Karriere : Überwintern

Wer auf einem Bauernhof arbeitet, kann die kalte Jahreszeit mit einer Fortbildung überbrücken – das Angebot ist groß

Tina-Marlu Kramhöller
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Viel Dampf, wenig Personal. In Ostdeutschland fehlen gute Fach- und Führungskräfte in der Landwirtschaft, meint der...dpa-Zentralbild

Wenn die Ernte eingefahren ist und die Tage kürzer und kälter werden, haben Landwirte und Gärtner Zeit – zum Beispiel für eine Weiterbildung. Deshalb gibt es in den nächsten Wochen mehr Seminarangebote als sonst im Jahr. Ob Landwirtschaft, Pferdewirtschaft oder Gartenbau: Fachkräfte und Quereinsteiger haben einige Kurse zur Auswahl.

So hat sich kurz nach der Wende ein Netzwerk gegründet, zu dem auch sieben Regionalstellen für Bildung im Agrarbereich in Brandenburg gehören. Diese bieten nebenberufliche Aus- und Weiterbildung an. Der Kursplan wird halbjährlich festgelegt, somit werden „alle sechs Monate neue Maßnahmen angeboten, die Neuheiten oder aktuelle Erkenntnisse vermitteln“, sagt Jürgen Fechner vom Landesamt für Verbraucherschutz, Landwirtschaft und Flurneuordnung (LVLF).

Für den Landkreis Potsdam-Mittelmark ist die Heimvolkshochschule am Seddiner See zuständig. Sie bietet kürzere Seminare an, etwa Vorbereitungskurse für die Jägerprüfung oder den Fischereischein. Andere Kurse vermitteln Know-how für die Angebotsentwicklung und Vermarktung im ländlichen Tourismus, bereiten auf die elektronische Antragstellung der betrieblichen Agrarförderung vor oder informieren über EU-Richtlinien zu Themen wie Pflanzenschutz oder Tierhaltung, die an die Gewährung von Prämienzahlungen geknüpft sind.

FÜR PROFIS UND QUEREINSTEIGER

Viele Angebote sind auch für Quereinsteiger geeignet, „etwa für jemanden, der einen Bauernhof gekauft oder übernommen hat und jetzt Fachkenntnisse oder Nachweise braucht“, sagt Jürgen Fechner vom LVLF. Das kann jeder sein, egal ob studierter Architekt oder gelernte Friseurin. Auch hier sind die Angebote vielfältig: Von der „Klauenpflege bei Rindern“ über den „Umgang mit einer Motorsäge“ bis hin zur „Waldbewirtschaftung“ und dem „Schlachten und Zerteilen von Schafen“ wird hier jedem alles beigebracht.

Wer bereits einige Jahre in einem Landwirtschaftsbetrieb, auf einem Pferdehof oder im Gartenbau gearbeitet oder eine Erstausbildung in dem jeweiligen Fachbereich absolviert hat, kann sich darüber hinaus weiterbilden. Die Regionalstellen bieten Kurse an, die innerhalb von etwa zwei Jahren auf die Meisterprüfung in den Bereichen Landwirtschaft, Hauswirtschaft, Pferdewirtschaft oder Gartenbau vorbereiten. Der nächste Kurs für angehende Landwirtschaftsmeister startet in der Landwirtschaftsschule des Landkreises Teltow-Fläming im Oktober 2010. Noch in diesem Jahr starten können kurzentschlossene Gärtner. Der berufsbegleitende Vorbereitungslehrgang auf die Gartenbaumeisterprüfung beginnt am 27. November, findet alle 14 Tage freitags und samstags statt und kostet im Fachbereich Garten- und Landschaftsbau rund 3000 Euro. Die Fachrichtung Zierpflanzenbau ist mit 2000 Euro günstiger.

WISSENSCHAFTLICHE FORTBILDUNG

Absolventen eines Erststudiums im Agrarbereich können tiefer in die wissenschaftliche Materie einsteigen, indem sie den viersemestrigen Weiterbildungsstudiengang „International Master in Horticultural Science“ an der Humboldt-Universität zu Berlin belegen. Ausgebildet werden sollen Führungskräfte für den Wirtschaftszweig Gartenbau. Die Besonderheit: Das Studienprogramm wird von international anerkannten Universitäten im Rahmen eines Lehr- und Forschungsnetzwerkes angeboten. Dazu gehören die HU Berlin, die TU München, die Universität von Bologna, die Corvinus-Universität Budapest sowie die Universität für Bodenkultur Wien.

Die Vorlesungen finden größtenteils auf Englisch, teilweise auch auf Deutsch und Italienisch statt. Im zweiten und dritten Semester findet das Studium an einer oder mehreren Partnerhochschulen statt. Die HU erhebt keine Studiengebühren, die Einschreibegebühren inklusive Semesterticket liegen bei rund 250 Euro pro Semester. Die Einschreibung ist nur zum Wintersemester möglich. Jobchancen für Absolventen bestehen in Garten-, Obst- und Weinbaubetrieben, aber auch in der Lebensmittelindustrie.

Für Absolventen landwirtschaftlicher oder gartenbaulicher Studiengänge, die bereits in einem Betrieb tätig oder noch auf Jobsuche sind, gibt es im Raum Berlin außerdem einen Intensivkurs für Nachwuchsführungskräfte landwirtschaftlicher und gartenbaulicher Unternehmen, der in diesem Jahr ab 4. November erstmals an der Brandenburgischen Landwirtschaftsakademie (BLAk) angeboten wird. In zehn Modulen, die innerhalb von zwölf Monaten stattfinden, wird das Handwerkszeug für angehende Führungskräfte der Leitungsebene eines Unternehmens vermittelt.

„Zum Angebot des Intensivkurses gehört zudem eine optionale Fachexkursion nach Holland“, sagt Klaus Benthin, Leiter der Heimvolkshochschule Seddiner See. „Die Teilnehmer des Kurses arbeiten in einer festen Gruppe, können Erfahrungen austauschen und gemeinsam die Aufgabenstellungen im Betrieb mit den neuen Kompetenzen lösen.“ Die Lehrgangsgebühr inklusive Unterkunft und Verpflegung liegt bei 1290 Euro für Mitarbeiter von Betrieben in Brandenburg, Teilnehmer aus anderen Bundesländern zahlen 1976 Euro.

ÖKOLOGISCH WERTVOLL

Betriebsinhaber, die vom konventionellen auf ökologischen Landbau umstellen möchten, können sich neue Techniken in Seminaren von Bioverbänden wie Bioland oder Demeter aneignen. Im Jahr 2008 wurden 30 Betriebe im Raum Berlin-Brandenburg unter Demeter-Gesichtspunkten geführt. Unter dem etwas hölzern klingenden Titel „Einführungskurs in die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise“ vermittelt der strengste Bioverband seine anthroposophischen Prinzipien von Viehwirtschaft, Boden und Düngung, Acker- und Pflanzenbau bis hin zur Verarbeitung der erzeugten Lebensmittel. „Es geht aber auch ganz praktisch darum, wie ich zum Beispiel meinen Stall umbaue“, sagt Renée Herrnkind von Demeter. Das Wochenendseminar findet vom 6. bis 8. November in Wulkow statt und kostet 150 Euro, Anmeldeschluss ist der 23. Oktober.

AUSSICHTEN IN DER REGION

Dagmar Stern vom Landesbauernverband Brandenburg sieht insgesamt gute Karrierechancen für Absolventen dieser Weiterbildungen. „Gerade in Ostdeutschland haben wir zu wenig gute Fach- und Führungskräfte in der Landwirtschaft“, sagt die Referentin für Bildung. Dabei seien diese gerade hier in den Groß- und Genossenschaftsbetrieben sehr wichtig, da „die Anforderungen und die Kenntnisse, etwa bei den Förderrichtlinien oder neuen Produktionstechniken, immer weiter steigen“.

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