stelle gefunden, die gut zu ihren Talenten passt. Die Beratung habe ihre Entwicklung beruflich – und auch persönlich beschleunigt. Ohne das Coaching wäre sie wahrscheinlich nicht so weit gekommen, sagt sie. *Name geändert

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